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Kommentar: Samsung-Einstieg ist Chance für Sachsen

Foto: Samsung

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Zur Übernahme der OLED-Firma Novaled durch die Südkoreaner

Dresden, 9. Augist 2013: Kauft ein Riese wie Samsung eine eher kleine Dresdner Forschungsfirma, klingt das zunächst wie eine hungrige Heuschrecke, die alles, was hier zu einer gewissen Größe wächst, wegfrisst. Doch da sollte man sich nicht von Vorurteilen leiten lassen: Die Novaled-Übernahme durch die Südkoreaner ist in erster Linie eine große Chance für Dresden. Hält sich Samsung an seine Ansage, Novaled nicht nur in Dresden zu belassen, sondern sogar auszubauen – und darauf deuten alle Indizien und Plausibilität hin -, gewinnt zunächst einmal die wohl stärkste Unternehmung des noch jungen Organikelektronik-Standorts Dresden einen potenten Partner, der mehr Gewinne scheffelt, als die gesamte Dresdner Industrie zusammen an Jahresumsatz realisiert. Und da die Südkoreaner mehrfach angekündigt haben, weiter kräftig in die OLED-Bildschirmtechnologie zu investieren, winken für einen Schlüsselzulieferer wie Novaled Entwicklungs- und Fertigungsaufträge ganz neuen Größenordnungen.

Noch steckt die organische Elektronik in ihren Kinderschuhen, ihre Eltern rechnen in den nächsten Jahren aber mit enormen Wachstumsschüben. Einige Experten vergleichen sie gar mit der – damals noch bescheidenen – Mikroelektronik der 1960er Jahre, die heute ein Multi-Milliardenmarkt ist. Ob die organischen Chips, Leuchten und Solarzellen diese hochgesteckten Erwartungen tatsächlich erfüllen, bleibt natürlich abzuwarten. Fest steht aber: Dresden wartet in diesem Segment mit interessanten Organikelektronik-Entwicklungen auf, ist aber bisher im globalen Maßstab ein zartes Pflänzchen geblieben, das – anders als in der klassischen Mikroelektronik – den Sprung zum jobträchtigen großen Fabrikationsstandort für OLEDs nicht schaffte. Mit dem kapitalstarken Samsung-Konzern im Rücken dürften sich die Chancen für den Standort nun verbessern, diesen Sprung zu schaffen. Zudem Novaled keine einsame Insel in Dresden ist, sondern von einem Ökosystem innovativer Institute und Technologiefirmen umgeben ist.

Im Übrigen zeigt das Beispiel Novaled, wie wichtig zum Beispiel auch wirtschaftlich mitdenkende Forscher (die die Firma gründeten), die vielgescholtenen „Risikokapitalisten“ (die Novaled hochpäppelten) und eine – auch immer wieder umstrittene – aktive Förderpolitik von Land und Kommune sind, um eine solche Erfolgsgeschichte zu stricken.

Weiter gedacht, birgt der Einstieg der Südkoreaner in Dresden aber noch größere Chancen. Denn Samsung ist zwar ein Mischkonzern, vor allem aber eines: Das weltweit zweitgrößte Mikroelektronik-Unternehmen nach Intel. Über Novaled ist dieser Multi nun indirektes Mitglied im sächsischen Chip-Netzwerk „Silicon Saxony“. Und da darf man ruhig einmal spekulieren, ob diese Vernetzung vielleicht zu neuen Aufträgen aus Fernost für hiesige Hightech-Firmen führt, eventuell gar irgendwann einmal zu einer neuen Chipfabrik-Ansiedlung… Heiko Weckbrodt

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