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DVD „Kill me please“: Bizarres Sterben in der Todesklinik

Die Dorfjäger haben ihr erstes Opfer abgeschlachtet - doch die selbstfixierten Patienten Markus (l.: Saul Rubinek) und Vidale (Bouli Lanners) streiten sich lustig weiter. Foto: Neue Visionen

Die Dorfjäger haben ihr erstes Opfer abgeschlachtet – doch die selbstfixierten Patienten Markus (l.: Saul Rubinek) und Vidale (Bouli Lanners) streiten sich lustig weiter. Foto: Neue Visionen

Tief im Wald liegt Dr. Krügers (Aurelien Recoing) Sterbeklinik: Ein „würdigerer Ort“ für Selbstmord als ein Bahnhofsklo, in dem man sich die Pulsadern aufschneidet, so das Credo des Hauses. Und das klappt anfangs auch einigermaßen: Wer reich genug ist, die Spesen zu löhnen, und todkrank genug ist, kann in Krügers exklusiven Betten mit Champagner in der einen und knackigen Studentinnen-Titten in der anderen Hand sanft entschlafen. Doch die „letzten Wünsche“ seiner Patienten werden immer bizarrer und auch der Konflikt mit den Rüpeln des nächsten Dorfes eskaliert – und die beschließen in ihrem Hass auf die „Todesklinik“ schließlich, beim Sterben etwas nachzuhelfen – und die belgische Tragikkomödie „Kill me please“, die inzwischen auf DVD erschienen ist, nimmt ihren bizarren Verlauf…

Diven, Pokerspieler, Kriegsträumer

Diese Eskalation von Gewalt und Absurditäten wirkt umso verstörender, da Filmemacher Olias Barco die Kamera ganz auf sein illustres Ensemble konzentriert: Auf die kehlkopfkrebsgepeinigte Ex-Diva, die allen zum Abschied unbedingt die Marseillaise vorsingen will, auf den Militaristen Vergil, der sich schon seit dem Knabenalter von einem Kriegstod träumt, auf den seltsamen Monsieur Vidale, der seine Frau bei einem Pokerspiel einsetzte und verlor und all die anderen Schräglinge, die sich bei Dr. Krüger eingekauft haben – auch Saul Rubinek („Archie“ aus „Warehouse 13“) ist an Bord.

Werbe-Trailer für Dr. Krügers Sterbeklinik (Neue Visionen):

Obwohl sich die physische und psychische Brutalität der Szenen immer mehr steigert, rücken Blutspritz-Effekte kaum in den Vordergrund – was auch daran liegen mag, dass sich der Regisseur konsequent für Schwarz-Weiß-Bilder entschieden hat.

 Foto: Neue Visionen

Foto: Neue Visionen

Fazit:

Einer der bizarrsten Filme der vergangenen Jahre, der immer wieder durch unerwartete Wendungen zu bestechen weiß und faszinierende Schauspielkunst mit einer schockierenden Geschichte rund um das Dilemma selbstbestimmten Suizids verbindet. Heiko Weckbrodt

„Kill me please“ (Neue Visionen), Belgien 2010 (DVD: 2013), Regie: Olias Barco, 95 Minuten, sw, Original mit dt. Untertiteln, P 16, DVD 11 Euro

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