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Nix mit Omen-Show: Komet ISON wohl kaputt

Die Flugbahn von ISON in geringer Distanz zur Sonne. Foto: ESA, SOHO

Die Flugbahn von ISON in geringer Distanz zur Sonne. Foto: ESA, SOHO

Sonnige Umarmung war zu stürmisch

Sonnensystem, 30. November 2013: All jene, die in den nächsten Wochen auf eine großartige Astro-Show mit Omen-Einschlägen selbst am Taghimmel gehofft haben, werden wohl enttäuscht sein: Der Komet ISON, der wegen seiner erdnahen Bahn für dieses Himmelsspektakel sorgen sollte, ist anscheinend durch die Sonne weitgehend pulverisiert worden. Das geht aus heutigen Auswertungen von Lasco-Bildern des SOHO-Satelliten durch die Max-Planck-Gesellschaft hervor. Demnach hat der Komet zwar wohl noch einen Kern, aber sendet nur noch einen schwachen Doppel-Staubschweif ab, der tagsüber kaum von der Erde aus sichtbar sein dürfte.

Video von der Kometenpassage vom SOHO-Satelliten (hw/ESA):

Zeitweise taghelle Himmel-Show erwartet

Der weißrussische Astronom Witali Newski hatte den Kometen, der anscheinend zu den ältesten Objekten im Sonnensystems gehört und aus der weitenfernten Orrtschen Wolke stammt, im September 2012 entdeckt. Wegen seines starken Schweifs und seiner Flugbahn hatten viele Astronomie-Fans sowie „Zeichendeuter“ darauf gehofft, dass ISON im Dezember und Januar gut am Erdhimmel tagsüber sichtbar werden könnte – ähnlich wie der Komet, von dem die Bibel anlässlich von Christi Geburt berichtet, oder das Himmelsschwert im „Lied von eis und Feuer“, das die Erlöserin von Westeros ankündigt.

Zentralgestirn hat Komet wohl weitgehend zerstört

Am Donnerstag jedoch kam der Komet der Sonne bis auf 1,8 Millionen Kilometer nahe, zeitgleich mit heftigen Solar-Protuberanzen – zu nahe wohl: Unser Zentralgestirn hat ISON laut neuesten Einschätzungen weitgehend zerstört, so dass der Komet nun nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Schweif entsteht erst in Sonnennähe

Der Halleysche Komet auf einem Wandteppich über die Schlacht von Hastings 1066. Foto: MPG

Der Halleysche Komet auf einem Wandteppich über die Schlacht von Hastings 1066. Foto: MPG

Kometen wurden oft in der Menschheitsgeschichte als Zeichen gedeutet. Später erkannten die Astronomen dank der Entwicklung der Teleskoptechnik, dass es sich dabei um alte Gas-Eis-Objekte handelt, die die Sonne in einer stark exzentrischen und langen Umlaufbahn umkreisen und ihren Schweif erst entwickeln, wenn sie unserem Stern nahe kommen: Der Sonnenwind bläst dann Staub- und andere Partikel aus dem Kometenkern heraus. Autor: Heiko Weckbrodt

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