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Befehle von Stasi-Mielke kommen ins Internet

Er liebte uns alle: Erich Mielke, von 1957 bis 1989 Stasi-Minister. Abb.: R. Mittelstädt, BA, Wikipedia

Er liebte uns alle: Erich Mielke, von 1957 bis 1989 Stasi-Minister. Abb.: R. Mittelstädt, BA, Wikipedia

Berlin/Dresden, 12.4.2012: Die Stasi-Unterlagenbehörde will ihren Digitalisierungskurs forcieren. Ab 2014 wolle man zum Beispiel alle zentralen Befehle und Weisungen der Stasi-Minister zwischen 1950 und 1989 ins Internet einspeisen, kündigte Birgit Salamon heute bei einem Besuch in der Außenstelle Dresden an – sie ist Abteilungsleiterin für Archivwesen beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) in Berlin.

Auch andere Stasi-Akten werde man nach und nach einscannen und dann von Fall zu Fall entscheiden, ob sie auch im Internet zugänglich gemacht werden können. Ein Hintergrund dafür ist das wieder steigende Interesse an den Stasiakten. Und: „Immer mehr Antragssteller wollen ihre Stasi-Unterlagen in elektronischer Form zugeschickt bekommen“, erklärte Konrad Felber, BStU-Außenstellenleiter in Dresden.

Abhör-Tonbänder zerfallen – drei Tonstudios digitalisieren Stasi-Kassetten um die Wette

„Für uns hat aber jetzt erstmal die Digitalisierung der Tonbänder Priorität“, betonte Salamon. Denn die Behörde verwahrt unter anderem mehrere Zehntausend Tonaufnahmen, die der ostdeutsche Geheimdienst über Jahrzehnte hinweg auf Tonbändern und Tonband-Kassetten archivierte. Wer in jüngster Zeit einmal probiert hat, eine alte ORWO-Kassette aus DDR-Zeiten wieder abzuspielen, dürfte wissen, wo das Problem liegt: Weil das analoge Material altert, werden die Aufnahmen Jahr für Jahr immer undeutlicher. Und da auch die Stasi zur Sparsamkeit angehalten wurde, überspielten die Schlapphüte viele Kassetten mehrfach, was die Qualität weiter minderte.

All diese Aufnahmen werden nun in drei zentralen Tonstudios in Berlin nach und nach digitalisiert, um sie für die Nachwelt dauerhaft zugänglich zu machen. „Etwa die Hälfte ist geschafft“, sagte Salamon. Wann dieses Tonband-Digitalisierungsprogramm abgeschlossen sei, könne sie aber noch nicht sagen.

Umgerüstete Matrix-Scanner lesen die Akten-Schnipsel so ein, dass auch die Rückseite später rekonstruierbar ist. Abb.: BStU

Der Puzzler soll die Stasi-Aktenschnipsel rekonstruieren. Abb.: BStU

ePuzzler für zerissene Stasi-Akten noch in Testphase

Mit Spannung erwarten Forscher und zeithistorisch Interessierte auch die ersten Ergebnisse des „ePuzzlers“ . Diese unter anderem von Fraunhofer-Forschern entwickelte Kombination aus Spezialscannern und neuen Erkennungs-Computerprogrammen soll jene Stasi-Unterlagen wieder elektronisch zusammenfügen, die 1989/90 von Geheimdienst-Mitarbeitern zerschreddert und zerissen worden waren (Wir berichteten). Besonders interessant dürften die Akten der Stasi-Auslandsspionage, der „HV A“ sein, von denen nur Bruchteile erhalten sind.

Derzeit befinde sich die Technik aber immer noch in der Testphase, teilte Salamon mit. Sie versprach jedoch eine schnelle Erschließung, sobald die ersten Seiten vom ePuzzler ausgespuckt werden.  Heiko Weckbrodt

1 Kommentare

  1. R.Buchwald sagt

    Das war schon längst fällig und wird nun endlich wahr und notwendig.
    Wie sollte denn jemand eine Diktatur erkennen, wenn er die Hintergründe nicht kennt und der Diktator genau darauf geachtet hat das alles im verborgenen bliebt.
    Wer konnte hinter den Mauern der Haftanstalten und Arbeitslager schauen, da ist keiner hingekommen, ohne das ihn einer der Diktatoren gesehen hätte und weggescheucht hätte.
    Wie wurde denn das Volk darüber aufgeklärt? Was hatte denn das Volk schon damals mitbekommen?
    Gar nichts, nur eins wussten sie, dass sie in diesen Anstalten nie rein wollten und hielten auch dafür den Mund.

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