News, Wirtschaft
Schreibe einen Kommentar

Fraunhofer-Forscher: Teurer Umstieg auf 450-mm-Scheiben lohnt sich für Europas Chipfabriken vorerst nicht

Kosten von 7 bis 9 Mrd. $ pro 450-mm-Werk zu erwarten
IZM-Chef Klaus-Dieter Lang. Abb.: hw

IZM-Chef Klaus-Dieter Lang. Abb.: hw

Dresden/Berlin, 26.7.2012: Für Europas Mikroelektronik lohnt sich der Umstieg auf die neue 450-Millimeter-Siliziumscheiben vorerst nicht. Das erklärte Professor Klaus-Dieter Lang, der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) Berlin, bei einem Besuch des Dresdner 3D-Chip-Forschungszentrums „ASSID“. Die europäische Halbleiterbranche sei vergleichsweise kleinteilig, für wohl keines dieser Unternehmen seien Investitionen von sieben bis neun Milliarden Dollar, wie sie pro 450-mm-Fabrik erwartet werden, stemmbar.

„Im Jahr 2020 wird es vielleicht drei 450-mm-Fabriken geben“, schätzt Lang. „Davon wird eine in den USA, eine in Taiwan und eine in Korea stehen, aber kein in Europa – aber das ist nur meine persönliche Meinung.“

Die Diskussion um die 450-mm-Technik hatte jüngst an Fahrt gewonnen, nachdem der US-Konzern „Intel“ angekündigt hatte, sich an der Entwicklung der entsprechenden Anlagen bei niederländischen Hersteller ASML milliardenschwer zu beteiligen (Der Oiger berichtete). Der Umstieg von 300 auf 450 Millimeter große Siliziumscheiben (Wafer) in der Chipproduktion wird einerseits hohen Kapital- und Entwicklungsaufwand erfordern, andererseits erhofft sich Intel eine anderthalb bis doppelt so hohe Chipausbeute pro Scheibe – und damit einen erheblichen Fertigungskosten- und Mengenvorteil gegenüber der Konkurrenz.

In Europa kommen eigentlich nur Globalfoundries Dresden und vielleicht noch ST Microelectronics wegen ihrer hohen Produktionsmengen für diese Technologie in Frage. Infineon dagegen ist hier nicht einmal von der 200- auf die 300-mm-Wafer-Technik umgestiegen. Denn seit das Unternehmen keine Speicherchips für den Massenmarkt, sondern Spezial—Logikchips herstellt, sind die einzelnen Losgrößen gesunken – und wenn doch größere Aufträge in einer Chip-Art anstehen, vergibt Infineon diese an Auftragsfertiger (Foundries). Heiko Weckbrodt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.