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Ifo-Forscher: Sachsen noch weit von selbstragender Wirtschaft entfernt

Abb.: Wikipedia

Neuer Schwerpunkt für Wirtschaftspolitik gefordert: weg vom „Beton“, hin zu Innovationen

Dresden, 20.6.2012: Sachsen ist von einer selbsttragenden Wirtschaft und Eigenfinanzierung seiner öffentlichen Ausgaben noch weit entfernt. Das hat Prof. Joachim Ragnitz, Vizechef der Dresdner ifo-Niederlassung, eingeschätzt. Das Ziel der Landesregierung, im Jahr 2020 finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, sei „eher pessimistisch“ zu beurteilen. Allerdings sei „mit klug gesetzten wachstumspolitischen Impulsen ein schnelleres Aufholen der sächsischen Wirtschaft durchaus möglich“, betonte der Forscher, der dafür neue Ansätze in der sächsischen Wirtschaftspolitik forderte.

Pro-Kopf-Leistung 25 % unter Westniveau
Jochaim Ragnitz. Abb.: ifo DD

Jochaim Ragnitz. Abb.: ifo DD

Derzeit sei der Freistaat noch in erheblichem Maße von Soli-Transfers und dem Länderfinanzausgleich des Westens abhängig, erklärte Ragnitz. So liege die wirtschaftliche Pro-Kopf-Leistung in Sachsen derzeit ein Viertel unter dem Niveau der westdeutschen Bundesländer. „Selbst die drei sächsischen Großstädte, die im Vergleich der sächsischen Regionen führend sind, erreichen bislang nur etwa 90 Prozent der Wirtschaftskraft der schwächsten Ruhrgebietsstädte – die kürzlich mit Verweis auf die gut ausgebaute Infrastruktur im Osten die Transferleistungen für die neuen Länder grundsätzlich in Frage stellen wollten“, betonte der Professor.

Entvölkerung sorgt für Wachstumsdämpfer

Zudem sei in Teilbereichen der hiesigen Wirtschaft in naher Zukunft mit Wachstumsdämpfern zu rechnen: So werde die erwerbsfähige Bevölkerung laut Prognose in Sachsen bis 2025 um etwa 20 Prozent sinken, dies werde zu einem spürbaren Arbeitskräftemangel führen. Auch werde die schrumpfende Bevölkerung die Binnen-Nachfrage dämpfen.

Mehr Exportorientierung notwendig

Um dennoch den Anschluss an den Westen zu erreichen, müsse die sächsische Wirtschaft produktiver werden – also mit weniger Arbeitskräften auskommen – und sich von ihrer starken Fixierung auf Inlandsmärkte zu Gunsten einer stärkeren Internationalisierung lösen. Und diese Entwicklung könne die Landesregierung zumindest indirekt durchaus beeinflussen.

„Die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation muss künftig Vorrang in der Wirtschaftspolitik haben“, forderte Ragnitz. Dies werde zwar vom Kabinett bereits nach außen gepredigt, „in der Praxis sieht es aber oftmals anders aus“, so der Forscher. „So haben Investitionen ,in Beton‘ oder auch: ,in Maschinen‘ häufig noch immer Vorrang vor Investitionen ,in Köpfe‘; Forschungs- und Technologiepolitik ist oftmals eher an Moden wie ,Spitzentechnologien‘ als an ihrem Beitrag zur technologischen Erneuerung der heimischen Wirtschaft in der Breite ausgerichtet; ,Fairness‘ und ,Gerechtigkeit‘ zählen bei der Verteilung öffentlicher Mittel vielfach mehr als langfristige Wachstumswirksamkeit.“

Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft muss besser werden

Konkret forderte der Wirtschaftswissenschaftler daher, den Wissenstransfer von Unis und Instituten in die Unternehmen stärker als bisher zu fördern – durch Kooperationsanreize für Hochschulen, Fachinformationssysteme, Personalaustausch und die stärkere Einbindung der Hochschulen in die Aus- und Weiterbildung von Firmenmitarbeitern. Heiko Weckbrodt

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