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Europäische Forscher wollen Gehirn simulieren – TU Dresden macht mit

IBM nimmt sich für seine neuen Experimentalchips das Gehirn zum Vorbild. Abb.: IBM

Abb.: IBM

Brüssel/Dresden, 29. Januar 2013: Die EU-Kommission will zwei „Flaggschiff“-Forschungsprojekte mit je einer Milliarde Euro innerhalb von zehn Jahren fördern. Besonders ambitioniert ist das „Human Brain Project“, das mit einem ähnlichen Projekt von IBM konkurriert: Dabei wollen 250 Wissenschaftler aus 23 Ländern das menschliche Gehirn mit künstlicher Hard- und Software simulieren. Ein zweites Projekt widmet sich dem „Wundermaterial“ Graphen, das härter als Stahl ist und schneller als Silizium rechnen kann. An beiden sind auch Dresdner Forscher beteiligt.

Schlüssel zum Verständnis von Intelligenz und Bewusstsein?

Im „Human Brain Project“ sollen Mikroelektroniker, Mediziner, Neurologen und andere Experten zusammen arbeiten. Sie erhoffen sich davon, endlich das Geheimnis von Intelligenz und vielleicht sogar unseres Bewusstseins zu entschlüsseln, Hirnkrankheiten besser zu verstehen und vor allem zu verstehen, wie molekulare, elektrische und anderen elementare Prozesse zu menschlichen Intelligenzleistungen führen.

Video vom "Human Brain Project":

Kognitive Fähigkeiten in Chips gießen

Beteiligt ist hier auch die Stiftungsprofessur für „Hochparallele VLSI-Systeme und Neuromikroelektronik“ von Prof. Rene Schüffny an der TU Dresden – die Dresdner wollen gemeinsam mit Kollegen aus Manchester und Heidelberg neuartige Rechnerarchitekturen entwerfen, die letztlich dazu dienen, neuronale Netzwerke wie im Hirn in Silizium zu „gießen“. „Unsere Fähigkeit, integrierte Schaltkreise mit kognitiver Funktionalität in modernsten CMOS-Technologien zu entwerfen, ist das Resultat einer langjährigen Strategie, ein erfahrenes Team aufzubauen, das alle Aspekte von mixed-signal und neuromorphem IC-Design sowie neurowissenschaftlicher Modellierung abdeckt“, kommentierte Prof. Schüffny. „Diese Ingenieurskompetenz in vielen Disziplinen ist ein Schlüsselfaktor zur Umsetzung der im Human Brain Projekt geplanten komplexen Chipsysteme an der TU Dresden.“

Graphene: Härter als Stahl, schneller als Silizium

Auch am zweiten Projekt „Graphene“ sind Dresdner Forscher beteiligt: An der TU und anderen Instituten beschäftigen sie sich bereits seit längerem mit der Frage, wie Graphene massenhaft hergestellt und verarbeitet werden können.

EU-Video über Graphene:


Graphene sind Kohlenstoff-Moleküle, die ähnlich wie Diamant oder Graphit vernetzt sind, allerdings nur in der Fläche. Sie gelten als bis zu 300 Mal härter als Stahl, leiten Strom aber auch besser als Kupfer. Daher sehen viele Mikroelektronik-Forscher in diesen Molekülen eine mögliche Alternative zu Silizium-Chips. Heiko Weckbrodt

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