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Dresdner Cyberport soll Milliarden-Firma werden

Neues Magement soll Cyberport in neue Liga führen: Die Geschäftsführer Thomas Koelzer, Danilo Frasiak (vorn), Rainer Kiefer und Jeremey Glück (hintere Reihe, alle von links) im Cyberport-Firmensitz in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Das neue Management soll Cyberport in höhere Liga führen: Die Geschäftsführer Thomas Koelzer, Danilo Frasiak (vorn), Rainer Kiefer und Jeremey Glück (hintere Reihe, alle von links). Foto: Heiko Weckbrodt

Eigner Burda wechselt Management aus

Dresden, 12. November 2013: Die Dresdner „Cyberport GmbH“ soll zum Milliarden-Unternehmen wachsen und sich als einer der größten Internet-Elektronikhändler in Deutschland behaupten. Das hat Jörg Lübcke vom Haupteigner „Burda Digital“ angekündigt. Dafür hat Burda nun auch große Teile des Cyberport-Managements ausgetauscht. Allein im kommenden Jahr will die Cyberport-Chefetage rund 60 neue Jobs schaffen – vor allem in Dresden und Siebenlehn.

Umsatz soll sich in 3 bis 5 Jahren verdoppeln

„Seit der Gründung vor 14 Jahren hat Cyberport eine ganz außerordentliche Wachstums-Story hingelegt, von 0 auf eine halbe Milliarde Euro Umsatz“, begründete „Burda Digital“-Geschäftsführer Lübcke die großen Hoffnungen, die die Muttergesellschaft in die Dresdner Firma legt. Cyberport habe sich durch seinen Qualitätsanspruch und seine mehrkanalige Vertriebsstruktur über Internet wie eigene Präsenzläden zu einer echten Premium-Marke entwickelt. „Unser Ziel ist, dass sich der Umsatz in den nächsten drei bis fünf Jahren verdoppelt.“

Allerdings wollen die Gesellschafter – zu denen als Minderheitseigner auch weiterhin Mitgründer Olaf Siegel gehört – diesen Booster mit neuem Management zünden: So sei Siegel „im gegenseitigen Einverständnis“ aus der Geschäftsleitung ausgeschieden und in einen neugeschaffenen Cyberport-Beirat gewechselt, Ex-Geschäftsführer Fritz Oidtmann ging zum Mutterunternehmen Burda, teilte das Unternehmen mit. Danilo Frasiak bleibt in der Geschäftsführung, neu hinzugekommen sind in den vergangenen Wochen und Monaten Rainer Kiefer, Thomas Koelzer und Jeremey Glück.

Als kleiner Apple-Händler angefangen

Cyberport-Hauptsitz im Dresdner Waltdschlösschen-Areal. Foto: Heiko Weckbrodt

Cyberport-Hauptsitz im Dresdner Waltdschlösschen-Areal. Foto: Heiko Weckbrodt

Angefangen hatte Cyberport 1998/99 als kleiner Apple-Händler in einer Dresdner Stadtvilla. Das Unternehmen setzte allerdings beizeiten auf den Verkauf per Internet und vergrößerte sein Produktportefeuille. Im Jahr 2000 stieg Burda Digital als Mehrheitsgesellschafter ein.

Außerdem spann Cyberport ab 2003 nach und nach – von seinem neuen Firmensitz im Dresdner Waldschlösschen-Areal aus – ein Netz von Präsenzläden in ganz Deutschland und in Wien. Diese „Cyberport-Stores“, die in ihrer „Technikerlebnis“-Anmutung etwas an die Apple-Stores erinnern, fanden regen Zuspruch.

Drittgrößter Marktakteur nach Amazon und Metro

Unterm Strich erwiesen sich all diese Weichenstellungen als richtig: Cyberport gehört inzwischen nach Amazon und dem Internetableger der Metro-Gruppe zu den größten Elektronik-Onlinehändlern in Deutschland. Heute beschäftigt das Unternehmen insgesamt über 600 Mitarbeiter und realisierte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 537,3 Millionen Euro, ein Plus von 48 Prozent zum Vorjahr. Für dieses Jahr rechnet Geschäftsführer Kiefer mit starkem Wachstum – gegen den Marktrend.

So bescherten der Umstieg der Deutschen auf Tablettrechner und Computertelefone (Smartphones) und da vor allem auch die neueren Apple-Produkte Cyberport gute Verkaufszahlen. Anders als bei anderen Händlern gingen aber auch mehr Notebooks über die virtuellen und „echten“ Verkaufstresen. Hier zahle sich anscheinend die jahrelange Profilierung als Qualitätsanbieter hochwertiger Elektronikprodukte in den Köpfen der Kunden aus, so Technikchef Thomas Koelzer.

„Internet der Dinge ist im Kommen“

Verkäufer Attila Szucs mit einem Tablet - die Kunden fragen meist, wie sie Briefe und E-Mails auf diesen kleinen Computern schreiben können, sagt er. Foto. Heiko Weckbrodt

Verkäufer Attila Szucs mit einem Tablet – die Kunden fragen meist, wie sie Briefe und E-Mails auf diesen kleinen Computern schreiben können, sagt er. Foto: Heiko Weckbrodt

Und dieses Kompetenz-Image stützt nun wiederum den Absatz einstiger Nebenprodukte im Handelsprogramm wie Waschmaschinen und anderer Haushaltsgeräte. Nachdem jahrelang über „intelligente“ Kühlschränke nur geredet worden sei, komme die Digitalisierung und Vernetzung der Haushaltsgerätewelt nun wirklich in Fahrt, schätzte Koelzer ein.

„Waschmaschinen, die ihren Besitzern SMS schicken, wenn sie fertig sind, oder Haushaltsgeräte, die per Smartphone gesteuert werden, gibt es bereits“, sagte er. „Das Internet der Dinge ist im Kommen und da trauen uns die Kunden Kompetenz zu.“

Weitere Cyberport-Stores in Berlin und München geplant

Ausbauen will Cyberport auch sein Mehrkanal-Geschäft („Multichannel“), was heißt: Handel über klassische Läden wie per Netz. So werden demnächst drei weitere Stores eröffnet, zum Beispiel in Berlin und München. Neben dem Image-, Beratungs- und Erlebniseffekt für den Kunden verbindet die Geschäftsführung damit auch die Erwartung, künftig über solch ein Präsenznetz deutschlandweit seine neuen Express-Dienstleistungen (Lieferung binnen drei Stunden nach Bestellung) anbieten zu können.

Bruda will „Chip“ und Cyberport verzahnen

Zudem dringt Gesellschafter Burda (dem auch die Computerzeitschrift „Chip“ gehört) darauf, im Internethandel „Wertschöpfungsketten auszubauen“. In der Praxis heißt das: Wer im Cyperport-Netzladen etwa nach Tablets oder Kameras stöbert, bekommt die „Chip“-Testberichte dazu geliefert. Und umgekehrt will Burda Testberichte im Chip-Onlineportal mit Cyberport-Kaufangeboten verknüpfen.

Der drohende Ruch einer Vermengung von Kommerz und redaktionell-unabhängiger Berichterstattung ist Lübcke bewusst: Natürlich werde sich der Verlag oder Cyberport nicht in die Chip-Artikel einmischen und umgekehrt werde die Cyberport-Werbung stets eine von mehreren Angeboten auf den Chip-Seiten bleiben, versicherte er. Autor: Heiko Weckbrodt

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