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Der neue Duden: Wenn sich Vollpfosten zum Flashmob treffen…

Montage: Duden-Verlag

Montage: Duden-Verlag

Ein Flashmob umtanzt das Liebesschloss, während ein verhartzter Vollpfosten Borschtsch in sich hineinstopft und derweil verständnislos den QR-Code auf seinem borgweise erhaltenen E-Book-Reader anstarrt… Was, Humbug? Nein: Deutsch im Wandel – eine Ansammlung neuer und gestrichener Wörter des neuen Dudens, der nun in als „All-in-One-Produkt“ in seiner 26. Auflage erschienen ist. Und wer gerade diesen Duden nicht zur Hand haben sollte: All-in-one-Produkt heißt, dass es neben dem 1216-seitigen analogen Papier-Standardwerk der deutsche Sprache auch eine App (Mini-Programm fürs Computertelefon) und ein PC-Korrekturprogramm dazu gibt. Und mal ehrlich: Wer hat sich nicht erträumt, endlich mal seinen PC korrigieren zu dürfen?

Von Arebellion bis Shitstorm: 5000 Worte neu im Standardwerk

Rund 140.000 Stichworte enthält der neue Duden und damit etwa ein Drittel des Wortschatzes der deutschen Gegenwartssprache. Hinzugekommen sind rund 5000 Wörter von Arabellion (arabische Rebellion) bis zum besagten Vollpfosten, der für einen Blödian steht. Auch der Shitstorm (Scheißesturm im Internet) hat es in das erhabene Standardwerk geschafft. Der Borschtsch (osteuropäischer Eintopf) findet sich im obigen Textbeispiel übrigens, weil es das konsonantenreichste, nicht zusammengesetzte Wort im Duden ist. Rausgeflogen sind dafür Worte wie borgweise (leihweise) oder der Schnatz, der es dann doch nicht geschafft hat, sich aus der magischen Welt des Harry Potter in der deutschen Sprache durchzusetzen – vielleicht mangels Flugbesen.

Video: Wie ein Wort in den Duden kommt (Duden-Verlag):

Dies liegt aber nun mal in der Natur einer Sprache: Sie lebt und verändert sich und darauf reagiert eben auch die Duden-Redaktion. Gerade das Deutsche wandelt sich seit geraumer Zeit wieder recht stark – einerseits durch Verballhornungen wie eben hartzen (von der Hartz-IV-Reform abgeleitet), vor allem aber durch viele Anglizismen, die teils dann auch noch recht brutal deutsch gebeugt werden (man denke nur an „announcen“ für „ankündigen“).

Zum Vergleich: Laut Duden-Redaktion hat der Durchschnitts-Bundesbürger einen aktiven Wortschaft von etwa 12.000 bis 16.000 Wörtern (unter passivem Wortschatz versteht der Linguist die Zahl der Wörter, die ein Mensch versteht, unter dem aktiven die Zahl der auch von ihm praktisch verwendeten Wörter).

Ladeschlüssel für Digitalausgabe im Duden hoch drei

An der Handhabung der Papierausgabe hat sich kaum etwas geändert, selbst die Kennzeichnung der (inzwischen schon etwas angegrauten) neuen Rechtschreibung durch gelbe Markierungen ist noch zu finden. Jenseits sprachlicher Änderungen ist eine formale wohl die deutlichste Neuerung: Wer die „Duden hoch drei“-Variante kauft, bekommt Download-Schlüssel mitgeliefert, mittels derer er oder sie sich dann von der Duden-Seite im Internet die elektronische Variante für den PC beziehungsweise für iPhones oder Android-Smartphones laden kann (Rezension hier). Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Der elekronische Duden im Oiger-Test

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