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Cliquentreff im Internet

Spätestens, sobald sie lesen und schreiben können, tauchen die meisten Kinder heute bereits ins Internet ein. Foto: Lasse Kristensen, Klicksafe.de

Spätestens, sobald sie lesen und schreiben können, tauchen die meisten Kinder bereits ins Internet ein. Foto: Lasse Kristensen, Klicksafe.de

Sozialpädagoge: Kinder brauchen im Netz auch Freiräume, nicht nur Überwachung

Dresden, 1. November 2013: Eltern sollten ihren Kindern im Internet auch Freiräume lassen und nicht jeden Schritt der Tochter oder des Sohns in Kontakt- und Nachrichtennetzen und wie „Facebook“ oder „WhatsApp“ überwachen. Dafür plädiert der Dresdner Sozialpädagoge und Jugendpolitiker Carsten Schöne, der seit Jahren an Schulen Jugendliche wie auch deren Eltern im Umgang mit dem Internet berät und 13 Jahre lang den städtischen „Jugendinfo-Service“ in Dresden geleitet hat. „Jede junge Generation hat sich ihre Nischen gebaut“, argumentiert der 48-Jährige. „Als wir jung waren, sind wir mir der Clique in Abrisshäuser gegangen. Die Kinder und Jugendlichen heute brauchen solche Freiräume genauso, die haben sich eben die virtuellen Räume erobert. Dass sie da unter sich sein wollen, sollten die Eltern auch akzeptieren.“

Carsten Schöne tingelt seit Jahren durch die Dresdner Schulen, um den Kiddies und deren Eltern die Fallstricke im Netz zu erklären. Foto: Heiko Weckbrodt

Carsten Schöne tingelt seit Jahren durch die Dresdner Schulen, um den Kiddies und deren Eltern die Fallstricke im Netz zu erklären. Foto: Heiko Weckbrodt

Sinnvoll sei es vielmehr, wenn Eltern mit ihren Söhnen und Töchtern über deren Internet-Nutzung reden, gelegentlich auch – im gegenseitigen Einverständnis – gemeinsame Stunden im Netz verbringen, etwa über die Internet-Recherche für Hausaufgaben oder für den gemeinsamen Urlaub.

Selbst Abc-Schützen schon mit Smartphones gerüstet

Allerdings sei es sinnvoll, auch beizeiten Regeln zu vereinbaren, sagt Schöne „Selbst Schulanfänger bekommen heute oft schon Smartphones in die Hand gedrückt, selbst wenn sie das noch gar nicht wollen – das dient oft eher den Überwachungswünschen der Eltern“, berichtet der Sozialpsychologe aus seiner Beratungspraxis, in der Schülerkurse und Medien-Elternabende verknüpft werden.

Denn wenn die Kinder erst jahrelang allein die Möglichkeiten dieser Geräte erkunden und sich dann plötzlich, in der Pubertät, die Eltern einzumischen beginnen, ist es oft zu spät für solche Vereinbarungen. Dann wird die Intervention von Vater oder Mutter von den Jugendlichen nur noch als peinliche Zumutung empfunden.

„Generelle Verbote wenig hilfreich“

Ähnlich argumentiert auch die Landesmedienanstalt NRW, deren „Klicksafe“-Beratungsprogramm bundesweit genutzt wird: „Generelle Verbote sind auf Dauer wenig hilfreich und führen eher dazu, dass heimlich oder bei Freunden gespielt oder gesurft wird“, raten die Klicksafe-Medienexperten. „Interessieren Sie sich für die virtuelle Welt, die Ihr Kind begeistert, lassen Sie sich darauf ein und spielen Sie mit.“

Ohnehin sei es eher vergebens, den Nachwuchs im Netz ständig überwachen zu wollen, sagt Schöne. „Die Jugendlichen merken natürlich, wenn sich ihre Eltern nur deshalb bei Facebook anmelden, um ihre Kinder im Auge zu behalten.“ Denn sobald das Kind die Freundschaftsanfrage der Mutter oder des Vaters akzeptiert hat, können die im Grundsatz in die Facebook-Kommunikation der Junioren hineinschauen.

Eltern stürzen sich auf Facebook

Mittlerweile hat der Marktführer unter den sogenannten „Social Networks“ in Deutschland nur noch spürbare Nutzerzuwächse in der Altersgruppe 40+. Bei Facebook angemeldet sind inzwischen 78 Prozent (!) aller deutschen Internetnutzer, darunter in zunehmendem Maße Ältere, wie erst dieser Tage eine Umfrage des Hightech-Verbandes „Bitkom“ ergeben hatte.

