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GEMA: Zahlungsbereitschaft für Musik steigt in Mitteldeutschland

Wo immer Musik aus der Konserve geboten wird, sind Abgaben an die GEMA fällig. Abb.: Fabio Di Lorenzo, Wikipedia

Wo immer Musik aus der Konserve geboten wird, sind Abgaben an die GEMA fällig. Abb.: Fabio Di Lorenzo, Wikipedia

Dresden, 21.5.2012: Während deutschlandweit die Diskussion um die Kostenlos-kultur im Internet und eine Urheberrechts-Reform für das Digitalzeitalter hohe Wellen schlägt, steigt in der Praxis hierzulande die Bereitschaft, für Musik aus der Konserve zu bezahlen. „95 Prozent der Gewerbetreibenden und Klubs, die wir ansprechen, sind kooperativ“, erklärte Uwe Dorn, Dresdner Bezirksdirektor der Rechteverwertungsgesellschaft GEMA. Dementsprechend sei auch das Gebührenaufkommen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gegen den Bundestrend „leicht gestiegen“, nämlich auf rund 30 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Insgesamt sind die Gebühren der GEMA indes gesunken: Weltweit hat die Verwertungsgesellschaft im Jahr 2011 nur noch 825,5 Millionen Euro eingenommen, etwa 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus dem aktuellen GEMA-Geschäftsbericht hevorgeht. Für das Tagesgeschäft in Deutschland unterhält die Gesellschaft insgesamt sieben Bezirksdirektionen, die sich um das regionale Geschäft kümmern.

Detektive wider die Kostenlos-Kultur
Abb.: GEMA

Abb.: GEMA

Online-Veranstaltungskalender sind ein gefundenes Fressen für die Dresdner Detektive der deutschen Musiker und Musikindustrie. Von einem unscheinbaren Häuschen an der Zittauer Straße aus durchforsten sie das Internet nach Frisören, Diskos, Fitnessstudios und anderen Musikberieslern, die noch nicht in der GEMA-Datenbank stehen, sprich: noch keine Gebühren abdrücken.

Ob Fassbieranstich oder Firsörsalon: Wo Musik dudelt, ist die Dresdner GEMA-Direktion nicht weit

Andere werten die großen „Clipping-Agenturen“ aus, die Presseartikel sammeln – immer auf der Suche nach einem unregistrierten Fassbieranstich oder einer Kräuterlikör-Prinzessinnenwahl, die nicht ohne flotte Poprhythmen auskommen – und so ins Visier der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (GEMA) geraten. Wieder andere grasen in Dresden und anderen mitteldeutschen Städten Straßenzug für Straßenzug, Laden für Laden ab und fahnden nach säumigen Musikliebhabern.

Fruchtet ein Brief oder ein Besuch nicht und verweigert der Gewerbetreibende hartnäckig die Abgabe für die Musik, die er seinen Kunden um die Ohren wabern lässt, kann es richtig teuer werden: Bis zu 100 Prozent Strafaufschlag kassieren die GEMA-Kontrolleure in solchen Fällen. „Das kann bis hin zu einer Auskunftsklage führen – aber das ist sehr selten“, betonte Direktor Dorn anlässlich des gestrigen Aktionstages „Wert der Kreativität“, an dem auch die Dresdner GEMA-Bezirksdirektion ausnahmsweise ihre Türen für Neugierige geöffnet hatte.

Pro Jahr bearbeitet die Dresdner GEMA-Bezirksdirektion etwa 100 000 Einzelveranstaltungen und hat rund 70 000 feste Kunden unter Vertrag. Das Spektrum ist dabei breit: Darunter sind kleine Vereine, die etwa 70 Euro im Jahr zahlen müssen, wenn sie auf ihrer Homepage rechtegeschützte Musik abdudeln, bis hin zu Großdiskos, die unter Umständen fast 2000 Euro pro Veranstaltung löhnen müssen. Auch die seinerzeit recht umstrittene Abgabepflicht für Kindergärten, die Noten für Singestunden der Kleinen kopieren, gehört dazu: Dort verlangt die GEMA eine Jahrespauschale von 56 Euro.

All diese Forderungen haben der GEMA nicht nur Freunde gemacht. Gerade im Netz und von der Piratenpartei wird sie gern als Handlanger der Musikindustrie angeprangert. „Wo stünden aber diese Piraten heute, wenn es den Geist nicht gebe, der all die schöne Technik und Musik ersonnen hat?“, verteidigt dagegen Dorn den Urheberrechtsschutz und die damit verbundenen Gebühren. „Dann würden auch die Piraten heute noch Handzettel verteilen, statt am Computer zu sitzen.“ Heiko Weckbrodt

-> Zum Weiterlesen: Im Blog „Kultur 2 Punkt 0“ berichtet Steffen Peschel über seinen Besuch bei der GEMA Dresden und konzentriert sich dabei auf die Ausschüttungen.

2 Kommentare

  1. Schade. Der Beitrag ist leider sehr unausgewogen. Indes ist die GEMA keine Bande bei der man Geld „abdrücken“ muss, um nur ein Beispiel zu nennen. Alle Handlungen der GEMA sind auf irgendeine Weise gesetzlich legitimiert. Ausserdem wäre es angebracht, klarzustellen, dass die GEMA nicht für die Musikindustrie, worunter man in der Regel die Verwerterebene versteht, arbeitet, sondern eine Einrichtung er Urheber und Verleger ist.

    • admin sagt

      Hallo Steffen, im Artikel werden die gesetzlichen Grundlagen, auf denen die GEMA arbeitet, nicht in Frage gestellt. Als „Urheber“ wäre ich der letzte, der sich der von einigen Seiten geäußerten Meinung anschließt, es sei ein Grundrecht, Werke geistigen Schaffens nach eigenem Gusto grundsätzlich kostenlos zu konsumieren. Gerade im Kontext der aktuellen Debatten um das Urheberrecht wäre es m. E. jedoch nicht gut, in einem Artikel über die GEMA die Kritikpunkte unerwähnt zu lassen – zudem der GEMA-Bezirksdirektor auch seine Sicht der Dinge darstellen konnte. Heiko Weckbrodt

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