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Psychodrama „Take Shelter“: Naht der Endzeitsturm?

Traum oder Realität? Verängstigt Curtis seine Tochter nur oder rettet er sie? Abb.: Ascot

Traum oder Realität? Verängstigt Curtis seine Tochter nur oder rettet er sie? Abb.: Ascot Elite

Äußerlich mag „Take Shelter“ (Such Unterschlupf!) als Mystery durchgehen, in seiner Erzählstruktur als Liebesfilm gelten. Doch die Tragödie um einen Mann, den drängende Albträume eines nahenden Endzeitsturms aus der Bahn werfen, ist vor allem eines: Herausragendes Schauspielerkino, das man sonst so selten aus der effekteverliebten US-Filmindustrie kennt. Derart intensiv gespielt, dass es der Zuschauer schon nach wenigen Minuten wie magisch in seinen Bann zieht – und die Prise Esoterik darin großzügig verzeiht.

„Du hat ein gutes Leben“, bekommt Curtis von seinem besten Kumpel abends im Auto zu hören. „Ist wohl das größte Kompliment, das an einem Mann machen kann.“ Und wirklich erfüllt Bauleiter Curtis LaForche (Michael Shannon) alle Klischees eines idealen amerikanischen Vorstadtlebens: Er hat ein eigenes Häuschen, eine liebende Frau (Jessica Chastain als Samantha), eine süße Tochter und einen soliden Job.

Prophetische Albträume werfen Curtis aus der Bahn

Doch von einem Tag auf den anderen suchen ihn furchtbare Visionen von einem alles verzehrenden Sturm heim – erst nur nachts in Albträumen, dann beginnen auch tagsüber die Halluzinationen. Ereilt ihn das selbe Schicksal wie seine kranke Mutter, die paranoiageplagt im Pflegeheim lebt? Curtis zweifelt – und nimmt einen Kredit auf, um einen Tornadoschutzbunker zu bauen, entfremdet sich von Freunden und Familie, brüllt die erstarrte Nachbarschaft an: „Ein Sturm wird kommen und keiner von Euch ist vorbereitet!“

Ob Curtis im Wahn versinkt oder wirklich ein Sturm kommt, sei hier nicht verraten, denn mit dieser Ungewissheit arbeiten Independent-Regisseur Jeff Nichols und sein Hauptdarsteller Shannon ja gerade. „Take Shelter“ lebt – ungeachtet einiger faszinierenden Spezialeffekte –in erster Linie von seinen magischen Bildern, der raffinierten Ausleuchtung und vor allem vom dichten Spiel seiner Akteure in einem stringent gezeichneten Psychogramm.

Abb.: Ascot Elite

Abb.: Ascot Elite

Fazit:

Wer den in Cannes ausgezeichneten Film im Kino verpasst hat, sollte sich unbedingt die nun erschienene DVD beziehungsweise Bluray reinziehen, die zudem als Boni ein Making-Of, Interviews und ein paar geschnittene Szenen bietet. In seiner Bildkraft und seinen schauspielerischen Leistungen ist „Take Shelter“ einer des besten Filme des Jahres. Heiko Weckbrodt

Take Shelter – Ein Sturm zieht auf“ (Ascot Elite), USA 2011 (DVD 2012), Regie: Jeff Nichols, mit Michael Shannon, 116 Minuten, P 12, DVD 15 Euro, Bluray 18 Euro

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