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Umsatz sinkt: Infineon streicht Investitionen zusammen

Polieranlage bei Infineon Dresden - das Unternehmen hat sich vom Wackelkandidaten wieder zum Vorzeigebetrieb entwickelt. Abb.: Infineon

Polieranlage bei Infineon Dresden.  Abb.: Infineon

Neubiberg, 14. November 2012: Weil die Weltkonjunktur schwächelt sowie die Umsätze und Gewinne schrumpfen, streicht der deutsche Halbleiterkonzern Infineon seine Investitionen zusammen, schaltet wenig ausgelastete Anlagen in seinen Chipwerken ab und schickt Leiharbeiter nach Hause – und plant teils auch Kurzarbeit. Das hat Infineon-Vorstandschef Reinhard Ploss heute angekündigt. Während die Mitarbeiter im Warsteiner Chipwerk unmittelbar mit Kurzarbeit rechnen müssen, werden die Dresdner Fabriken wegen ihrer überdurchschnittlichen Auslastung von den Einschnitten wohl eher wenig betroffen sein.

Infineon-Chef: konjunktureller Gegenwind wird stärker
Reinhard Ploss. Abb.: Infineon

Reinhard Ploss. Abb.: Infineon

„Der konjunkturelle Gegenwind wird stärker“, schätzte Ploss ein. „Und wir sehen nicht, dass er sich schnell drehen wird. Für das Geschäftsjahr 2013 erwarten wir daher einen Umsatzrückgang.“

„Weltwirtschaftliche Unsicherheiten infolge hoher Staatsschulden in Europa“ haben laut Ploss dem Unternehmen bereits das Geschäftsjahr 2012 vergällt: Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 3,9 Milliarden Euro – immerhin nicht ganz so stark wie erwartet. Dafür sackte der Konzerngewinn deutlich ab: von 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr auf 427 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2012, das bei Infineon Ende September endet. Für 2013 erwartet der Vorstand Rückgänge „im mittleren bis hohen einstelligen“ Prozentbereich (sprich: fünf bis neun Prozent) und erst aber der zweiten Jahreshälfte eine leichte Erholung der Konjunkturlage.

Standort Dresden wegen guter Auslastung nur wenig von Kürzungen betroffen

Ein nun von der Konzernspitze ausgearbeitetes Konsolidierungsprogramm sieht daher unter anderem vor, statt 890 Millionen Euro wie im vergangenen Jahr im kommenden Geschäftsjahr nur noch rund 400 Millionen Euro zu investieren. Strategisch wichtige Investitionen wie das neue 300-mm-Werk für Leistungshalbleiter in Dresden will Ploss nicht in Frage stellen. Wie die Dresdner Standort-Sprecherin Diana Heuer mitteilte, wird der Auf- und Ausbau der neuen Fabrik aber wohl „nicht ganz so steil“ vorangehen wie zunächst geplant.

„Wir werden natürlich ebenfalls Beiträge zur Kostensenkung leisten“, betonte Heuer. Kurzarbeit oder Maschinenabschaltungen seien in Dresden aber ziemlich unwahrscheinlich: Die Auslastung der Werke, die vor allem Kontrollchips in Kupfertechnologie für Autos und elektronische Ausweise produzieren, liege bei über 95 Prozent. Laut einschätzung des Vorstands gehöre Dresden zu den bestausgelasteten Standorten im Konzernverbund, erklärte Heuer. Gestoppt wurde allerdings bereits der Plan, die Kupfer-Linien auf 200-Millimeter-Scheiben erneut auszubauen.

Der Vorstand will außerdem die Ausgaben für Forschungsprojekte und Zeitarbeiter eingedampfen. In welchem Maße in diesen Punkten Dresden betroffen sei, könne man noch schwer einschätzen, sagte Heuer. Sie rechnet allerdings nicht mit dramatischen Einschnitten am Standort. Derzeit beschäftigt Infineon in Dresden rund 2000 Festangestellte und etwa 180 Leiharbeiter. Heiko Weckbrodt

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