„Ich habe meiner Tochter jetzt erlaubt, sich bei Facebook anzumelden. Aber die Bedingung war: Ich bin deine erste Freundin“, erzählt beispielsweise eine Dresdner Mutter. „Wenn das Mädel 18 wär, wäre das sicher etwas anderes. Aber sie ist 14 und da will ich nicht, dass sie unüberlegt in irgendwelche Sachen reinrutscht.“

Gerade bei Jüngeren immer beliebte 1-zu-1-Kommunikation à la Whatsapp. Foto: WhatsApp

Gerade bei Jüngeren immer beliebte 1-zu-1-Kommunikation à la Whatsapp. Foto: WhatsApp

Jugend wandert zu WhatsApp & Co. ab

Folge: Mehr und mehr Jugendliche schwenken auf 1-zu-1-Nachrichtenservices wie „WhatsApp“ oder in spezielle Foto-Dienste um, in deren Gespräche und Bildertausch-Aktionen die Eltern nicht unmittelbar hineingucken können. „Viele Jüngere wollen interessieren sich einfach nicht für Status-Meldungen oder Profile à la Facebook, Twitter oder Google+, sie suchen die private Kommunikation. Dort lauern aber neue Gefahren“, warnt Schöne. Denn Miniprogramme (Apps) wie „WhatsApp“ können zum Beispiel auch teure Mehrwertdienste per Telefon oder Datendienst anwählen, wenn man unbedacht auf die „falsche“ Verknüpfung tippt.

Schöne: Internetkurse gehören schon in die Grundschule

Generell seien Aufklärung und das „Miteinanderreden“ ohnehin der bessere Weg im Vergleich zum Überwachungsansatz, betont der Medienexperte – der da aber auch die Schulen in der Pflicht sieht: „Die meisten Schüler in Sachsen kommen erst ab der fünften Klasse im Unterricht mit Computern in Verbindung. Besser wäre es, grundlegende Internet- und besonders Recherche-Kompetenzen schon in der Grundschule zu vermitteln“, fordert er. Autor: Heiko Weckbrodt

 

Parental Control. Abb.: Symantec

Abb.: Symantec

Internet-Tipps für Eltern

– Viele Firewall-Pakete wie etwa „Norton Security“ oder „Kaspersky Pure“ und kostenlose Programme wie „Kinderschutz“ der Telekom oder „Jugendschutzprogramm“ des Vereins „JusProg“ bieten „Parental Controls“ (Elternkontrolle) an. Das sind technische Vorkehrungen, um zum Beispiel die Zeit, die das Kind am PC oder (per App gesteuert) auf dem Computertelefon im Internet verbringt, zu begrenzen (Zeitkontrolle).

– Außerdem kann man mit „Parental Controls“ Filter einrichten, um Kinder etwa vom Besuch von Porno- und anderen unerwünschten Seiten abzuhalten. Dafür gibt es zwei technische Wege: Die Eingabe von zu filternden Suchbegriffen oder sogenannte „Schwarze Listen“ problematischer Seiten, die von Dritten erstellt werden. Keine dieser Methoden ist aber 100-prozentig sicher. Zudem können dabei auch sinnvolle Recherchen des Kindes verhindert werden. Nur ein Beispiel: In „Bildungsexperten“ ist die Kombination „Sex“ enthalten.

– Viele Computertelefone (Smartphones) bieten die Möglichkeit, bestimmte Funktionen wie die Internetnutzung oder altersbeschränkte Spiele zu sperren. Beim iPhone beispielsweise ist solche eine Passwort-geschützte Sperre über „Einstellungen“ -> „Einschränkungen“ möglich.

– Windows unterstützt von Haus aus Benutzerprofile für Kinder, deren Berechtigungen (etwa ins Internet zu gehen oder Programme zu installieren) nur vom Administrator geändert werden können. Unter „Windows 7“ werden solche Konten unter „Systemsteuerung“ -> „Jugendschutz“ angelegt und konfiguriert.

Weitere Infos und Tipps gibt es u. a. auf folgenden Seiten:

www.klicksafe.de

handysektor.de

jugendinfo.de/pass-auf-dich-auf

www.watchyourweb.de

www.carsten-schoene.de (dort können Schulen und Kitas auch Medienkurse und –Elternabende bestellen)

(zusammengetragen von: Heiko Weckbrodt)

1 Kommentare

  1. Das Kinder und Jugendlich in andere digitale Räume abwandern, beobachten wir auch gerade. Viele Spiele bieten ebenfalls digitale Räume an, in denen man gemeinsam virtuell abhängen kann. Auch dies sollte man bei der Auswahl berücksichtigen. Statt Überwachung kann man als Eltern eines dieser Spiele finanzieren und den Admins die Kontrolle überlassen. Spätestens wenn das Nutzerkonto gesperrt wird, weiß man dass etwas schief gelaufen ist und dann darüber sprechen.

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