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„Byzantium“: Laszive Blutsaugerinnen etablieren Bordell im Kurort

Die Vampir-Kerle sind ziemlich angenervt, weil sich mit Clara (Gemma Arteron) eine Frau und Hure in ihre unsterblich-blutrünstige Bruderschaft eingeschlichen hat. Szenenfoto: Universum Film

Die Vampir-Kerle sind ziemlich angenervt, weil sich mit Clara (Gemma Arteron) eine Frau und Hure in ihre unsterblich-blutrünstige Bruderschaft eingeschlichen hat. Szenenfoto: Universum Film

Die Blutsaugerei bleibt auf der Leinwand in Mode – zum Glück aber diesmal nicht so seicht wie in „Twilight“: Im heute auf DVD erschienenen Gruselkrimi „Byzantium“ schlagen sich Mama und Tochter Vampir durchs moderne England, wobei die laszive Clara (Gemma Arterton, „3 und raus„) viel Spaß am Rumhuren und Umherziehen hat, während Töchterlein Eleanor (Saoirse Ronan) nach knapp 200 Jahren als 16-Jährige die Faxen dicke von Geheimniskrämerei und Vagabundentum hat. Der blutsaugerische Familienkonflikt eskaliert, als Clara gleich ein ganzes Bordell aufmacht, sich die Tochter in eine Leukämiekranken verliebt und dann auch noch eine antifeministische Brüderschaft Jagd auf die bleichen Damen macht…

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Aufreizende Gemma, starrende Saoirse

Das hört sich trashiger an als es ist, was einerseits der über mehrere Zeitebenen und Perspektiven verschränkten Erzählweise zu verdanken ist, vor allem aber der starken Präsenz von Gemma Arterton, die schon in „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“ gleichermaßen aufreizend wie taff agierte und auch hier genüsslich mit dem Image einer emanzipierten Hure und überforderten Mutter spielt. Eher schwach wirkt dagegen Saoirse Ronan, die – wie schon in „Seelen“ – zu glauben schein, mit knallblauen Augen missmutig zur Seite zu starren gehe als Schauspielkunst durch.

Überflüssige Vampir-Folklore an Bord genommen

Seit 200 Jahren Teenager - und Eleanor (Saoirse Ronan) lutscht immer noch an den Fingern. Szenenfoto: Universum Film

Seit 200 Jahren Teenager – und Eleanor (Saoirse Ronan) lutscht immer noch an den Fingern. Szenenfoto: Universum Film

Indes mangelt es der Geschichte gelegentlich an Logik und Stringenz – Regisseur Neil Jordan („Interview mit einem Vampir“) wäre wohl gut beraten gewesen, die ganze Vampirfolklore konsequent über Bord zu kippen und sich mehr auf die eher gut funktionierende Mutter-Tochter-Story zu konzentrieren. Wie man der Bonussektion der DVD entnehmen kann, war dies auch die ursprüngliche Intention von Drehbuch-Autorin Moira Buffini, die wohl eher auf einen „realistischen“ Vampirfilm hinauswollte, in dem die Blutsauger zum Beispiel mit dem Messer zur Tränke gehen, statt sich altbackene Reißzähne oder -nägel wachsen zu lassen. Auch erklärt sich nur aus dem ersten Script, in dem die Vampirkandidaten ins alte Byzanz reisen mussten, um in die „Bruderschaft“ aufgenommen zu werden, der Filmtitel richtig.

Zu sehr auf Budget und Vampirfans geschielt

Wie dem auch sei: Jordan hat viel davon zusammengestrichen, um das Budget klein zu halten und Erwartungen von Vampirfans zu erfüllen, was dem Film nicht bekommen ist – dabei hätte gerade die gewählte Kulisse eines vergammelten englischen Badeorts eine noch beklemmendere oder realistischere Tönung hergegeben. Optisch jedenfalls macht „Byzantium“ einiges her.

Fazit: Hoher Schauwert, aber inkonsequent

Foto: Universum

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Die Macher verstehen es durchaus, dem abgedroschenen Vampir-Universum noch neue Töne abzugewinnen und eine interessante Erzählstruktur aufzubauen, haben mit Gemma Arterton auch einen echten Hingucker als laszive Vampirin angeheuert. Dennoch wirkt der Film ein wenig so, als ob man sich nicht so recht für einen Kurs entscheiden können. Schade eigentlich. Klassische Vampirfilm-Fans kommen ohnehin nur wenig auf ihre Kosten. Autor: Heiko Weckbrodt

„Byzantium“ (Universum Film), Vampir-Krimi, Irland/UK/USA 2013, Regie: Neil Jordan, mit Gemma Arterton, Saoirse Ronan, 113 Minuten plus 72 min. Bonusmaterial (Interviews) FSK 16, DVD 13 Euro, Bluray 15 Euro

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