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Rechenbuch von Adam Ries nun hochdeutsch verfügbar

Prof. Stefan Deschauer übergibt das neue Buch an Annegret Münch, die Leiterin des Adam-Ries-Museums in Annaberg-Buchholz. Abb.: PR

Prof. Stefan Deschauer übergibt das neue Buch an Annegret Münch, die Leiterin des Adam-Ries-Museums in Annaberg-Buchholz. Abb.: PR

Annaberg-Buchholz/Dresden, 3.5.2012: So mancher wird sich aus dem Mathe-Unterricht noch an das geflügelte Wort „Das macht nach Adam Ries…“ erinnern. Denn gerade für die Volksbildung in Deutschland waren die Bücher des Rechenmeisters Adam Ries (1492-1559) ein Standardwerk. Heute aber sind sie wegen ihrer altmodisch anmutenden Sprache nur noch wenigen zugänglich – was sich nun durch die Arbeit des Dresdner TU-Professors Stefan Deschauer geändert hat: Er hat Ries‘ zweites Rechenbuch nun ins Hochdeutsche übertragen und hat das erste Exemplar dem Adam-Ries-Museum Annaberg-Buchholz übergeben.

Rechenwege auch jenseits des Dezimalsystems

„Adam Ries schrieb damals für angehende Kaufleute und Handwerker und das spiegelt sich thematisch und sprachlich in seinen Büchern“, erklärte Deschauer, der an der TU Dresden den Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik inne hat. Insofern gebe es neben der formalen Sprachbarriere auch eine inhaltliche: Ries arbeitete mit inzwischen vergessenen Rechenwegen und seine Ausführungen über das Münzwesen und Gewichte zum Beispiel bewegen sich jenseits des Dezimalsystems, das er gerade erst – nebst den indisch-arabischen Ziffern – in Deutschland für die breite Bevölkerung eingeführt hatte.

„Mathematik ist kein Fertigprodukt“

Prof. Deschauer ist überzeugt, dass die Rechenbücher von Ries auch im heutigen Mathe-Unterricht noch von Interesse sei können, daher habe er sich auch vor über 20 Jahren an die Übersetzungsarbeit gemacht. „Nicht zuletzt, um den Schülern zu zeigen, dass Mathematik kein Fertigprodukt von heute ist, sondern Teil unserer Kulturgeschichte“, betont er.

Bei dem nun vorgestellten Buch handelt es sich um eine grundlegend überarbeitete Neuauflage eines Buches, das er bereits vor zwei Jahrzehnten veröffentlicht hatte. „Inzwischen ist die Ries-Forschung natürlich ein ganzes Stück weitergekommen“, sagt Deschauer. Nicht zuletzt berücksichtigt die Neuauflage auch den technologischen Fortschritt: Viele Werke von Ries und anderer alter Rechenmeister wurden inzwischen digitalisiert und stehen im Internet. Heiko Weckbrodt

Stefan Deschauer: „Das macht nach Adam Riese – Die praktische Rechenkunst des berühmten Meisters Adam Ries“, Anaconda-Verlag, Köln 2012, acht Euro, ISBN 978-3-86647-731-5

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