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Solarwatt Dresden liefert Solar-Carports für BMWs Elektroautos

Der Solar-Carport von Solarwatt soll ab Herbst die neuen i-Elektroautos von BMW mit Strom betanken. Foto: BMW

Der Solar-Carport von Solarwatt soll ab Herbst die neuen i-Elektroautos von BMW mit Strom betanken. Foto: BMW

Angeschlagene Photovoltaik-Firma will 2013 zurück ins Plus

Dresden, 24. April 2013: Solarwatt hat einen verheißungsvollen Coup bei BMW gelandet: Statt in der Massenproduktion von Solarmodulen weiter gegen die chinesische Konkurrenz anzurennen, liefert das angeschlagene Dresdner Photovoltaik-Unternehmen ab Herbst exklusiv Solar-Stellplätze (Carports) für BMWs neue Elektroautos der „i“-Riege. Das teilten BMW und Solarwatt gestern mit. Diese und weitere neue Energiesysteme sollen Solarwatt aus den roten Zahlen führen und weitere Jobverluste verhindern.

„Werden uns am Wettbewerb mit den Chinesen nicht mehr beteiligen“

Solarwatt-Vorstand Detlef Neuhaus. Abb.: Solarwatt

Solarwatt-Vorstand Detlef Neuhaus. Abb.: Solarwatt

Solarwatt-Chef Detlef Neuhaus sprach von einem „Neustart“ des vor 20 Jahren gegründeten und im vergangenen Jahr beinahe pleite gegangenen Unternehmens: „Schutzzölle, asiatische Konkurrenz, Einspeisevergütungen – das ist nicht mehr das Pferd, auf dem wir reiten“, beteuerte er. „Wir werden uns am Wettbewerb mit den Chinesen nicht mehr beteiligen“, sagte der CEO. „Schauen Sie sich doch nur den Markt an: Da bieten fast alle Unternehmen ihre Module unter den Herstellungskosten an.“ Festhalten wolle man dagegen am Prinzip deutscher Qualitätsarbeit – aber nun eben mit kompletten Energiesystemen in Manufakturarbeit, statt in robotergespickter Modul-Großfertigung.

E-Tankstelle fürs Eigenheim

Und: Die Produkte aus Dresden sollen sich für den Kunden lohnen, egal, ob der Staat gerade Öko-Energien bezuschusst oder nicht. Dazu gehören die Solar-Carports, die BMW-Kunden in 40 Ländern angeboten werden sollen. Nach dem Prinzip „die eigene Tankstelle im Haus“ sollen die Kunden damit ihr E-Auto nachts nachladen und tags bis zu 22 Prozent ihres Haushalts-Strombedarfs decken können. Die 16 Module sollen pro Jahr rund 2000 Kilowattstunden liefern und damit genug, um ein Elektroauto etwa 15.000 Kilometer weit zu bringen.

Dass BMW-Erbe Stefan Quandt nun Hauptanteilseigner von Solarwatt ist, habe rein gar nichts mit dem Zuschlag zu tun, beteuerte Neuhaus – man hab sich in einer offenen Ausschreibung durchgesetzt.

Dabei mögen auch Garantien der Dresdner geholfen haben, die 30 Jahre Unverwüstbarkeit und hohe Ausbeute für ihre neuen, glasgekapselten Solarmodule versprechen. „Die sind unkaputtbar – es sei denn, Sie gehen mit brachialer Gewalt vor“, betonte Neuhaus. Mit seinen leichten Glas-Glas-Modulen sieht Solarwatt gegenüber Konkurrenten wie Solarworld einen Vorsprung von etwa einem haben Jahr.

60 bis 80 Prozent Energieautarkegrad

Auch diesen Gasthof in der Schweiz hat Solarwatt mit Sonnenenergesammlern ausgerüstet. Foto: Solarwatt

Auch diesen Gasthof in der Schweiz hat Solarwatt mit Sonnenenergesammlern ausgerüstet. Foto: Solarwatt

Die beidseitig eingeglasten Solarmodule – deren Zellen die Dresdner allerdings auf dem internationalen Markt einkaufen – werden auch bei anderen neuen Solarwattprodukten eingesetzt. So haben die Ingenieure nun Komplettsysteme für Eigenheime und Industriebetriebe entwickelt, die neben Solardächern und -Fassaden auch Lithium-Ionen-Akkus als Stromspeicher, Vollvernetzung aller Elektrogeräte und Energiemanager umfassen. 60 bis 80 Prozent seines Energiebedarfs könne ein Eigenheim so autark decken, sagte Neuhaus.

Große Chancen sieht das Unternehmen gerade auch in der Fassadenverkleidung von Industriebetrieben mit Photovoltaik-Modulen: Inzwischen seien die Kosten für solche Lösungen stark gesunken, es gebe standardisierte Montagelösungen und eine große Nachfrage der Wirtschaft, berichtete Neuhaus: „Ich sehe da einen Megatrend, denn Gewerbebetriebe haben ein wachsendes Interesse, ihre Energiekosten zu senken und langfristig kalkulierbar zu machen.“

Kurzarbeit – aber kein weiterer Personalabbau

Der Solarwatt-Vorstand hofft, durch all diesen neuen Produkte vor Jahresende endlich wieder Gewinne zu schreiben und das Geschäftsvolumen zu stabilisieren. 2012 war der Umsatz von 190 auf zirka 80 Millionen Euro abgesackt – und etwa in dieser Größe soll auch der 2013er-Abschluss liegen, so die Solarwatt-Ansage. Wohl nur der Einstieg von Quandt hatte die Firma vor dem Aus gerettet. Hatte Solarwatt in Hochzeiten 490 Beschäftigte, sind es nun 333 – in Kurzarbeit. Ein Lichtblick für die Belegschaft: Finanzvorstand Carsten Bovenschen erklärte den Personalabbau gestern Abend für beendet. Die Kurzarbeits-Regelung könne aber bis September andauern.

Werbevideo von Solarwatt: Das Energiemanager-Konzept

Hochmoderne Modul-Fabrik eingemottet

Die erst vor drei Jahren eingerichtete moderne Solarmodulfabrik hat das Unternehmen derweil fürs Erste eingemottet. Da Solarwatt aber auf Foundry-Aufträge Dritter hofft, werden die Anlagen nicht verkauft.

Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Kommentar: Im Modulmarkt ist Deutschland weg vom Fenster

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