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Semicon Europe: Halbleiter-Branche optimistisch

Wafer-Tunnel: Blick durch eine Vitrine mit Spezial-Chipscheiben auf der Semicon in Dresden. Foto: hw

Wafer-Tunnel: Blick durch eine Vitrine mit Spezial-Chipscheiben auf der Semicon in Dresden. Foto: hw

Hinter den Kulissen tobt indes Wettlauf von Franzosen und Sachsen um EU-Fördertöpfe

Dresden 8. Oktober 2013: Zum heutigen Auftakt der Halbleitermesse „SEMICON Europe“ (8.-10. Oktober 2013) in Dresden blickt die Mikroelektronik-Branche optimistisch in die Zukunft, rechnet für 2014 mit mehr Umsatz und Kapazitätsausbau. Zugleich droht im Zuge der neuen EU-Mikroelektronik-Strategie ein neuer Verteilungskampf zwischen den europäischen Chipstandorten – der zu Ungunsten von Dresden ausgehen könnte.

ENIAC-Chef: Deutschland schöpft Potenzial nicht aus

Während ST Microelectronics mit Milliarden-Aufwand – subventioniert vom französischen Staat und der EU – daran geht, die Kapazitäten seiner Chipfabriken in Grenoble und Crolles zu verdoppeln, hat Globalfoundries in Dresden seine Ausbau-Investitionen inzwischen abgeschlossen, Infineon baut Personal ab – und von der ersten Tranche der neuen EU-Fördermilliarden fließt gerade einmal ein Prozent gen Dresden. Gemessen an seinem Stellenwert schöpfe Deutschland sein Potenzial, EU-Gelder zu akquirieren, nicht aus, warnte Andreas Wild vom europäischen Fördergeld-Vergabeinstitut „ENIAC“ . Dies liege wohl vor allem an der wirtschaftsliberalen Haltung der Bundesregierung, die sich – anders als die Franzosen – nicht mit großen nationalen Subventionsprogrammen in der Mikroelektronik engagiere.

Hingucker auf der Semicon: Roboter für die Chipwerk-Automatisierung (Video: hw):

Sachsen hoffen auf Strategieschwenk unter neuer Bundesregierung

Heinz-Martin Esser, Präsident des sächsischen Hightech-Verbandes „Silicon Saxony“, hofft nun auf einen strategischen Schwenk der neuen deutschen Regierung, um einen Klassenabstieg des Chipstandorts Sachsens zu verhindern. Den fürchtet auch der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP). Er stellte auf der SEMICON seinen neuen Plan vor (der Oiger berichtete exklusiv), Dresden künftig auf „intelligente Chips“ nach dem Motto „More than Moore“ statt Halbleiter-Massenproduktion zu profilieren. Gebe die EU dafür Geld, sei auch „der Freistaat bereit, seinen finanziellen Beitrag zu leisten, damit die in Aussicht gestellten Fördermittel der Europäischen Union nach Sachsen fließen können“, sagte Morlok, der damit den massiven Staatssubventionen in Frankreich etwas entgegen stellen will.

Auch ein Beispiel für "More than Moore": Heliatek stellt auf der "Plastic Electronics" am rande der Semicon biegsame organische Solarzellen aus. Foto: hw

Auch ein Beispiel für „More than Moore“: Heliatek stellt auf der „Plastic Electronics“ am Rande der Semicon biegsame organische Solarzellen aus. Foto: hw

STM-Manager: Ohne „More Moore“ funktioniert auch „More than Moore“ nicht

Allerdings warnte Joel Hartmann von ST Microelectronics: Wer heute nur auf „More than Moore“, also auf die Integration von Sensoren, Analogwandlern, Funk und andern Elementen auf Chips setze, das Prinzip „More Moore“ – also Investitionen in Strukturverkleinerungen – vernachlässige, werde nicht weit kommen: Ohne modernste Anlagentechnik seien die „schlauen“ More-than-Moore-Chips von morgen gar nicht mehr herstellbar.

Konferenz geht dorthin, wo Aufträge winken: nach Frankreich

Heinz Kundert, Präsident von Semi Europe

Heinz Kundert, Präsident von Semi Europe

Eine praktische Konsequenz hat das neue Gerangel der europäischen Chipstandorte um die EU-Pilotlinienförderung bereits: Künftig wird Europas größte Halbleitermesse SEMICON, die rund 4000 Gäste aus dem In- und Ausland nach Dresden lockt, abwechselnd in Dresden und Grenoble stattfinden. Dies sei kein Affront gegen Dresden, betonte Heinz Kundert vom Veranstalter SEMI Europe. Aber große Aufträge für Chipausrüster seien demnächst wohl eher in Frankreich zu erwarten.

6-8 % Wachstum für Halbleiterbranche erwartet

Kaum Zweifel haben Analysten und Branchenvertreter indes daran, dass die Halbleiterindustrie vorerst eine Wachstumsbranche bleiben wird, die auf viele andere Industrien ausstrahlt und Aufträge generiert. Manche Analysten prognostizieren für 2014 ein globales Umsatzwachstum von 2,5, andere von zehn Prozent. SEMI-Chef Denny McGuirk geht mit etwa sechs bis acht Umsatzwachstum für die globale Mikroelektronik-Industrie von einem Mittelwert aus. Für die Chipwerkausrüster, die Equipment-Hersteller, seien sogar 15-prozentige Auftragszuwächse zu erwarten – getrieben vor allem durch die Kapazitätserweiterungen der großen Auftragsfertiger (Foundries) wie TSMC in Taiwan, aber auch den geplanten Umstieg Intels in den USA auf die 14-Nanometer-Technologie.

Heiko Weckbrodt

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