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Rentner ran an die Tabletts: Stiftung verteilt Bildschirmrechner an Senioren

Tja, was ist nun besser: Gerhard Walther vergleicht beim Bürgernetz Dresden Smartphone und Tablet auf Senioren-Tauglichkeit. Foto: Heiko Weckbrodt

Tja, was ist nun besser: Gerhard Walther vergleicht beim Bürgernetz Dresden Smartphone und Tablet auf Senioren-Tauglichkeit. Foto: Heiko Weckbrodt

Tablet-Aktion soll digitale Kluft zwischen Alt und Jung schließen

Dresden, 10. April 2013. Immer mehr Menschen legen sich Tablettrechner statt PCs zu. Allein im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 4,3 Millionen „Tablets“ verkauft – doppelt soviel wie im Vorjahr. Auch mehr und mehr Senioren entdecken diese Bildschirmcomputer, die so intuitiv mit Fingergesten gesteuert werden. In Dresden haben die „Stiftung Digitale Chancen“ und die E-Plus-Gruppe nun im Zuge eines Pilotprojekt Tablets an Rentner verteilt, um die digitale Kluft zwischen Jung und Alt zu schließen.

„Da muss man schieben.“ „Nein: wischen!“ „Was hat denn das wieder zu bedeuten?“ Acht Augenpaare beäugen neugierig die schwarzen Geräte, die der nette Mann da eben auf den Tisch gelegt hat. Viele lugen über Brillengläser, einige zücken Kuli und Notizblock, um ja nichts zu vergessen. Der Tuschelpegel in der ehemaligen Plattenbau-Wohnung an der Freiberger Straße, in der der Verein „Bürgernetz“ sein Hauptquartier aufgeschlagen und die Senioren zum Tablett-Tag zusammentrommelt hat, nähert sich bedenklich dem einer aufgeregten Schulklasse.

Monika Mandelik tastet sich prüfend über den berührungssensitiven Bildschirm mit dem Samsung-Logo. Huch: Ein Musikvideo startet. Die 66-jährige hält sich den Tablettrechner ans Ohr: „Wo bleibt der Ton?!“, mahnt die altgediente Elektrikerin. „Hier macht man lauter“, eilt ein junger Bürgernetzler herbei, neselt an einer Knopfwippe und lässt die Band rocken – na so ein Spaß…

Tablet-Nachfrage der Senioren enorm

„Die Nachfrage der Älteren ist enorm“, berichtet Jutta Croll von der „Stiftung Digitale Chancen“, die das Projekt angestoßen hat. „Senioren, die bis dahin gar nicht auf die Idee kamen, sich überhaupt mit dem Internet zu beschäftigen, fangen mit diesen Geräten plötzlich an, im Netz herumzusurfen. Sogar Parkinson-Kranke holen sich damit die große weite Welt ans Bett.“

Croll führt das vor allem auf die einfachen Bedienkonzepte von Tablets zurück, die sich mit Fingergesten steuern lassen. „Ältere Menschen fällt die Augen-Hand-Koordination, wie sie für die Mausbedienung an klassischen PCs so wichtig ist, nun einmal schwerer als Jugendlichen“, sagt die Stiftungs-Chefin. „Da lag für uns die Idee nahe, es bei den Senioren mal mit Tablets zu probieren.“

Weltweit hat man damit gute Erfahrungen gemacht. In Norwegen zum Beispiel entwickelten Forscher vor zwei Jahren eine Art abgespecktes „Facebook für Senioren“ und teilten dazu Tablettrechner an Demenzkranke in Altenheimen aus. Ergebnis: Viele Patienten nutzten das speziell für sie konzipierte Netzwerk und die Tablets, um wieder soziale Kontakte zur Außenwelt zu knüpfen.

 

 

Andreas Lämmel. Foto: CDU

Andreas Lämmel. Foto: CDU

Bundestagsabgeordneter Andreas Lämmel: „Diese Geräte können der älteren Generation helfen, die Schwellenangst vor Computertechnik und dem Internet zu überwinden“

 

 

 

 

Und das funktioniert mit gesunden Rentnern umso besser: „Viele Senioren melden sich mit den Geräten bei Facebook und ähnlichen Netzwerken an und finden dort Kontakt zu Chören  oder tauschen sich über Reiseziele aus“, erzählt Harald Geywitz vom Kommunikationsunternehmen „E-Plus“, das die Tablet-Aktion mitfinanziert hat.

Galaxy-Tablets wandern durch die Städte

Das OLED-Tablett Galaxy Tab 7.7. Abb.: Samsung

Galaxy-Tablet. Abb.: Samsung

Acht Tablets haben er, Croll und der Bundestagsabgeordnete Andreas Lämmel (CDU) heute erst mal für vier Wochen in der Seniorengruppe des „Bürgernetzes“ abgeladen – zwei Geräte bleiben dauerhaft dort, verspricht Croll. Insgesamt hatte bereits die Berliner Stiftung im Jahr 2012 in zehn Städten Tablets an Senioren verteilt, nun kommen in Dresden und weiteren Kommunen neue Standorte hinzu. Damit sich möglichst viele Rentner an den Geräten ausprobieren können, werden pro Standort zehn Samsung-Galaxy-Tablets und einer Internet-Flatrate von E-plus für je vier Wochen zur Verfügung gestellt, danach wandern die Geräte weiter, erklärt Croll.

Derweil hat Elektrikerin Mandelik noch mehr Programme auf ihrem Tablettrechner entdeckt. „Ich werde das Gerät wohl nutzen, um zum Beispiel den Wetterbericht abzufragen oder mich zu informieren, wo ich einkaufen kann“, sagt sie, als sie das Tablet für einen kurzen Augenblick aus der Hand legt. „Bildbearbeitung kann man damit ja wohl leider nicht machen“, fügt sie kritisch hinzu.

 

Eberhard Mittag. Foto: Bürgernetzverband

Eberhard Mittag. Foto: Bürgernetzverb.

„Bürgernetz“-Vorsitzender Eberhard Mittag: „Die Projektteilnehmer sind zwischen 60 und 90 Jahre alt und über den ehemaligen Pentacon-Fotoclub zu uns gekommen. Schon von daher sind sie sehr an digitaler Fotografie und Bildbearbeitung am Computer interessiert. Als wir die Tablets angekündigt haben, waren sie sofort begeistert.“

 

 

 

„Ich will technisch am Ball bleiben“, erklärt Gerhard Walther von der anderen Tischseite. Der 76-Jährige hat rasch den Dreh raus. Zack-zack-zack, wischt er über den Bildschirm, holt sich neue „Android-Apps“ auf den Bildschirm, vergrößert Internetseiten mit einer Handbewegung. Eben auch so ein Vorteil der Tablets für Senioren: Schriftgrößen sind – anders als in Papierbüchern – keine Fesseln mehr. Erfahrung mit PCs hat der studierte Nachrichtentechniker schon gesammelt, nun will er Neues ausprobieren.

„Wichtig ist aber bei älteren Menschen, dass immer einer da ist, der alles auch richtig erklärt, der ihnen ,das Händchen’ hält“, betont Walther. „Wenn man alt wird, vergisst man so schnell…“ – sagt er, schnappt sich seinen Tablettrechner und wischt wieder wie elektrisiert mit den Fingern über den Bildschirm.

Heiko Weckbrodt

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Heiko Weckbrodt hat Geschichte studiert, arbeitet jetzt in Dresden als Wirtschafts- und Wissenschaftsjournalist und ist Chefredakteur und Admin des Nachrichtenportals Oiger. Er ist auch auf Facebook, Twitter und Google+ zu finden.

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