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„Solarwinter“: Applied Materials schließt Solarableger in Dresden-Weixdorf

Foto: Applied Materials

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Dresden, 5. April 2013: Der US-amerikanische Chipwerkausrüster „Applied Materials“ gibt seine Photovoltaik-Dependance am Promigberg in Dresden-Weixdorf wegen der Solarkrise auf. Das bestätigte Michael Baxter, der Europasprecher der Applied Materials GmbH & Co. KG Alzenau, auf Oiger-Anfrage. Das Photovoltaik-Geschäft liege am Boden, begründete er die Entscheidung. „Wir haben einen Solarwinter und der hält ganz offensichtlich an.“

Anlagen für Solarmodule werden stillgelegt

Nach der großen Chipbranchenkrise 2008/09, als sich viele Halbleiter-Zulieferer der damals stark wachsenden Solarbranche zuwandten, hatte Applied Anlagen für die Oberflächenveredlung und Reinigung von Solarmodul-Modulen entwickelt und eine entsprechende Linie in Dresden-Weixdorf installiert. Dort waren sieben Mitarbeiter als Dienstleister für das sogenannte „Kit Cleaning“ für Kunden in der Photovoltaik-Branche tätig – als Untermieter des Logistikunternehmens Schenker.

Fördergelder in Anlagenpark geflossen

Der innovative Anlagenpark wurde auch staatlich gefördert. So flossen im Jahr 2010 reichlich 825.000 Euro über die Sächsische Aufbaubank (SAB) aus dem Förderprogramm „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ – inklusive Mittel aus dem „Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung“ (EFRE) – an den Applied-Standort in Dresden-Weixdorf.

Durch die übermächtige chinesische Konkurrenz, die politische Decklung der Einspeisevergütung und produktionstechnologische Defizite hat die europäische und vor allem die deutsche Photovoltaik-Industrie inzwischen jedoch massiv Weltmarktanteile verloren (Wir berichteten) und befindet sich nun in einer tiefen Krise. In der Konsequenz sank auch für Applied das Auftragsvolumen seitens der Modulhersteller, daher hat das Unternehmen nun die Notbremse gezogen.

Mitarbeiter verlassen Unternehmen

Die Anlagen seien bereits größtenteils stillgelegt, sagte Baxter. Sie sollen durch ein anderes Unternehmen übernommen werden. Die sieben Mitarbeiter scheiden „im gegenseitigen Einverständnis und in Absprache mit dem Betriebsrat“ bei Applied aus, wie der Sprecher betonte. Sie befinden sich inzwischen bereits in Weiterbildungskursen, um sie für neue Aufgaben fit zu machen. Auch mit den Fördermittelgebern bahne sich eine einvernehmliche Lösung an. Der auf die Halbleiterindustrie orientierte Dresdner Servicestandort von Applied an der Dresdner Buchenstraße sei von der Schließung in Weixdorf unberührt.

Applied Materials gehört zu weltweit größten Chipwerk-Ausrüstern

Abb.: AM

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Applied Materials wurde 1967 im kalifornischen Silicon Valley gegründet. Das Unternehmen spezialisierte sich auf Ausrüstungen für Chipwerke, beispielsweise Gasphasenabscheider (CVD-Anlagen), Epitaxiereaktoren und Kontaktiermaschinen. Heute ist Applied einer der führenden Ausrüster für Halbleiter-, Bildschirm- und Solarmodulwerke. Im vergangenen Jahr realisierte der Konzern weltweit rund 8,7 Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro) Umsatz und beschäftigt etwa 13 700 Mitarbeiter in 19 Ländern. Heiko Weckbrodt

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