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„Trikorder“-Handy erkennt Matschbirnen und Autolackschäden

Das Handy als Scanner - weit ist der weg nicht mehr dank der Mini-Spektrometer der Dresdner Fraunhofer-Forscher. Abb:. Samsung, USDoA, Wikipedia, Montage: hw

Das Handy als Scanner - weit ist der Weg nicht mehr dank der Mini-Spektrometer der Dresdner Fraunhofer-Forscher. Abb:. Samsung, USDoA, Wikipedia, Montage: hw

Dresden, 5.5.2012: Ob eine Birne vom Obststand saftig oder mehlig ist, merkt man leider oft erst daheim, wenn man reinbeißt. Um Lack-Retouchen am Gebrauchtauto zu erkennen, ist gar ein Experte gefragt. Da wünscht man sich manchmal einen handlichen „Trikorder“ wie auf dem TV-Raumschiff „Enterprise“, mit dem die Weltraumerkunder so oft fremdartige Artefakte durch bloßes Draufhalten analysieren konnte. Wenn es nach den Forschern des Dresdner Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS) geht, ist es bis dahin aber gar nicht mehr so weit: Sie haben jetzt mittels Technologien aus der Chipindustrie ein nur Würfelzucker-großes Spektrometer entwickelt, mit denen der Kunde verborgene Schäden mittels Infrarotdurchleuchtung an Lebensmitteln und Konsumgütern erkennen kann. Und sie glauben, ihren Analysator noch so verkleinern und billig produzieren zu können, dass er bald in Computertelefone (Smartphones) integriert werden kann.

„Wir erwarten, dass Spektrometer sich auf ähnliche Weise entwickeln wie Digitalkameras“, erklärte IPMS-Wissenschaftler Dr. Heinrich Grüger. „Die Kameras, die man vor zehn Jahren für 500 Euro kaufen konnte, können weniger als die, die man heute im Handy quasi umsonst dazu bekommt.“

Ein Prototyp des Mini-Spektrometers. Abb.: IPMS

Ein Prototyp des Mini-Spektrometers. Abb.: IPMS

Gerät analysiert Lebensmittel per Infrarot

Der Prototyp, den die Forscher vom 22. bis zum 24. Mai 2012 auf der Messe „Sensor+Test“ in Nürnberg präsentieren wollen, ist etwa 2,1 Kubikzentimeter groß, strahlt breitbandiges Licht auf das zu analysierende Obst oder Steak aus und analysiert die reflektierten Infrarot-Strahlen – dies ist Wärmestrahlung, die vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden kann. Dabei schaut er gewissermaßen einige Zentimeter tief in das Objekt. Noch kann das Gerät die Probe nicht selbstständig erkennen, daher muss der Kunde in einer Software zum Beispiel den Menüpunkt „Birne“ auswählen. Anhand der dort gespeicherten Normwerte wertet der Analysator dann zum Beispiel aus, wieviel Fruchtzucker das Obst enthält, um dann per Lichtsignal „Rot“ oder „Grün“ den Kauf zu empfehlen oder abzuraten.

Produktion zu Hunderten auf Wafern

Die Forscher erzeugen diese Mini-Analysatoren zu Hunderten auf Siliziumscheiben (Wafern), wie man sie aus den Chipfabriken kennt. Dabei werden in mehrschrittigen Prozessen optische Sensoren, Spiegel und Gitter erzeugt, die zusammen als Spektrometer fungieren – bisher waren selbst die kleinsten dieser Geräte noch so groß wie zwei Packungen Butter.

„Trikorder“ soll künftig auch als Schnelltester Plagiate enttarnten

Laut IPMS kann das Gerät nicht nur weiter verkleinert werden, sondern auch so weiterentwickelt, dass es künftig zum Beispiel Lackschäden an Autos, gefälschte Markenware, die Wirkstoffe in Cremes und Arzneien und anderes erkennen kann. Heiko Weckbrodt

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