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Gekauft: 1000 Fans für meine Facebook-Fanseite

Ein paar Fans für die Facebook-Seite gefällig? Bei eBay gibts die Anhänger im Tausender-Pack. Abb.: Siegel, Montage: hw

Ein paar Fans für die Facebook-Seite gefällig? Bei eBay gibts die Anhänger im Tausender-Pack. Abb.: Siegel, Montage: hw

Dresden, 4.4.2012: „Fans“ und „Follower“ in Kontaktnetzwerken („Social Networks“) wie „Facebook“, „Twitter“ oder „Google+“ sind längst zu einer Ware im Netz geworden, deren Marktwert in Euro und Cent bezifferbar ist. Auf Auktionsplattformen wie „eBay“ ist ein virtueller Fan ab etwa acht Cent käuflich, bei Massenabnahme gibt es Mengenrabatt. Für Außenstehende mag es nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich sein, ob hinter den Tausenden Fans einer neuen Firmen-Seite auf „Facebook“ & Co. um echte Anhänger, computergenerierte Profile oder Menschen stehen, die sich als „Profi-Fan“ etwas dazuverdienen. Die Fan-Käufer können sich daher von solchen Einkäufen größere Reputation für ihren Facebook-Auftritt erhoffen.

„Wow!”, entweicht es meinem Mund, als ich den Blick auf die Facebook Fanseite eines kleinem Unternehmen werfe: 1135 Fans haben sich mit dem Facebook-Profil verknüpft. Dabei verkauft die Firma nur einfache Rasenmäher, also ein Produkt, das in der Internetgemeinde doch eher auf wenig Interesse stößt.

Ich staune und wundere mich, wie so ein kleines Unternehmen so viele Fans für sich gewinnen kann. Eine spezielle Werbekampagne, mit der sie Fans auf die Seite lockten? So etwas soll es ja geben und man sieht dies immer wieder: Unternehmen, die Facebook-Nutzern einen Rabatt oder andere Sondervergünstigungen gewähren, wenn sich diese mit der Fanseite verknüpfen. Doch dazu finden sich hier keine Indizien. Kein Eintrag, der für einen Bonus wirbt, kein Kommentar, bei dem sich ein Fan für einen Rabatt bedankt. Und überhaupt: Irgendwie scheint es auf der Fanseite ziemlich ruhig zu sein. Kaum einer der 1135 Fans „gefällt” oder kommentiert einen der wenigen Beiträge, die sich im Monatsrhythmus auf der Fanseite verirren. Ich stehe vor einem Rätsel. Dabei interessiert es mich brennend, wie man an so viele Fans kommt.

„Nur echte User aus DE/AT/CH Welt“

Der Screenshot zeigt: Fans sind bei eBay rund um die Uhr zu haben, die Anbieter versprechen Auftragserfüllung binnen zwei Tagen nach dem Geldeingang. Abb.: BSF

Der Screenshot zeigt: Fans sind bei eBay rund um die Uhr zu haben, die Anbieter versprechen Auftragserfüllung binnen zwei Tagen nach dem Geldeingang. Abb.: BSF

Ein Blick auf eBay verrät, was sich hinter vielen Fans verbirgt. Denn im größten Online-Auktionskaufhaus kann man nicht nur Rasenmäher, unnütze Geschenke und alte Laptops ersteigern, sondern auch Fans. Die Angebote reichen dabei von 2 Euro für 25 Fans bis 12.999,99 Euro für 100.000 Fans. Daneben findet man Angebote für „Likes” – also Klicks auf den „Gefällt mir”-Knopf, der wie eine Werbeeinblendung in den Profilen der anderen verknüpften Nutzer wirkt. Aus über 250 Angeboten kann man dabei auswählen.

Was diese Fans bringen, woher diese kommen, darüber erfährt man nur etwas am Rande. Denn liest man bei manchen Angeboten etwas genauer, stellt man schnell fest. Es handelt sich zwar um echte Fans, doch ob diese auch verstehen, was das Unternehmen anbietet, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Nicht umsonst tauchen in den Angeboten schon mal Bemerkungen auf wie „Ort: Frankreich” oder „Echte User aus DE/AT/CH Welt – kein Bot!!!!”. Im Internet gibt es halt nichts, was man nicht auch irgendwie kaufen kann.

Start in die „Social Network“-Welt mit beeindruckenden 1000 Fans

Ist Facebook hier eine Ausnahme? Mitnichten, auch für Twitter und Google+ kann man sich Anhänger und „+1“-Klicks erkaufen. Beeindruckend ist es schon, wenn man eine Fanpage besucht, mit der sich über 1000 Fans verknüpft haben. Auch Tausende von Klicks auf den „Gefällt mir”- oder „+1”-Knopf von Google fallen sofort ins Auge. Und wenn man den einschlägigen Informationen glaubt, sollen sich diese Klicks auch positiv auf die Platzierung in den Google-Suchlisten auswirken. Womit wir wieder beim Thema wären. Was bringt es, wenn man sich Fans oder Klicks kauft?

Die Frage kann man sich sehr schnell selber beantworten: Kaum ein Mensch wird sich durch eine einmalige Zahlung nachhaltig zu weiteren Aktionen motivieren lassen. Man erreicht mit solchen Aktionen eine kurzfristige Aufmerksamkeit, die aber auch schnell wieder verpufft. Vergleichen kann man dies mit einmaligen Flyer-Aktionen, auf die auch kaum einer reagiert.

Sinnvoll kann es für eine frischgebackene Unternehmens-Seite auf „Facebook“ immerhin sein, sich die ersten 25 Anhänger einzukaufen. Denn diese Fan-Anzahl ist notwendig, damit die Seite eine Adresse à la „facebook.com/meine-coole-firma” erhält und keine kryptischen Zeichenfolgen beworben werden müssen. Firmen, die zuvor eine klare „Social-Community“-Strategie entwickelt haben, können auf solche Maßnahmen jedoch verzichten. Denn mit einer guten Strategie lockt man binnen kurzem genug Anhänger auf eine neue Facebook-Seite. Und dabei handelt es sich dann um Fans, die auch zum Unternehmen oder dem Produkt stehen. Ronny Siegel

2 Kommentare

  1. Die sogenannte Vanity-URL gibt es schon seit einiger Zeit auch ohne die 25 Fans. Und mal davon abgesehen: Wenn ein Unternehmen bei facebook nicht aus dem eigenen Netzwerk 25 likes generieren kann, ist es vielleicht generell falsch dort.

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