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Augusts Prunk-Leben kommt ins Internet

Liebte Prunk und Pomp: Kurfürst August der Starke - hier sein güldenes Reiterstandbild am Dresdner Neumarkt. Foto: Frank Exß, Mediaserver Dresden

Liebte Prunk und Pomp: Kurfürst August der Starke – hier sein güldenes Reiterstandbild am Dresdner Neumarkt. Foto: Frank Exß, Mediaserver Dresden

Hauptstaatsarchiv Dresden digitalisiert Akten des Oberhofmarschalls

Dresden, 5. Juli 2013: Okay, für eine echte „Wikileaks“-Enthüllung kommt dies etwa 300 Jahre zu spät, aber letztlich kommt die ausschweifende Steuergeld-Verschwendung für ein prunkvolles Fürstenleben doch noch ins Internet: Im Zuge eines bundesweiten Pilotprojektes lässt das Sächsische Hauptstaatsarchiv Dresden nun Quellenmaterial eines „Maulwurf“ ersten Ranges aus dem Umkreis des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken (1670-1733) sowie von dessen Nachfolgern digitalisieren, um es dann ins Netz zu stellen. Die Rede ist von rund 190 Regalmetern Akten und 1.200 historischen Bauplänen des königlichen Oberhofmarschallamts vor allem aus dem 18. Jahrhundert.

„Die historischen Akten und Baupläne des Oberhofmarschallamts gelten als kulturhistorische Quelle ersten Ranges“, schätzen die Archivare ein. „Sie liefern ein authentisches Bild der wettinischen Hofhaltung im sogenannten ,augusteischen’ Zeitalter.“

August ließ Schweine und Truthähne im Dutzend für Festschmäuse verbraten

Wird auch digitalisiert: Zacharias Longuelune, Entwurf für eine Wandgestaltung der kurfürstlichen Porzellansammlung im Japanischen Palais (um 1735), Abb.: SächsHStA

Wird auch digitalisiert: Zacharias Longuelune, Entwurf für eine Wandgestaltung der kurfürstlichen Porzellansammlung im Japanischen Palais (um 1735), Abb.: SächsHStA

„In diesem Bestand finden sich beispielsweise Dokumente über die Ausstattung und das Inventar des Residenzschlosses und des Schlosses Pillnitz, Akten über höfische Feste, über Potentaten, die in Dresden zu Besuch waren, über die Planungen für Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Beerdigungen am Hofe“, berichtet Archiv-Sprecher Dr. Peter Wiegand. Dazu gehören beispielsweise farbige Abbildungen von Figurinen, die bei Festumzügen zum Einsatz kamen, Sitzordnungen an der Tafel oder auch genaue Auflistungen, wieviele Schweine, Truthähne, Tauben, aber auch Besteck und Teller für einen fürstlichen Festschmaus „verbraten“ wurden.

Staatsarchiv-Direktorin Dr. Andrea Wettmann: „Mit der Online-Stellung dieses Bestands wird unser Internetauftritt eine echte Attraktion erhalten. Dem Forscher aus Übersee wollen wir künftig einen ebenso einfachen elektronischen Zugang zu den Archivalien bieten wie dem Landeshistoriker aus Sachsen.“ Zu den Archivalien, die nun elektronisiert werden, gehören zum Beispiel die seit 1669 erhaltenen Tagebücher des Dresdner Hofs und handgezeichnete Baupläne der Dresdner Schlösser, in denen sich auch August der Starke mit eigener Hand verewigt hat.

Tausende Mikrofilme warten auf das Internet

Digitalisiert werden allerdings nicht die Originalakten und –Pläne, sondern Mikrofilm-Kopien, die die Dresdner in den vergangenen Jahren im Zuge des Katastrophenschutzes deutschen Kulturgutes hatten anfertigen lassen. „Diese Mikrofilme liegen auch für andere Bestände in großen Mengen vor und insofern ließe sich das Digitalisierungsprojekt auch vergleichsweise kostengünstig ausweiten“, betonte Dr. Wiegand. Durch die Digitalisate soll nach und nach auch ein „Archivprotal D“ im Internet entstehen, das Teil der „Deutschen Digitalen Bibliothek“ sein soll, die kürzlich von führenden Staatsbibliotheken gestartet worden war.

Das Digitalisierungs-Projekt wird von der „Deutschen Forschungsgemeinschaft“ (DFG) finanziert. Beteiligt sind neben dem Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und das Landesarchiv Baden-Württemberg. Die Digitalisierung soll im Sommer 2015 abgeschlossen sein, dann dürften auch die ersten „Enthüllungs-Akten“ online gehen. Heiko Weckbrodt

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