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Polareis schrumpft schneller

Dieses 18 Meter tiefe Steiltal hat sich in den vergangenen Jahren durch Schmezflüsse in den Eispanzer gegraben. Foto: Ian Joughin, University of Washington

Dieses 18 Meter tiefe Steiltal hat sich in den vergangenen Jahren durch Schmezflüsse in den Eispanzer gegraben. Foto: Ian Joughin, University of Washington

Studie: Schmelztempo seit 90er Jahren mehr als verdreifacht

Grönland/Antarktis, 1. Dezember 2012: Die Eisschmelze an beiden Erdpolen hat sich in den vergangenen 20 Jahren deutlich beschleunigt. Das haben neue vergleichende Messungen von Satelliten der US-Raumfahrtbehörde NASA und der europäischen ESA ergeben. Laut der gemeinsamen Studie von 47 Wissenschaftlern aus 26 Forschungseinrichtungen verlieren die Eispanzer über Grönland und über der Antarktis jetzt Eis in einer Menge, die einem jährlichen Anstieg der globalen Meerespegel um einen knappen Millimeter entsprechen. Damit schmilzt das Polareis inzwischen mehr als drei Mal so schnell wie in den 1990ern, als die Eisschmelze einem jährlichen Meerespegel-Anstieg um 0,27 Millimeter entsprach.

ESA-Video: Eispanzerschelze und Meeresspiegel-Anstieg seit 1992:

 

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Polarnahe Schmelze für 1,1 Zentimeter Pegelanstieg in Meeren verantwortlich

Demnach war die polare Eisschmelze für 1,1 Zentimeter beziehungsweise ein Fünftel des Pegelanstiegs in den Weltmeeren in den vergangenen 20 Jahren verantwortlich. Weitere Faktoren waren die Wasserausdehnung durch die Erwärmung der Ozeane, geschmolzene Gebirgs-Gletscher und Grundwasserveränderungen. Der arktische Eispanzer am Nordpol hingegen trägt kaum dazu bei.

Wird Grönland wieder Grünland?
Die Animation zeigt, wie fünf Kilometer Eis vom grönländischen Gletscher Kangerdlugssuaq seit 1992 geschmolzen sind. Abb.: ESA

Die Animation zeigt, wie fünf Kilometer Eis vom grönländischen Gletscher Kangerdlugssuaq seit 1992 geschmolzen sind. Abb.: ESA

Bisher hatten die Wissenschaftler die polarnahe Eisschmelze nur sehr vage schätzen können, wie NASA und ESA erklärten. Durch die kombinierten Langzeitmessungen zahlreicher Satelliten habe man nun ein klareres Bild, das zudem zeige, dass insbesondere die Eisschmelze in Grönland extraordinär stark ist.

Möglicherweise wird die Insel ja in einigen Jahren ihrem ursprünglichen Namen wieder gerecht: Der Wikinger Erich der Rote nannte die Landmasse Grönland = Grünland, was nur vermuten lässt, dass eine mittelalterliche Warmzeit auf der Insel damals eine viel üppigere Vegetation sprießen ließ.

Heiko Weckbrodt

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