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ifo-Studie: Dresden wächst weiter, Umland blutet aus

Wirtschaftskraft und Zuwanderung werden sich immer mehr auf wenige Zentren konzentrieren, sagen die ifo-Forscher. Abb.: Anja Upmeier/LHD

Wirtschaftskraft und Zuwanderung werden sich immer mehr auf wenige Zentren konzentrieren, sagen die ifo-Forscher. Abb.: Anja Upmeier/LHD

Dresden, 18.6.2012. Die Rolle der Stadt Dresden als Wirtschaftsanker in Ostsachsen wird in den kommenden Dekaden zulegen. Das hat eine Modellrechnung von Wirtschaftsforschern der ifo-Niederlassung Dresden und der Uni München ergeben. Demnach werden sich Wirtschaftskraft und Zuwanderung bis 2025 und darüber hinaus noch stärker auf die Landeshauptstadt konzentrieren, während sich Landflucht und Überalterung im Umland fortsetzen. Städte wie Königstein und Rathen müssen mit teils drastischem Bürgerschwund rechnen.

Für ihre Studie haben die Autoren Katja Baum und Wolfgang Nagl den sogenannten „REGKLAM“-Raum („Regionales Klimaanpassungsprogramm für die Modellregion Dresden“) untersucht. Dieser umfasst neben Dresden die Sächsische Schweiz, das Osterzgebirge, den Kreis Meißen sowie Teile der Landkreise Bautzen und Mittelsachsen. Laut ihrer Prognose wird die Bevölkerung in diesem Großraum von 1,23 Millionen Menschen im Jahr 2010 auf nur noch 1,16 Millionen im Jahr 2025 schrumpfen – dabei wandern vor allem die Jungen, die Erwerbsfähigen ab.

-44 %: Umland-Städte wie Königstein bluten regelrecht aus

Abb.: SMWA

Immerhin dürfte der erwartete Bevölkerungsrückgang in der REGKLAM-Region mit 5,7 Prozent etwas günstiger ausfallen als in ganz Sachsen (- 8,8 Prozent). Einige Städte werden aber regelrecht ausbluten: Für Königstein zum Beispiel erwarten die Forscher einen Rückgang der Bürgerzahl um 44 Prozent, für Rathen um 37,4 Prozent. Ganz anders sehen die Prognosen für die Landeshauptstadt und Radebeul aus, die bis 2025 um 4,7 beziehungsweise zwei Prozent wachsen.

Vor allem der Schwund der arbeitsfähigen Bevölkerung wird – neben anderen Faktoren – laut der Modellrechnung auch zu einem langsameren Wirtschaftswachstum im REGKLAM-Gebiet führen. Das Bruttoinlandsprodukt würde demnach im Ballungsraum bis 2025 nur noch um 3,9 bis acht Prozent steigen.

Langfristig sehen die Autoren noch schlechtere Chancen für die Aufholjagd Ost-West: aut ihren Prognosen könnte die absolute Wirtschaftsleistung im Ballungsraum bis 2050 könnte sogar wieder sinken. Aber auch hier fallen die Prognosen für Dresden wieder günstiger aus: In der Landeshauptstadt wird die Zahl der Erwerbsfähigen dank Baby-Boom und Zuwanderung bei reichlich 343.000 Erwerbsfähigen zumindest nur stagnieren statt zu schrumpfen. Damit sind hier die demografischen Dämpfer für das Wirtschaftswachstum (sinkende Binnennachfrage und Fachkräftemangel) auch nicht so stark.

„Dresden nimmt innerhalb der Region eine Sonderrolle ein“, betonen die Forscher. Die Bürgerschaft wachse hier gegen den Trend, sodass die Bedeutung von Dresden als Wirtschaftszentrum der Region noch steigen werde. Den „massiven Rückgang der Erwerbsbevölkerung“ und die sich abzeichnende ökonomische Flaute des REGKLAM-Raums werde dies „nur verlangsamen, nicht aber umkehren“ können.

Generell gehen Raum-Forscher bereits seit einiger Zeit davon aus, dass sich insbesondere im Osten Deutschlands, wo sich der demografische Wandel beschleunigt vollzieht, Bevölkerung und Wirtschaftskraft auf wenige Hochzentren konzentrieren werden, während „auf dem flachen Lande“ Abwärtsspiralen“ wirken. In diesem Falle konnte durch das bereits seit einigen Jahren Daten sammelnde REGKLAM-Projekt nun auch erstmals konkrete Projektionen für den Großraum Dresden berechnet werden. Heiko Weckbrodt

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