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Kommentar zum Solarwatt-„Neustart“: Im Modulmarkt ist Deutschland weg vom Fenster

PorträtDresden, 24. April 2013. Sich vom Modulhersteller zum Systemanbieter für Solartechnik umzuprofilieren, ist sicher ein sinnvoller Schritt für Solarwatt Dresden – auch wenn dies Jobs gekostet hat und viele Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen blieben. Denn machen wir uns nichts vor: Seine einstige – letztlich durch die Subventionen der deutschen Verbraucher erkaufte – internationale Spitzenposition als Solar-Pionier wird Deutschland nicht zurückerlangen. Das hat nicht allein mit den viel beschimpften (im Übrigen auch nur indirekten) Staatshilfen für die chinesischen Hersteller zu tun, sondern auch damit, dass die Chinesen schlichtweg schneller und konsequenter in die Modul-Massenproduktion eingestiegen sind. In diesem Markt hat vielleicht die große Solarworld noch eine Chance, aber ansonsten sind die Deutschen in der Produktion von Solarzellen und –modulen weg vom Fenster.

Um auf Solarwatt zurück zu kommen: Mit einem kapitalstarken Haupteigner wie BMW-Quandt im Rücken, hat der Neustart echte Chancen und könnte den Kern des Unternehmens – und damit die verbleibenden Arbeitsplätze – sichern. Um sich als Systemanbieter zu behaupten, werden die Dresdner allerdings innovativ wie preiswert sein und bleiben. Man darf gespannt sein, ob dieser Spagat gelingt.

Aufwändiges Fest nach Fast-Pleite hat seltsamen Beigeschmack

Da die Werbetrommel kräftig für die neuen Produkte zu rühren, mag betriebswirtschaftlich sinnvoll sein. Und so hat Solarwatt heute Abend im „Eventwerk Dresden“ Promis aufgefahren, eine große Show inszeniert und rund 1000 Gäste aus Handwerk und Industrie bewirtet, um Kunden zu gewinnen. Ob solch ein Aufwand allerdings einem Unternehmen, das eben erst von der Insolvenz-Schippe gesprungen ist, so richtig gut zu Gesicht zu Gesicht steht? Man sollte mal die Ex-Solarwatter fragen, die ihre Jobs verloren haben, oder die Zuliefererbetriebe, die auf ihren Rechnungen sitzen blieben… Heiko Weckbrodt

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