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DVD „Wild Bill“: Feines Brit-Kino

Der einst so wilde Bill (Charlie Creed-Miles) will nach dem Knast ein sittsames Leben beginnen - und landet doch gleich wieder zwischen Drohen-Dealern. Foto. Tiberius-Film

Der einst so wilde Bill (Charlie Creed-Miles) will nach dem Knast ein sittsames Leben beginnen – und landet doch gleich wieder zwischen Drohen-Dealern. Foto: Tiberius-Film

Ex-Knackie zwischen Kindern und Gangstern im englischen Suburb

Ex-Gangster Bill (Charlie Creed-Miles) will nach acht Jahren Knast wieder zurück zur Familie und in seine Wohnung in einer verlotterten englischen Vorstadt einziehen. Doch der Neustart auf Bewährung fängt schlecht an: Seine Frau hat sich mit einem Lover davon gemacht, seine Söhne Jimmy und Dean haben dies vor dem Jugendamt verheimlicht und schlagen sich seit Monaten allein durchs Leben. Besonders der ältere Sohn ist stinksauer auf den treulosen Papi: Statt mit der scharfen Steph (Charlotte Spencer) zu flirten, muss sich der 15-jährige Dean (Will Poulter) als Lehrling auf dem Bau verdingen, um seinen elfjährigen Bruder zu ernähren – und der droht auch noch, in die Rauschgift-Szene abzurutschen. Ein abgekartertes Spiel nimmt seinen Lauf und „Wild Bill“ – so auch der Titel des nun auf DVD erschienenen britischen Krimi-Sozialdramas – muss widerwillig den treusorgenden Vater mimen und sich gegen alte Gangster-Kumpels durchsetzen…

Erdige Story, überzeugende Akteure

Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie es die Briten hinkriegen, auch solche eher „kleinen“ Geschichten besser, spannender und realistischer zu erzählen als manch hochbudgetierter US-Thriller. Regisseur-Debütant Dexter Fletcher hat sich für „Wild Bill“ hierzulande weitgehend unbekannte, aber sehr überzeugende Schauspieler zusammengesucht und gemeinsam mit Danny King ein schlüssiges und kraftvolles Drehbuch geschrieben.

Werbevideo (Tiberius):

Eher in Nebenrollen sind auch ein paar bekanntere Gesichter zu sehen: Andy Serkis (alias Gollum aus dem „Herr der Ringe) als perfider Gangsterboss zum Beispiel oder Liz White (Polizistin Annie aus der BBC-Serie „Life on Mars“) als Hure Roxie. Und die liefern alle zusammen ein sehenswertes Krimidrama mit sozialkritischen Tönen ab, das wieder einmal zeigt: Das europäische Kino lebt und hat weit mehr Originalität und Substanz zu bieten als der größte Teil der Hollywood-Knallbumm-Orgien.

Abb.: Tiberius

Abb.: Tiberius

Fazit:

Bewegendes und dichtes Britkino, das keine Minute langweilig ist. Als Boni gibt es auf der DVD übrigens ein paar geschnittene Szenen. Autor: Heiko Weckbrodt

„Wild Bill – Vom Leben beschissen“ (Tiberius Film), Krimi/Sozialdrama, Großbritannien 2011 (DVD: 2014), Regie: Dexter Fletcher, mit Charlie Creed-Miles, Will Poulter, Andy Serkis, 94 Minuten, FSK 16, DVD 13 Euro

 

Zum Weiterlesen:

Brit-Komödie „3 und raus“: Selbstmörderischer U-Bahnfahrer trifft Killer

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1 Kommentare

  1. Der Film war echt hart. Für diejenigen die auf Ausstiegs-Gangstermovies stehen, kann ich diesen nur empfehlen. Ich habe eh den Eindruck, dass die Britten in der Zwischenzeit richtig gute Suburb-Movies drehen.

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