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Künstlicher „Scout“ sucht sich seinen Weg durch Chipfabriken

Der Ortner-Roboter "Scout aktive" zeigt derzeit auf der "Semicon Europe", wie selbstständig er sich im Raum orientieren kann. Foto: hw

Der Ortner-Roboter „Scout aktive“ zeigt derzeit auf der „Semicon Europe“, wie selbstständig er sich im Raum orientieren kann. Foto: hw

Dresdner Firma „Ortner“ zeigt zur „Semicon“ autonomen Laderoboter für Reinräume

Dresden, 9. Oktober 2013. Er kann Hindernissen ausweichen, Chipscheiben-Körbe im Wert eines Mittelklassewagens millimetergenau aus Maschinen ziehen und in andere Anlagen bugsieren, fährt selbstständig zur Ladestation, wenn sein „Hunger“ übermächtig wird, und hört auf den Namen „Scout“ (Fährtensucher): ein neuentwickelter autonomer Roboter, den die Dresdner Automatisierungsfirma „Ortner“ für Chipfabriken konstruiert hat und nun als Hingucker für die Fachbesucher auf dem Halbleitermesse „Semicon“ im Dresdner Messegelände fahren lässt. Er soll künftig in Reinräumen Transportaufgaben übernehmen und die Fabs dadurch effektiver machen.

Fabs setzen oft noch auf Schienenroboter

„Um Anlagen in Reinräumen zu be- und entladen, verwenden viele Halbleiterfabriken Roboter auf Schienen, die sich nur auf festen Pfaden bewegen können“, erklärt Automatisierungs-Chef Karli Hantzschmann von „Roth & Rau Ortner“. „Unser Roboter dagegen kann sich frei im Raum orientieren und selbstständig Hindernissen ausweichen.“

„Scott“ orientiert sich mit 3D-Kamera im Reinraum

Zwar werden solche freifahrenden Roboter bereits in einigen Fabriken eingesetzt – so gleiten bei Infineon Dresden solche Kunstkollegen durch die Fabrik, um das Reinraumwetter zu überwachen. Doch diese autonomen Geräte nehmen es mit der Präzision nicht allzu genau, würden zentimeterweit danebengreifen, wenn man sie beauftragen würde, mit den sogenannten Wafer-Carrier zu hantieren. Die Ortner-Ingenieure haben gemeinsam mit ihren Kollegen von „MetraLabs“ ihrem „Scout“ daher Laser-Abstandssensoren sowie eine Stereokamera an einem Schwanenhals verpasst, damit der Roboter einerseits den Raum um ihn herum „versteht“ und selbst unregelmäßig geformte Hindernisse richtig erkennt, andererseits auch „sieht“, wo genau sein Greifarm gerade hinfasst – und bei Bedarf dessen Griff bis auf den Millimeter genau präzisiert. Seine Aufträge bekommt der „Scout“ drahtlos über WLAN-Datenfunk.

Video (hw):

Wird der Hunger zu groß, fährt „Scott“ zur Tanke

Im reinen Fahrbetrieb könne der „Scout“ bis zu 18 Stunden lang mit einer Akku-Ladung durchhalten, erklärt Hantzschmann. Sind die Abholstationen für die Chipscheiben mit Ladestationen ausgestattet, kann er dort auch zwischendurch nachtanken, während er gerade mit seinem Metallarm herumhantiert. Ist sein Akku dann doch fast leer, verdünnisiert sich „Scout“ und ruht sich an der nächsten Ladestation aus.

Robotereinsatz kostet indesc oft Jobs

Solche Laderoboter sind derzeit vor allem in älteren Chipfabriken, die nachträglich automatisiert werden, derzeit sehr gefragt. Dadurch sollen vor allem Mikroelektronik-Werke in Hochlohnländern wie Deutschland wettbewerbsfähig zur asiatischen Konkurrenz gemacht werden. Die Kehrseite: Durch den Robotereinsatz fallen meist auch Jobs für Menschen weg, wie sich jetzt wieder bei Infineon Dresden gezeigt hat. Das Dresdner Infineonwerk bestellt allerdings seine Roboter bei der – ebenfalls in Dresden ansässigen – Firma HAP. Heiko Weckbrodt

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