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Die Welt ist hohl: Zauberhaftes Adventure „The Inner World“

Jung-Robert himmelt den Usurpator Conroy an - noch! Abb.: Headup

Jung-Robert himmelt den Usurpator Conroy an – noch! Abb.: Headup

Handgezeichnetes Abenteuerspiel: Ein Pinocchio tritt gegen den Über-Abt an

Und da behaupte noch einer, ohne 3D-Grafik habe ein Spiel heutzutage keine Chance mehr: „The Inner World“ ist ein gezeichnetes Adventure – und märchenhaft schön gelungen. Hat man den ersten Optik-Kulturschock überwunden, fesselt die fast schon minimalistisch Kinderbild-Welt mehr und mehr. Der Spieler errätselt sich hier die Geschichte des Waisenjungen Robert, der bei Abt Conroy aufwächst, dem De-facto-Herrscher der Hohlkugelwelt Asposien. Wegen eines Missgeschicks rutscht der stramm regimetreue Knabe, der mit seiner Flötennase etwas an Pinocchio erinnert, durch ein Abfallrohr des Palastes in die Unterstadt. Dort tut er sich mit der Taubendiebin Laura zusammen – und erkennt bald, dass sein Idol und „Ziehvater“ Conroy ein Schurke sondersgleichen ist…

Naiver Blick eines unfreiwilligen Helden

Dass diese mit vielen Rätselaufgaben gespickte Abenteuergeschichte so gut funktioniert, liegt auch daran, dass es den „Inner World“-Kreativen gelungen ist, unserem unfreiwilligen Held einen Hauch glaubwürdiger Naivität zu verleihen, die uns mit ihm staunen lässt, wie anders als gedacht seine Welt von innen betrachtet tickt. Gerade die Dialoge mit Laura und den anderen Aposianern, die in steter Angst leben, von mysteriösen Basylen-Monstern versteinert zu werden, haben ihren eigenen Humor, ohne bemüht witzig zu wirken.

Video-Ausschnitt 8Headup):

Studentenprojekt zu einem der besten Adventures des Jahres weiterentwickelt

Das Spiel geht übrigens auf ein Studentenprojekt an der Filmakademie Baden-Württemberg zurück, das vom jungen „Studio Fizbin“ weiterentwickelt und zur Marktreife geführt wurde. Nett: Als Boni haben die Macher dem Spiel eine kleine Asposia-Enzyklopädie und Strichfrau-Erotikpostkarten beigelegt.

Irgendwie muss Robert an dem schlechtgelaunten Schrof und den Fallen vorbeikommen. Aber wie? Abb.: Headup

Irgendwie muss Robert an dem schlechtgelaunten Schrof und den Fallen vorbeikommen. Aber wie? Abb.: Headup

Fazit:

„The Inner World“ bezirzt mit fein dosiertem Retro-Charme, formal wie inhaltlich. Nicht zuletzt gilt das auch für die vielen „Suche Gegenstände und kombiniere sie“-Rätsel auf dem Weg zum Sieg über den Scharlatan Convoy, die an die besten klassischen Adventure-Spiele erinnern. Wem sie zu schwer sind, für den gibt es ein abgestuftes Hilfesystem, durch das selbst Anfänger keine Gefahr laufen, steckenzubleiben. Kurz: Eines der besten Adventures des Jahres. Heiko Weckbrodt

„The Inner World“ (Studio Fizbin/Headup Games), Adventure, USK 6, für PC und Mac, ca. 30 Euro

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