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Amazons Flaggschiff „Kindle Touch 3G“ im Test: Etwas spartanisch, aber ausgereift

Mit Fingersteuerung: Der "Kindle Touch" wird nicht über Knöpfe, sondern die von Tablets bekannten Wisch- und Zoom-Gesten gesteuert. Abb.: Amazon

Mit Fingersteuerung: Der „Kindle Touch“ wird nicht über Knöpfe, sondern die von Tablets bekannten Wisch- und Zoom-Gesten gesteuert. Abb.: Amazon

Mit den neuen „Kindle Touch“-Modellen, die inzwischen auch in Deutschland verfügbar sind, hat Amazon seine Geräte-Palette fürs Lesen elektronischer Bücher (eBücher) deutlich modernisiert – und auf den Marktdruck von iPad & Co. reagiert. Denn für viele digitale Nomaden sind die Wisch-, Blätter- und Zoom-Fingergesten der Apple-Tabletts inzwischen der Standard, von dem der Nutzer ausgeht. Wer weniger bietet, gilt als Sub-Standard-Anbieter. Der Oiger hat nun Amazons aktuelles Spitzengerät, den „Kindle Touch 3G“ mit berührungsgesteuertem Bildschirm, unter die Lupe genommen – und der eReader hinterließ einen guten Eindruck.

Reaktionsfreudigerer E-Ink-Bildschirm mit Finger-Steuerung

Der „Kindle Touch“ verwendet, wie es der Name schon erahnen lässt, die neuere Generation von E-Ink-Displays, die im Vergleich zu Vorgängertechniken mit den Fingern gesteuert werden, für besseres Schriftbild sorgen, deutlich reaktionsfreudiger sind und auch leichtere Geräte-Bauweisen ermöglichen.

Oiger-Video zum Kindle Touch 3G:

Tatsächlich ist der „Touch“ trotz seines mit 6 Zoll (ca. 15 Zentimeter) großen Bildschirms recht leicht (220 Gramm) und sieht auch schicker aus als die ersten Kindles. Das liegt auch am spartanischen Apple-Dogma: So wenig wie Knöpfe wie möglich – Einschalter und „Zurück ins Hauptmenü“-Knopf in der Mitte – das war’s auch schon. Blätter, Schriftvergrößern, Texteingabe etc. werden alle über die von Tablets bekannten Gesten und Bildschirmtastaturen realisiert. Ganz so zügig und präzise ist der Touch-Display von E-Ink zwar nicht, hat aber deutlich aufgeholt. Gerade bei der Kernfunktion „Lesen“ macht sich das positiv bemerkbar: Einhändiges Lesen ist jetzt wirklich kein Problem mehr und es blättert sich in den eBooks jetzt auch viel zügiger als früher.

Auch Tausende Gratis-eBücher verfügbar

Um den Kindle richtig nutzen zu können, muss man ihn mit seinem Amazon-Konto (kostenlos) verknüpfen. Dann hat man auf dem Hauptbildschirm einen Direkt-Link zum Kindle-Shop, wo neben Bezahl-eBüchern auch Tausende Gratis-Bücher herunterladbar sind. Unter letzteren ist zwar auch viel Schromms, aber eben auch lesenswerte Literaturklassiker, deren Urheberrechts-Schutzfristen abgelaufen sind.

Wer schon eine eBuch-Sammlung hat, kann sie über ein (beigelegtes) Mini-USB-Kabel vom PC ziehen. Aber Vorsicht: Ausgerechnet das populäre ePub-Format unterstützt der Kindle immer noch nicht, mit Gratis-Konvertern wie „Calibre“ kann man die eigenen eBooks aber in Amazons „AZW“-Format konvertieren.

Laut Amazon passen auf den Kindle rund 3000 Bücher – das kommt auch dicke hin. Wem die drei Gigabyte interner Speicher nicht genug sind, kann seine Bücher in der unbegrenzten „Amazon Cloud“ ablegen und per Internet bei Bedarf laden.

