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Dresdner baut eigenes Gigabit-Netz für Turbointernet

Dort gehts zum schnellen Internet: Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert und Drewag-Chef Reiner Zieschank rollen im Dresdner Industriegelände nord plakativ ein "Breitband" aus. Die eigentlichen Glasfasern sind natürlich längst in der Erde versenkt. Foto: Heiko Weckbrodt

Dort gehts zum schnellen Internet: Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert und Drewag-Chef Reiner Zieschank rollen im Dresdner Industriegelände Nord plakativ ein „Breitband“ aus. Die eigentlichen Glasfasern sind natürlich längst in der Erde versenkt. Foto: Heiko Weckbrodt

Glasfasern gibt’s zunächst für Firmen, dann für alle

Dresden, 23. Januar 2014: Während die Telekom ihre Datennetze in ausgewählten Städten gerade erst auf 200 Megabit je Sekunde (Mbs) aufrüstet, bieten die Dresdner Stadtwerke Drewag nun über ihr eigenes Glasfasernetz gleich fünfmal soviel Internet-Tempo an. Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Drewag-Chef Rainer Zieschank haben gestern im Zuge dieses Pilotprojektes im Industriegelände Nord mit der „Haase Businesstechnik“ ein erstes Unternehmen offiziell an dieses Dresdner Gigabit-Netz angeschlossen. Einige Hundert Unternehmen sollen 2015/16 mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung folgen. „Mittelfristig“ will Zieschank die schnelle Glasfasertechnik auch Privat-Haushalten offerieren.

Reindustrialisierung statt Partys

Die Verteilertechnik bringen Drewag Netz und die lokalen Priovider in einem Container unter, der schnell aufgebaut werden kann. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Verteilertechnik bringen Drewag Netz und die lokalen Priovider in einem Container unter, der schnell aufgebaut werden kann. Foto: Heiko Weckbrodt

„Wir bringen das Industriegelände auf Trab“, betonte Hilbert und verwies auf die vielen Klagen von Unternehmen, die sich bisher mit Tröpfelleitungen der Telekom zufrieden geben mussten, da der nächste DSL-Verteilerknoten des Rosa Riesen zu weit weg liegt. Andreas Haase zum Beispiel, dessen Computertechnik-Firma an der Clemens-Müller-Straße zusammen mit der Lackfabrik Novatic und der eKiosk GmbH zu den ersten Nutznießern des Pilotprojekts gehört, musste zuletzt seine großen Datenpakete mit effektiv 2,5 Mbs an seine Kunden in ganz Deutschland überspielen. Er hat jetzt erst mal einen 50-Mbs-Zugang auf den neuen Glasfasern gebucht, die aber bis zu rund Tausend Mbs (= ein Gigabit je Sekunde) hergeben. Im ersten Halbjahr 2014 will die Drewag 26 weitere Firmen im Industriegelände Nord (insgesamt 90 Hektar mit 2500 Jobs in 175 Unternehmen) anschließen, bis zu 150 sind hier möglich.

Das Pilotprojekt soll indes nicht nur für neue Firmenansiedlungen im wirtschaftlich traditionsreichen Industriegelände sorgen, das sich zeitweise zur reinen Partygegend entwickelt hatte. „Eine schnelle Internetverbindung ist für viele Firmen eine wichtige Geschäftsgrundlage und mittlerweile ein entscheidender Wirtschafts- und Standortfaktor“, betonte Hilbert. „Verläuft dieses Pilotprojekt erfolgreich, werden wir den wirtschaftlichen Ausbau und Betrieb des Glasfaser-Netzes in weiteren Gewerbegebieten prüfen.“

SPD: Verwaltung wacht auf – aber spät

Die Verwaltung sei endlich aufgewacht – „allerdings reichlich spät“, kommentierte SPD-Fraktionschef Peter Lames den Vorstoß. Er forderte indes, auch die Breitbandversorgung der Privathaushalte voranzutreiben und den Drewag-Breitbandausbau zu unterstützen.

Die Glasfaser-Ausbaupläne der Drewag. Foto: hw

Die Glasfaser-Ausbaupläne der Drewag. Foto: hw

Einige Hundert weitere Anschlüsse folgen 2015/16

Tatsächlich sind die Pläne der Stadtwerke-Tochter „Drewag Netz“ schon recht konkret. Auf der Agenda stehen noch für 2015 rund einige Hundert Glasfaser-Anschlüsse in den Gewerbegebieten Coschütz-Gittersee, Promigberg und Weißig. 2016 sind weitere Anschlüsse im ganzen Stadtgebiet geplant.

Bereits 500 km Glasfaser als Rückgrat verlegt

Möglich ist dieses Tempo, weil das Rückgrat dieses Netzes bereits in der Erde liegt: Um ihre Standorte untereinander zu vernetzen und die vom Gesetzgeber geforderten intelligenten Stromnetze vorzubereiten, hat die Drewag bisher bereits rund 500 Kilometer Lichtwellenleiter im Stadtgebiet verlegt und bei Straßenbauprojekten meist vorsorglich gleich Leerrohre für Glasfasern mit versenkt. Durch die werden nun die neuen Leitungen durchgeschossen und durch Knoten-Container vor Ort nach dem „Fiber to the Building“-Prinzip (FTTB) verteilt. Baggerarbeiten sind nur noch für die letzten Meter bis zum Kunden nötig. Pro Jahr werde man in nächster Zeit wohl etwa 20 bis 60 Kilometer neue Glasfaser-Datenleitungen verlegen, schätzte Drewag-Netz-Chef Frank Otto – je nach Nachfrage.

Thomas Horn vom Dresdner Provider IBH testet das Tempo der neuen Anschlüsse - er ist zufrieden. Foto: Heiko Weckbrodt

Thomas Horn vom Dresdner Provider IBH testet das Tempo der neuen Anschlüsse – er ist zufrieden. Foto: Heiko Weckbrodt

Lokale Provider – Dresdner Weg

Die Stadtwerke treten dabei aber nicht selbst als Internetversorger auf, sondern überlassen dies Dresdner Providerfirmen wie der IBH und der DSI (Tarife ab 39 Euro, hieß es) – insofern handelt es sich in jeder Hinsicht um einen besonderen Dresdner Weg, um Lücken in der Breitbandversorgung zu schließen. Eine Ausweitung der Internet-Glasfasern über Dresden hinaus in den ostsächsischen Raum hinein schloss Drewag-Chef Zieschank nicht aus.

Autor: Heiko Weckbrodt

Anschlussplan:

2014:

Industriegelände, Heeresbäckerei

Gewerbegebiet (GG) Coschütz-Gittersee

GG Promigberg

2015:

GG WeißigLandeshauptstadt Dresden, Amt für Wirtschaftsförderung

Übigau West, Sigma Technopark, GG Stadterweiterung Kaditz Mickten

2016:

Industriepark Klotzsche

Gewerbepark Merbitz

2016/17

Künftiges GG Heidestraße

GG Eschdorf

Nach 2017:

Wissenschaftsstandort Ost (Reick)

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