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660 Millionen Euro Steuergelder in Dresdner Chipindustrie geflossen

Forschungs- und kapitalintensiv: Die Mikroelektronik - hier ein Blick in einen Infineon-Reinraum. Abb.: Infineon

Forschungs- und kapitalintensiv: Die Mikroelektronik - hier ein Blick in einen Infineon-Reinraum. Abb.: Infineon

Dresden, 31.5.2012: Land, Bund und EU haben die sächsische Mikroelektronik seit der Jahrtausendwende mit insgesamt rund 662 Millionen Euro Investitions- und Forschungsbeihilfen bezuschusst – damit profitierte die Halbleiterbranche im Vergleich zu anderen Industriezweigen weit überdurchschnittlich von staatlichen Beihilfen. Das geht aus einer Antwort des sächsischen Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Plauener Landtagsabgeordneten Frank Heidan (CDU) hervor.

Demnach beschäftigten die eigentlichen Chipfirmen im Jahr 2011 nur 3,8 Prozent aller Industrie-Mitarbeiter im Freistaat, kassierten aber 8,9 Prozent der einzelbetrieblichen Investitionsförderung (Land, Bund, EU-Fonds EFRE) und sogar 27,6 Prozent der Projektförderung für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. In Summe waren dies zwischen 2000 und 2011 rund 400 Millionen Euro Investitionszuschüsse und 262,6 Millionen Euro Innovationsförderung.

Silicon Saxony: Viele Firmen hängen am Elektronik-Tropf
Sven Morlok. Abb.: sachsen.de

Sven Morlok. Abb.: sachsen.de

Der Hightech-Verband „Silicon Saxony“ verteidigte die hohe Förderquote indes als sinnvoll: Von den Aufträgen und der Innovationskraft der Mikroelektronik profitieren wesentliche Teile der sächsischen Wirtschaft, betonte Vizepräsidentin Gitta Haupold. „Etwa 80 Prozent der Unternehmen in unserem Verband sind kleine und mittelständische Unternehmen und die hängen in hohem Maße am Tropf des Mikroelektronik-Kerns“, sagte sie.

Zudem fließen für die Mikroelektronik ausgereichte Fördermittel teils indirekt wieder ins Staatssäckel zurück, argumentierte Karin Raths, Sprecherin von Globalfoundries Dresden. Sie verwies auf Steuereinnahmen und Einsparungen von Sozialleistungen für den Staat durch die zusätzlichen Jobs, die in der sächsischen Chipbranche entstanden und entstehen.

Auch das Wirtschaftsministerium will an seiner Förderpolitik festhalten: Die Halbleiterindustrie sei nun einmal sehr forschungsintensiv und habe daher eben auch viele Förderanträge eingereicht. Und: „Die Mikroelektronik ist hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Größe und technologischen Exzellenz von großer wirtschaftlicher Bedeutung für den Freistaat“, heiß es in einer Stellungnahme von Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP).
Studie: Inzwischen 51.000 Mitarbeiter im „Silicon Saxony“
Gitta Haupold. Abb.: Silicon Saxony

Gitta Haupold. Abb.: Silicon Saxony

Über die Arbeitsmarkt-Effekte der sächsischen Mikroelektronik gibt es indes unterschiedliche Angaben. Eine neue Studie des „Instituts für Mittelstands- und Regionalentwicklung“ (imreg) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums geht davon aus, dass inzwischen etwa 51.000 Menschen in der Hightech-Industrie im Großraum Dresden in Lohn und Brot stehen, rund 7000 mehr als vom Hightech-Branchenverband „Silicon Saxony“ noch vor einem Jahr angegeben.

Bei den eigentlichen Elektronikherstellern sind aber wohl „nur“ zwischen 8889 (imreg-Studie) und 9513 (Statistisches Landesamt) Mitarbeiter beschäftigt. Weitere 11.236 Menschen sind laut „imreg“ bei den unmittelbaren Zulieferern und Dienstleistern der Chipfirmen tätig, was heißen würde: Jeder Job in der sächsischen Halbleiterindustrie alimentiert unmittelbar 1,3 Arbeitsplätze im Umfeld.

Zu diesen rund 20.000 Jobs kommt noch einmal ein „Speckgürtel“ von über 30.000 Arbeitsplätzen in verwandten Branchen hinzu, zum Beispiel in Software-, Multimedia-, Telekommunikations- und Photovoltaikunternehmen, die teils mit den Chipfabriken verflochten sind.

Darin enthalten sind etwa 1100 neue Jobs in den Elektronik-Kernbetrieben wie Globalfoundries und Infineon, die im vergangenen Jahr hinzu gekommen sind. Dieser Halbleiterkern hat sich allerdings immer noch nicht vom Qimonda-Schock voll erholt: Die rund 11.800 Beschäftigten, die diese Firmen in Summe vor der Qimonda-Pleite der und Chipkrise 2008/2009 hatten, sind immer noch nicht wieder erreicht. Heiko Weckbrodt

 

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