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Infineon Dresden will Chefinnen-Quote bis 2020 auf 20 % verdoppeln

Aeneas und Kassandra spielen im Eltern-Kind-Büro von Infineon. Abb.: Flechtner

Aeneas und Kassandra spielen im Eltern-Kind-Büro von Infineon. Abb.: Flechtner

Dresden, 17.4.2012: Mit einem „Diversity“-Förderprogramm will der Chiphersteller Infineon in Dresden den Anteil von Frauen in Führungspositionen binnen acht Jahren auf 20 Prozent nahezu verdoppeln. Zu „Diversity“ gehören zum Beispiel ein neues Spiel-Arbeits-Büro für Eltern und Kinder sowie für Mitarbeiter reservierte Plätze in Kitas.

Wenn die Tagesmutti oder die Krippe mal zu hat: Im Eltern-Kind-Büro kann Mama arbeiten und die Kinder spielen
Inka Tews, Personalchefin bei Infineon Dresden. Abb.: Flechtner

Inka Tews, Personalchefin bei Infineon Dresden. Abb.: Flechtner

Für Prozessingenieurin Nora Kindler* war das neue Eltern-Kind-Büro am Südrand des Infineon-Campus an der Königsbrücker Straße die Rettung in letzter Minute: Am Montagmorgen rief plötzlich die Tagesmutter an: Krank sei sie geworden, die kleine Clara* könne heute leider nicht kommen. Ein Baby-Sitter war auch nicht in Sicht – dabei musste die Produktpräsentation für den Chef unbedingt fertig werden.

Was in anderen Unternehmen vielleicht schier unüberwindliche Hürden aufgetürmt hätte, war für Kindler kein Problem: Das Eltern-Kind-Büro, eigens für solche Notfälle eingerichtet, ist eine Kreuzung zwischen Spiel- und Arbeitszimmer – Mama hat dort einen vollständig ausgerüsteten Arbeitsplatz mit Verbindung zum Infineon-Intranet zur Verfügung, während sich Clara in Mamas Sichtweite mit den von Mitarbeitern gespendeten Spielzeugen vergnügt. „Meine Tochter hat sich selbst beschäftigt, während ich gut arbeiten konnte“, berichtet sie.

Vorschlag kam von Vater aus der Belegschaft

Das Eltern-Kind-Büro solle keine Kita ersetzen, sondern in Akutfällen helfen, wenn zum Beispiel die Tagesmutti krank wird oder die Krippen-Erzieherinnen streiken, erklärt Personalchefin Inka Tews. „Das Büro entstand auf Vorschlag eines Vaters in unserer Belegschaft und ist inzwischen ein Baustein unseres ,Diversity‘-Programms, mit dem wir unseren Mitarbeitern auch helfen wollen, Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren“, sagt die 42-Jährige Kauffrau – und Mutter zweier Kinder.

Unternehmen im Wandel: Teilzeitmodelle heute selbstverständlich

„Diversity“ ist das englische Wort für Vielfalt und meint hier die Veränderungen der modernen Arbeitswelt, in der Frauen ihren Mann stehen, aber auch die Erfahrungen älterer Kollegen dem Unternehmen so lange wie möglich erhalten bleiben sollen. „In den vergangenen Jahren hat sich da einiges bei uns verändert“, betont Tews. So sind Teilzeit- und Gleitzeit-Modelle für Mütter und ältere Kollegen zum Beispiel eine Selbstverständlichkeit geworden – früher in Industriebetrieben mit „rollender Woche“ wie in den Chipfabriken von Infineon eher eine Seltenheit. Heute liegt der Anteil der Teilzeitler an der Dresdner Belegschaft bei zwölf Prozent und damit deutlich über dem Infineon-Schnitt von sieben bis acht Prozent.

Auch Gesundheitsprogramme auf dem Firmencampus mit Yoga, Physiotherapie, Massagen sowie Sozialberatungen gehören zu „Diversity“ in Dresden – „die Resonanz ist riesengroß“, sagt Tews.

Vor allem liegt es ihr aber am Herzen, den Frauen im Unternehmen den Rücken zu stärken – immerhin ist fast ein Drittel der Belegschaft weiblich. Derzeit sind elf Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt, bis 2015 sollen es 15 Prozent und bis 2020 etwa 20 Prozent sein, so das Ziel. Dafür haben Tews und ihre Kolleginnen zum Beispiel Mentoren-Programme für weiblichen Führungsnachwuchs ins Leben gerufen.

Belegrechte für Infineon-Mitarbeiter in Kitas

Und natürlich spielt auch die leidige Krippen-Lücke in Dresden dabei immer wieder eine Rolle. Neben dem Eltern-Kind-Büro für Notfälle hat sich Infineon deshalb Belegrechte für 24 Plätze in einer freien Kita in Klotzsche gesichert. Derzeit verhandelt Tews mit der Stadt, um sich im Gegenzug für Investitionszuschüsse etwa noch mal so viele Kita-Plätze für Infineon-Familien zu reservieren.

Für 2013 will sich Infineon mit diesen und weiteren „Diversity“-Bausteinen um den Dresdner Titel „familienfreundliches Unternehmen“ bewerben, kündigte Standort-Sprecherin – und Mutter – Diana Heuer an. Heiko Weckbrodt

*Name geändert

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