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Chipfabrik-Investitionen seit 1990: USA und Asien rauf, Japan und Europa abgestürzt

TSMC liefert erste 28-nm-Chips aus. Abb.: TSMC

TSMC hat sich ganz nach vorn gearbeitet Abb.: TSMC

Scottsdale, 11. September 2013: Seit 1990 haben sich die geografischen Schwerpunkte der globalen Halbleiter-Produktion drastisch verschobene: Gemessen an den Kapitalausgaben für Fabriken und Ausrüstungen ist der einstige Primus Japan mit seinerzeit 51 Prozent Marktanteil an den Kapitalausgaben spektakulär auf mittlerweile sieben Prozent abgestürzt, auch der 1990 ohnehin mit acht Prozent schon niedrige Anteil der europäischen Chip-Hersteller ist auf drei Prozent abgesackt.

Die großen Aufsteiger sind hingegen vor allem die Asiaten, deren Anteil von zehn auf nun 53 Prozent stieg, und die USA, deren Anteil an den Chipfabrik-Kapitalausgaben immerhin von 31 auf 37 Prozent gestiegen ist. Das geht aus einer Analyse des US-Marktforschungsunternehmen „IC Insights“ aus Scottsdale in Arizona hervor. Diese Ausgaben-Entwicklung spiegelt sich längst auch in den Marktanteilen an der Chippropduktion.

Lange Wirtschaftskrise hat Japans Chipindustrie aus dem Rennen geworfen

Die Analysten führen diese massiven Verschiebungen auf mehrere Faktoren zurück: Japan hat seit den 1980er Jahren eine tiefe und etwa 20 Jahre anhaltende Wirtschaftskrise durchgemacht, was auch bei den dortigen Halbleiter-Riesen zu enormen Kürzungen und Umstrukturierungen führte.

Die Grafik zeigt, wie sich die Ausgaben für Chipfabriken seit 1990 drastisch verschoben haben. Abb.: IC Insights

Die Grafik zeigt, wie sich die Ausgaben für Chipfabriken seit 1990 drastisch verschoben haben. Abb.: IC Insights

In Europa nur noch wenige Große übrig geblieben

In Europa sind mittlerweile mit Infineon, ST Microelectronics und NXP inzwischen nur noch drei große Mitspieler übrig geblieben, die zudem einen Teil ihrer Produktion über Auftragsfertiger abwickeln. Die Zeiten, in denen Infineon beziehungsweise Qimonda in 300-mm-Wafertechnologie und andere Großprojekte in Dresden investierten, sind längst vorbei. Seit kurzem versucht nun die EU, mit ihrem „Airbus für Chips“-Programm, das Ruder wieder herum zu reißen.

USA mit Intel und Cluster New York stark

Die Fab 8 bei New York im Bau. Abb.: GF

Die Fab 8 bei New York im Bau. Abb.: GF

Mit dem Abstieg von Japan und Europa stieg gleichzeitig automatisch der Anteil der USA, wo mit Intel der größte Halbleiterproduzent weltweit aktiv ist. Zudem investieren der noch junge Auftragsfertiger Globalfoundries (ehemals AMD-Werke), IBM und andere Unternehmen derzeit massiv in Werke und Forschungsprojektes im Raum New York.

Taiwan, Südkorea und China arbeiten sich an die Spitze

Die bemerkenswertesten Gewinner dieser Entwicklungen sind aber die früheren Schwellenländer Südkorea, Taiwan, Singapur und China: In China ist die Halbleiterindustrie zwar noch nicht auf dem neuesten Stand der Technik, die – vor allem den Binnenmarkt bedienenden – Chip-Fabriken schießen dort aber wie Pilze aus dem Boden. In Taiwan hat sich mit TSMC und UMC der weltweite Schwerpunkt für Chip-Auftragsfertiger entwickelt, die Unternehmen rund um den Globus beliefern – und die eigene Elektronikindustrie. In Südkorea wiederum sind der Speicherhersteller Hynix und der Mischkonzern Samsung große Nummern, in Singapure und Thailand haben sich vor allem Endmontage und Festplatten-Industrie angesiedelt. Heiko Weckbrodt

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  1. Der Absturz Japans ist wirklich enorm, so ein lang anhaltender Trend in so einer schnelllebigen Branche. 2011 waren sie wohl schon unter 10%, wenn ich die Grafik richtig lese. Erdbeben, Tsunami und Verstrahlung trafen das gebeutelte Land somit zu einem späten Zeitpunkt dieser Entwicklung, werden aber einem Aufschwung auch nicht gerade förderlich sein. Eine Entwicklung à la „Auferstanden aus Ruinen“ wie nach dem 2. WK halte ich für unwahrscheinlich – oder gibt es dafür Anzeichen?

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