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Britischer Cop-Thriller „Enemies“: Rächer in den Mühlen der Waffenlobby

Körnig-kühle Optik mit SloMo-Action: Polizist Max Lewinsky (James McAvoy) legt sich mit Gangsterwelt und Waffenlobby an. Foto: Universum-Film

Körnig-kühle Optik mit SloMo-Action: Polizist Max Lewinsky (James McAvoy) legt sich mit Gangsterwelt und Waffenlobby an. Foto: Universum-Film

Wer glaubte, der Cop- und Polit-Thriller sei tot, allenfalls eine endlose Selbstzitat-Schleife, irrt – das zeigen neuere europäische Produktionen wie „Enemies – Welcome to the Punch“. Darin erzählt der britische Regisseur Eran Creevy – mit Schützenhilfe seines Landsmannes Ridley Scott übrigens – das Katze-und-Maus-Spiel zwischen dem Londoner Polizisten Max Lewinsky (James McAvoy) und dem Bankräuber Jacob Sternwood (Mark Strong, Sherlock Holmes), das als privater Rachefeldzug beginnt und dann immer weitere Kreise zieht – bis in die Spitzen der britischen Politik.

Private Fehde wächst zur Politintrige

Am Anfang der Brit-Krimis, der nun in Deutschland auf DVD erschienen ist, steht ein Fauxpas: Max ist dem Gangster Lewinsky dicht auf den Fersen, bekommt aber eine Kugel ins Knie und sieht den Schurken nur noch mit der Beute davondüsen. Drei Jahre später kommt der „Criminal Mastermind“ zurück nach London, um seinen getöteten Sohn zu rächen – und der verkrüppelte Max wittert seine Chance, den Patzer von einst auszubügeln. Was beide nicht ahnen: All diese Fäden sind im Hintergrund durch eine politische Intrige verknüpft und das macht die Erzfeinde zu Partnern auf Zeit…

Werbevideo (Universum):

Hongkong-Kino lässt grüßen

Die Story ist zweifellos eine Referenz an einschlägige Hongkong-Polizeithriller und US-Klassiker wie „French Connection“, auch kann man manche Wendung vorausahnen – eine Polizistin beispielsweise, die sich ihre Ermittlungsergebnisse auf die Handrücken schreibt, ist für den erfahrenen Krimi-Kenner nur für eine filmische Einstellung gut.

Kontrahenten und Zweckpartner: Max (l.) und Bankräuber Jacob Sternwood (Mark Strong) beharken sich nächtens in den Londoner Docks. Foto: Universum-Film

Kontrahenten und Zweckpartner: Max (l.) und Bankräuber Jacob Sternwood (Mark Strong) beharken sich nächtens in den Londoner Docks. Foto: Universum-Film

Coole Optik im nächtlichen London

Andererseits verlässt „Enemies“ erzählerisch immer wieder die ausgelatschten amerikanischen Thriller-Pfade, ist einfach toll besetzt und brilliert mit einem ganz eigenen optischen Stil: Creevy hat seinen Reißer in kalte, grünlich-blaue Töne getaucht, wechselt prägnante Nahaufnahmen mit Slow-Motion-Action und versteht es zudem, um seinen Story-Kern immer mehr Schichten zu bauen, so dass seine Geschichte bis zum bleihaltig-blutigen Finale immer größer und größer wächst – untermalt mit toller Musik und einem gekonnt inszenierten nächtlichen London als Kulisse, wenn nicht gar als Hauptdarsteller.

Foto: Universum

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Fazit:

Ein knallharter Cop-Thriller mit politischen Spitzen auf die Waffendebatte, gleichermaßen knackig wie visuell und schauspielerisch konzentriert inszeniert. Auf Schauspiel und Story fokussiertes britisches Actionkino vom Feinsten. Heiko Weckbrodt

„Enemies – Welcome to the Punch“ (Universum-Film), UK 2012, Polizei-Thriller, Regie: Eran Creevy, mit James McAvoy und Mark Strong, 96 Minuten, Boni: Hinter den Kulissen, Interview (nur Englisch, ohne Untertitel!), FSK 16, DVD zwölf Euro, Bluray 14 Euro

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