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Dresdner Ingenieure wollen mit Optik-Solarzelle Photovoltaik-Markt umkrempeln

Prototyp der Holofolie, die das Sonnenlicht filtert und bündelt. Foto: Medienkontor

Prototyp der Holofolie, die das Sonnenlicht filtert und bündelt. Foto: Medienkontor

200 Millionen Dollar teure Fabrik und 500 Jobs angekündigt

Dresden/Gilbert, 30. Januar 2013: Ingenieure und Photoniker aus Dresden und den USA haben laut eigenen Angaben eine revolutionäre Solarzelle entwickelt, deren hohe Effizienz und geringe Kosten der chinesischen Photovoltaik-Industrie das Fürchten lehren sollen. Die Unternehmen „Apollon“ und „Solar Banker“ wollen für 200 Millionen Dollar (147 Millionen Euro) eine Fabrik einrichten, in der bis zu 500 Mitarbeiter diese neuartigen Sonnenstromsammler bauen. Der Standort steht noch nicht fest, zur Debatte stehen Dresden und Sachsen-Anhalt, aber auch eine Ansiedlung in den USA.

„Mittlerweile werden 82 Prozent der Photovoltaik-Weltproduktion in China gefertigt“, betonte „Solar Bankers“-Präsident Alfred Jost. Damit sich Deutschland und Europa wieder Marktanteile zurückholen können, „müssen wir besser als die Chinesen sein“, sagte der 56-jährige „JP Morgan“-Banker und Unternehmer, der sich bereits mehrfach in der ostdeutschen Wirtschaft engagiert hatte – so bei IFA in Ludwigsfelde und SAM in Magdeburg.

Holo-Folie bündelt und filtert Sonnenlicht

Alfred Jost. Foto: Medienkontor

Alfred Jost. Foto: Medienkontor

Technologisch glauben Jost und seine Teams von Forschern aus Dresden und den USA nun die Konkurrenz in Fernost überrundet zu haben. Dafür bedrucken sie ihre Sonnenenergiesammler mit einer holografischen Silikonfolie. Diese lässt nur die sichtbaren Wellenlängen des Sonnenlichts durch und vermeidet so Energieverluste durch Hitze-Staus, heißt es seitens der Entwickler. Außerdem bündelt die optische Folie das Licht wie mit einer Linse auf nur wenige Millimeter dünne Silizium-Streifen auf dem Solarmodul.

Prototypen erreichen angeblich bis zu 28 Prozent Ausbeute

Durch die „20- bis 30-fache Konzentration der gefilterten Wellenlängen“ auf nur drei Prozent der Modulfläche werde in der Herstellung der Silizium-Materialaufwand um bis zu 90 Prozent gesenkt, versicherte Jost: „Durch dieses Patent liegen die Herstellungskosten für Solarmodule sogar noch deutlich unter denen der chinesischen Hersteller, und das selbst dann, wenn wir die Module in Deutschland oder den USA bauen“ Zudem erreichen die Prototypen bereits Ausbeuten bis zu 28 Prozent. Laut Unternehmensangaben sind weitere Steigerungen absehbar.

Zum Vergleich: Üblich sind bei herkömmlichen Silizium-Solarzellen 15 bis 17 Prozent. Dünnschicht- und organische Solarzellen erreichen etwas geringere Ausbeuten. Die Prozesstechnologie habe man in den USA entwickelt, sagte Jost. Etwas 50 Prozent der Optiktechnologie sei in Dresden erforscht worden.

Optische Konzentrator-Module gibt es zwar bereits. Diese verwenden aber oft auf recht teure und aufwendige Fresnel-Linsen, wie sie auch in Leuchttürmen eingesetzt werden, und führen zu bis zu 60 Zentimeter dicken Modulen. Dagegen sind die Folienmodule laut „Solar Banker“ nur wenige Millimeter dick.

Investoren wollen stillgelegte Solarunternehmen reaktivieren

Ob sich dieses Prinzip in der Praxis bewährt, können die Schwesterunternehmen „Apollon“ (Dresden) und „Solar Bankers“ (Gilbert/Arizona) schon bald beweisen: Sie wollen nun eine Fabrik mit einer Modul-Produktionskapazität von insgesamt 300 Megawatt (MW) pro Jahr einrichten. Zur Debatte stehe, die Produktionsanlagen einer insolventen Solarfabrik umzurüsten, um bereits in etwa zwei Monaten mit der Installation beginnen zu können, informierte Jost. Eine solche Nachnutzung eines stillgelegten Photovoltaik-Werkes könne zudem den Investionsaufwand drücken: Statt einer halben Milliarde Euro, die normalerweise für eine 300-MW-Fabrik zu kalkulieren sei, könne man dann mit den besagten 200 Millionen Dollar auskommen – und dieses Kapital habe er auch beisammen. Die Verhandlungen seien aber noch im Gange.

Großes Marktpotenzial für seine Konzentrator-Module sieht Jost insbesondere in den Golf-Staaten. „Die wollen weg vom Öl und fördern deshalb Wind- und Solarenergie – das ist ein Riesenmarkt.“ Heiko Weckbrodt

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