Kostenlose Datenverbindung zum „Whispernet“

Womit wir bei einem großen Marktvorteil des Kindles wären: Das 189 Euro teure Spitzenmodell „Touch 3G“ (zu dem ich persönlich auch im Zweifelsfall raten würde) hat neben einem WLAN-Empfänger auch ein UMTS-Modul, über das man überall, wo ein Handy-Netz anliegt, kostenlos auf Amazons Vertragsnetz „Whispernet“ zugreifen kann, sprich: man muss selbst keine Daten-Flatrate löhnen. Dieses Netz ist zwar nicht sehr schnell, erlaubt es aber, überall eBooks aus der Cloud zu laden und Lesezeichen zu synchronisieren (letzteres bedeutet: Wer zum Beispiel auf seinem iPad per Amazon-App ein Buch liest, kann an genau derselben Stelle weiterschmökern, wenn er sein Kindle startet).

Nützlich sind auch die integrierten Wörterbücher: Wer in einem eBuch liest, kann sich per Fingertipp auf ein unbekanntes Wort definieren lassen, über einen kleinen Umweg kann man sich so auch Vokabeln in fremdsprachigen eBüchern übersetzen lassen. Diese Nachschlagefunktionen sind zwar auf dem iPad noch etwas ausgefuchster, arbeiten beim Kindle aber deutlich bequemer als zum Beispiel bei den Pocketbook-eReadern und anderen Konkurrenzprodukten.

Da geizt Amazon herum: Den USB-Stromadapter muss man sich dazukaufen. Abb.: Amazon

Da geizt Amazon herum: Den USB-Stromadapter muss man sich extra dazukaufen. Abb.: Amazon

Als „Beta-Funktionen“ hat Amazon zudem einen Internet-Browser (arbeitet leider nur über WLAN, sonst wäre das ein echter Mehrwert für das Gerät) und eine Vorlese-Funktion (hört sich aber etwas gruselig an) integriert. Was fehlt, ist ein Stromadapter, den muss man sich extra dazu kaufen – was sicher daran liegt, dass Amazon seine Kindles preislich sehr knapp kalkuliert, die eigentlichen Gewinne will der Internet-Buchhändler über den “Content“, also über den Verkauf von eBooks und MP3s für den Kindle realisieren.

Fazit:

Auch wenn der Kindle auf den ersten Blick in mancher Hinsicht etwas spartanisch wirkt, bekommt man mit dem „Touch“ doch einen sehr durchdachten eReader in die Hand, der das, was er verspricht, auch hält: Die Gestensteuerung arbeitet recht sauber, das Blättern ist zügig, die Nachschlagewerke arbeiten so, wie man es erwartet. Größter Vorteil ist wohl das kostenlose „Whispernet“, das den Nutzer standortunabhängig von PC und WLAN-Verbindung macht. Und im Vergleich zu einem Zehn-Stunden-Tablet ist die Akku-Laufzeit beim Kindle auch nicht der limitierende Faktor, der Akku hält wochen-, ja teils monatelang mit einer Ladung. Heiko Weckbrodt

Kindle Touch 3G“ (Amazon) 189 Euro (ohne UMTS-Modul: 129 Euro, ohne Fingersteuerung: 99 Euro)

Display: 6“ (15 cm)

Gewicht: 220 g

Verbindungen: USB, WLAN, UMTS

Unterstützte Formate: Kindle (AZW), Kindle Format 8 (AZW3), TXT, PDF, Audible (Audible Enhanced (AA, AAX)), MP3, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, (KEIN ePub!)

Interner Speicher: 4 Gigabyte (davon 3 GB für Bücher etc.), weiterer Speicher-Platz über Amazon-Cloud

 

Vorteile:

– kostenloses Datenverbindung via Whispernet

– ausgereifte Technik mit Fingergestensteuerung

Nachteile:

– kein Stromadapter beigelegt (Aufladen nur über USB-Anschluss am PC)

– Internetsurfen (bisher?) auf WLAN-Verbindung limitiert

 

Zum Weiterlesen:

-> Thalias neues eReader-Flaggschiff „Bookeen“ im Oiger-Test

-> Plastic Logic steigt aus eReader-Produktion aus

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