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Fällt Antimaterie hoch oder runter? CERN bittet Laien um Rätselhilfe

Keine Computerkunst, sondern Spuren von Antimaterie-Zerstörungen, bei denen das CERN nun Laien um PC-Rechenzeit bittet. Abb.: AEGIS

Keine Computerkunst, sondern Spuren von Antimaterie-Zerstörungen, bei denen das CERN nun Laien um PC-Rechenzeit bittet. Abb.: AEGIS

Genf, 11. August 2013: Während ihr Lieblingsspielzeug – der weltweit größte Teilchenbeschleuniger LHC – gewartet wird, haben sich die Forscher des europäischen Kernforschungs-Zentrums CERN einer interessanten Frage zugewandt: Wenn Antimaterie genau das Gegenteil von Materie ist, fällt sie dann auf der Erde nach unten oder nach oben? Um sie zu beantworten, brauchen die Eierköpfe allerdings die Unterstützung von PC-Besitzern rund um den Erdball, die nun helfen sollen, mit ihren Rechnern ein schwieriges Experiment auszuwerten.

Das Problem (und das Glück für uns) ist, dass Antimaterie anscheinend im Universum nur in sehr geringen Mengen vorkommt. Dies ist insofern ein Glück für uns, da Antimaterie die zerstörerischste Waffe noch vor Wasserstoffbomben wäre: Berühren sich die normale Materie, die unsere Welt bildet, und die entgegengesetzt gepolte Gegenmaterie, zerstrahlen beide in einer enormen Explosion.

CERN kann Antimaterie in winzigen Dosen herstellen

Ein Anti-Wasserstoffatom zum Beispiel besteht aus einem negativen Antiproton und einem (positiven) Positron. Abb..: Aegis

Ein Anti-Wasserstoffatom zum Beispiel besteht aus einem negativen Antiproton und einem (positiven) Positron. Abb..: Aegis

Allerdings kann das CERN mit seinen milliardenteuren Anlagen unter der französisch-schweizerischen Grenze winzige Mengen Antimaterie erzeugen (die Star-Autor Dan Brown in seinem Krimi „Illuminati“ als „Gottesteilchen“ missverstand) und hat dies in abgeschirmten Kammern auch getan. Wie die Antiteilchen dabei flogen, ist allerdings mit bloßem Auge nicht sichtbar, aber auch nicht automatisiert auswertbar.

PC-Besitzer sollen bei Wimmelbild-Spiel helfen

Daher haben die CERN-Forscher nun die vergrößerten Flugbahn-Daten ins Netz gestellt. Und sie bitten nun Helfer weltweit, auf einer Art Wimmelbild-Video die Flugbahnen der Teilchen mit der Maus zu kennzeichnen. Sind genug Bahnen gezeichnet, kann daraus ein statistisches 3D-Modell errechnet werden, das zeigen soll, ob Antimaterie nun der Schwerkraft unserer Erde folgt – oder von ihr abgestoßen wird. Die ehrenamtlichen Helfer betreten damit übrigens echtes Forscher-Neuland, da Gravitation – anders als elektromagnetische und andere Kräfte – bisher noch nicht so richtig theoretisch voll erklärt werden kann. Wer also an einem Geheimnis des Universums miträtseln will: Hier kann man mitmachen. Heiko Weckbrodt

3 Kommentare

  1. Die Frage, ob sich bei Antimaterie alle Eigenschaften gegensätzlich zur Materie verhalten, liegt nahe. Wenn man ganz simpel ohne genaue Kenntnisse das Wort Anti mit gegensätzlicher Ladung übersetzen kann, dann sollten sich die Eigenschaften der Gravitation nicht umkehren. Gäbe es dann im Universum nicht viel mehr an Antimaterie, wenn sich beide Stoffe abstoßen würden? Wäre auch die Gravitation umgekehrt, könnte man zukünftig Raumschiffe mit Antimaterie statt Treibstoff in den Weltraum katapultieren. Vorausgesetzt, man kann sie in ausreichender Menge herstellen.

  2. Meine für die meisten Fachleute verwegene Vorhersage:

    Antiwasserstoff bzw. vollständige Antiatome haben eine
    zu G gleichgroße Antigravitation.
    Positronen werden von vollständigen Materieatomen etwa 130-fach stärker
    abgestoßen, Antiprotonen vice versa.
    Neutronen haben zwar ihre bekannte Masse, gravitieren dagegen aber sehr
    schwach, d.h. das Äquivalenzprinzip gilt zwar für vollständige Atome,
    nicht jedoch für atomare Bausteine.
    Das AEGIS- Experiment und das Neutronen- Deflektometer werden dies in
    absehbarer Zeit beantworten, – also Geduld!

    http://gravitus.de/wp-content/uploads/zur_gravitation.pdf

  3. Gerd Fehlert sagt

    Meine Antwort zu der Frage, ob sich Antimaterie auch die Gravitation umkehrt: Ich halte mich an Einsteins Darstellung mit dem Gravitationstrichter. Masse fällt von einem hohen Potential zu einem niedrigen, also in den Trichter hinein.

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