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Retrokrimi „The Business“: Die Möchtegern-Koksgangster der 80er

So schön kann das Leben eines Nachwuchs-Gangsters sein: Frankie suhlt sich am Pool statt in der Platte daheim in England abzuhängen. Abb.: Koch Media

So schön kann das Leben eines Nachwuchs-Gangsters sein: Frankie suhlt sich am Pool statt in der Platte daheim in England abzuhängen. Abb.: Koch Media

Retro-Krimis sind seit einiger Zeit angesagt bei den Regisseuren – man denke nur an „Life on Mars“ oder „The Bank Job“, in denen den 70ern gehuldigt wurde. Auch „The Business“ ist so ein komödiantisch angehauchter Retro-Thriller, in dem Regisseur Nick Love genüsslich in den 80ern schwelgt: Die Frauen tragen Glitzer-Lippenstift, die Nachwuchs-Gangster Tennis-Klamotten, dazu gibt’s Popmusik der Synthie-Ära und natürlich darf der Rubrik-Würfel in einer Szene nicht fehlen. Dabei hat sich Love sichtlich von Gangsterkomödien wie „Bube, Dame, König, Gras“ inspirieren lassen – seine Story um britische Ganoven, die in Spanien groß ins Koks-Geschäft einsteigen wollen und letztlich deppenhaft scheitern, kommt zwar nicht ganz so knackig rüber, hat aber seinen Unterhaltungswert.

Offizieller Trailer von Atlas Film:

Der Film setzt irgendwann um die Mitte der 1980er ein, in der sozialen Kälte und der Gier der Thatcher- und Reagan-Zeit, die auch Frankie aus seinem trostlosen englischen Platten-Ghetto an die sonnigen Strände der Costa del Sol treibt. Dort gerät er direkt in die Arme des dubiosen Clubbesitzers Charlie, mit dem er einen florierenden Gras-Schmuggel von Marokko nach Spanien aufzieht. Der Champagner fließt in Strömen, die Babes werfen sich Frankie in die Arme – ein Leben auf der Überholspur. Das endet allerdings in einer bösen Vollbremsung, als sich die Engländer mit dem örtlichen Bürgermeister anlegen…

Clubbesitzer Charlie lockt mit dem großen Geld. Abb.: Koch Media

Clubbesitzer Charlie lockt mit dem großen Geld. Abb.: Koch Media

Aufstieg und Fall der Blender

Kein Zweifel: „The Business“ hat Charme, der über bloße 80er-Jahre-Retro-Appelle hinaus geht – was auch an der an für sich guten und schlüssigen Story vom Aufstieg und Fall der Blender Charlie und Frankie liegt. Das Fetzige des Vorbilds Guy Ritchie stellt sich allerdings nicht ganz ein: Das mag ein wenig an der leicht behäbigen Kameraführung und Schnittechnik liegen, vielleicht auch am schauspielerisch etwas blassen Hauptdarsteller Dannie Dyer.

Abb.: Koch

Abb.: Koch

Fazit:

Aber auch wenn man dem Streifen mehr Zackigkeit gewünscht hätte: „The Business“ ist ein amüsanter Krimi, der auch mit vielen kleinen Anspielungen auf die 80er besticht und erst jetzt in Deutschland auf DVD erschienen ist. Als Beigabe winken ein Making-Of, ein alternatives Ende und mehrere geschnittene Szenen – die manches besser erklären, aber wohl der Schnittschere zum Opfer fielen, um dem Film mehr Tempo zu verleihen.

Heiko Weckbrodt

The Business“ (Atlas/Koch Media), UK/Spanien 2005 (DVD 2012), Regie: Nick Love, 92 min., P 18, DVD und Bluray jew. zwölf Euro

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