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Bluray „The Bay“: Fiktionale Katastrophen-Doku 2.0

Von Parasiten zerfressen: Das Krankenhaus von Claridge quillt bald über - doch der Bürgermeister will das vertuschen. Foto: Koch Media

Von Parasiten zerfressen: Das Krankenhaus von Claridge quillt bald über – doch der Bürgermeister will alles vertuschen. Foto: Koch Media

Zwei Forschungstaucher entdecken in eine Badebucht an der US-Küste mutierte Parasiten. Doch dass die gefährlich für Mensch und Tier sein könnten, will niemand hören – am Allerwenigsten der örtliche Bürgermeister, der auf Biegen und Brechen seine Nationtagfeier mit Miss Crab (die lokale Krabben-Schönheitskönigin) durchziehen will – selbst dann noch, als die Leichen der beiden Forscher in der Bucht treiben…

Filmische Collage aus Youtube, SMS, Videoblog & Co.

In „The Bay“ nimmt Regisseur Barry Levinson („Rain Man“, „Wag the Dog“) den leichtfertigen Umgang von Politikern mit Umweltsünden aufs Korn, hat dies aber nicht wie sonst als klassischen Polit-Thriller verarbeitet: Geklammert durch die Reportage einer jungen Journalistin, collagiert er (vorgeblich authentische) Youtube-Filme, Videoblogs, SMS-Gespräche und andere Lebenszeichen von Betroffenen der hereinbrechenden Katastrophe zu einer Pseudo-Dokumentation des Internetzeitalters. „Ich wollte mal etwas Neues ausprobieren“, so Levinson.

Auf den Spuren von „Blair Witch Project“ und „Cloverfield“

So ganz neu ist die Strukturierung eines fiktionalen Plots als authentisch wirkende Doku zwar nicht, das haben schon „Blair Witch Project“ (1998), „Cloverfield“ (2008) und andere ausprobiert. Allerdings spielt er konsequenter mit der Atomisierung unserer Informationsgesellschaft, in der weniger die klassische Presse, sondern eher Infoschnipsel aus diversen elektronischen Kanälen die Deutungshoheit über Geschehnisse bekommen, zumindest für Teile der Gesellschaft: Gerüchte, Augenzeigenberichte, Falschmeldungen und Live-Videoströme prasseln da auf den Zuschauer gleichermaßen ein und formen schließlich ein Puzzlebild.

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Filmen statt helfen

Er habe mit seinem filmischen Konzept dem Trend Rechnung getragen, dass immer mehr Menschen bei jeder Gelegenheit Videos aufnehmen und versenden, erklärt der Regisseur in der Bonussektion der heute in Deutschland erschienenen Bluray „The Bay“. „Ich weiß zwar nicht, warum sie das tun und was sie mit all dem Material eigentlich anfangen wollen – aber es ist nun mal so.“ Bezeichnet insofern eine Szene in der Pseudo-Doku, in der eine Frau von ihrem Haus aus die Nachbarin draußen verletzt um Hilfe schreien hört und sieht. Doch statt der anderen zu helfen, nimmt die Frau das Geschehen auf Video auf, während sie die Polizei anruft.

Abb.: Koch Media

Abb.: Koch Media

Fazit:

Konzeptionell ist das „gefundenes Material“-Filmkonstrukt zwar nicht wirklich neu, Levinson hat die Idee aber weiterentwickelt und durch den Einsatz von (angeleiteten) Laien-Kameramännern und -frauen zu einer eigenen Formsprache gefunden. Durchaus interessant, wenn auch etwas hysterie-schürend. Heiko Weckbrodt

The Bay“ (Koch Media), Pseudo-Katastrophendoku 2.0, USA 2012, Regie: Barry Levinson, 85 Minuten (Bluray-Fassung), FSK 16, DVD 12 Euro, Bluray 13 Euro, einen Eindruck vom Stil der Pseudo-Doku bekommt man hier

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