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„Diablo III“ im Test: Bunte Haudrauf-Orgie

In Diablo III suchen erneut höllische Dämonen die Welt der Menschen heim. Abb.: Blizzard

In Diablo III suchen erneut höllische Dämonen die Welt der Menschen heim. Abb.: Blizzard

Von der Fan-Gemeinde seit Jahren sehnlich erwartet, hat Blizzard nun endlich „Diablo III“ veröffentlicht – und ein lustig-buntes Rollenspiel mit nettem Spaßfaktor, allerdings ohne echte Innovationen. Gerade im Vergleich zu realistischer inszenierten und optisch aufwändigen Konkurrenzprodukten wie „Risen“ oder „Gothic“ wirkt „Diablo III“ eher wie ein grafisch aufgemotztes „Diablo II“ – unterhaltsam, aber eher eine Draufhau-Orgie im Comic-Stil.

Fünf Charakterklassen auswählbar

In der neuen Teufelsorgie schlüpfen wir wahlweise als Barbar (grobschlächtiger Nahkämpfer), Dämonenjäger (Fernwaffenkämpfer), Hexer, Zauberer oder Mönch in die Haut eines heldischen Fremden, der nach Neu-Tristram kommt. Das mittelalterliche Städtchen wurde gerade von einem Meteoriten getroffen, der die Toten wieder auferstehen lässt, und die krabbeln nun stöhnend durch die Gegend und metzeln die Landbevölkerung.

Meteorit lockt Zombies aus der Gräbern
Dauerfeuer-Gemetzel in der Höhlenwelt. Abb.: Blizzard

Dauerfeuer-Gemetzel in der Höhlenwelt. Abb.: Blizzard

Unser schlagkräftiger Held dringt bald ins Epizentrum des Einschlags, in die alte Kathedrale vor, wo er einen Fremden ohne Erinnerung findet, der offensichtlich mit dem brennenden Felsen vom Himmel gestürzt ist. An uns ist es nun, seinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen, und die Höllenbrut, die um uns herumhüpft, niederzumetzeln.

Unterwegs findet der Spieler Gold, Waffen und Rüstungen, die er wahlweise verkaufen, in magische Materialien umwandeln oder zum Behufe der eigenen Stärkung anlegen kann.

Recht festgefügtes Punktesystem

Natürlich gibt sammelt der Held – wie im Genre üblich – auch Erfahrungspunkte, die sich nach einem gewissen Füllstand in neue Fähigkeiten ummünzen lassen. Aber schon hier entzweit das Konzept wohl Neulinge und eingefleischte Rollenspieler, denn es gibt nur wenig Wahlmöglichkeiten, um die Punkte zu verteilen. Da kann man zwar gelegentlich wählen, ob man den Helden mit Rune Nummer 1 oder 2 verbessert, aber das war’s dann schon. Da war zum Beispiel das „Risen“-Konzept, durch Entscheidungen in Story-Dialogen und einen recht frei konfigurierbaren Technologiebaum ganz individuelle magische Krieger zu generieren, doch etwas interessanter.

Optisch ein aufgebohrtes „Diablo II“

Auch in optischer Hinsicht kann man zweifeln, ob Diablo III ganz zeitgemäß ist, irgendwie wirkt die Grafik nach dem tollen Intro-Video fast enttäuschend: Zwar sind auch hohe Auflösungen möglich und die feurigen Zauber etc. sehen auch ganz nett aus. Aber Blizzard hat sich wieder für die alte isometrische Perspektive und einen Comic-Look entschieden – da empfinde ich persönlich die Ego-Shooter ähnliche Aufmachung von „Risen“ & Co., die mehr ins Spielgeschehen hineinzieht, als moderner.

Einen epischen Touch bringen immerhin die – teils wirklich toll gerenderten – Zwischensequenzen und gelegentliche Tagebuchfunde und Geisterszenen hinein. Die wirken allerdings etwas wie hineingesetzt und nicht organisch mit dem Spielverlauf verbunden.

Denn da arten die Monsterkämpfe meist in bloße Dauerfeuerorgien aus, raffinierte Taktik ist kaum gefragt. Man kann nur vermuten, dass Blizzard in erster Linie die Fans der Vorgänger-Teile bei der Stange halten wollte.

Die schlau-heldische Leah steht an unser Seite. Abb.: BSF Intro

Die schlau-heldische Leah steht an unser Seite. Abb.: BSF Intro

Nörgelpunkte: Bugs und Server-Probleme

1.) Man kann nicht zwischendurch selbst speichern (was den Spieler zwingt, bis zum nächsten automatischen Speicherpunkt immer weiter zu zocken).

2.) Auch für die Einzelspielerkampagne ist eine ständige Verbindung zu Blizzards Battlenet-Servern notwendig. Sind die überlastet, kommt man gar nicht zum Spielen oder fliegt auch schon mal zwischendurch raus.

3. Schon nach einer Stunde zeigte sich der erste schwere Bug: Mitten auf den Feldern des Elends versteinerten unsere Mitkämpfe plötzlich und rings um ein kleines Feld türmte sich nur noch Textur-Salat auf.

Fazit:

Vielleicht lagen einfach überspannte Erwartungen auf dem neuen Teil der Erfolgsserie – da musste sich wohl etwas Enttäuschung einstellen. Die erwähnten Server-Probleme und Spielfehler wird Blizzard sicher noch beheben, am etwas angestaubten Konzept wird sich aber wohl nichts ändern lassen. Allerdings will ich „Diablo III“ nicht schlecht reden: Für ein paar kleine Gefechte zwischendurch ist der Spaßfaktor recht gut. Aber der ganz große Wurf ist Blizzard nicht gelungen – da empfand ich erst letztens bei „Risen 2“ viel stärker diese Sucht, immer weiter zu spielen, um zu sehen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Heiko Weckbrodt

Diablo III“ (Blizzard/Activision), Rollenspiel, P 16

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