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DARPA testet an Bord der Raumstation ISS Atomzeit-Chips für Waffen

Testplattform für Navi-Forschungen der US-Verteidigungsagentur DARPA: die ISS. Abb.: DARPA

Testplattform für Navi-Forschungen der US-Verteidigungsagentur DARPA: die ISS. Abb.: DARPA

Erdorbit, 31.3.2012: Die Astronauten der Internationalen Raumstation „ISS“ haben im Erdorbit mit Experimenten mit Atomzeit-Chipuhren begonnen, die Raumfahrzeuge künftig unabhängiger von einer Verbindung zur Erde machen sollen. Das teilte die US-Forschungsagentur für Verteidigung, die DARPA, mit – was auch einen Hinweis auf die eigentliche Bestimmung der neuen Miniatur-Atomuhren liefert: Sie sind Teil des DARPA-Programms „Micro PNT“, das zu neuartigen Mini-Navigationssystemen für autonome gesteuerte Munition und Mikro-Kampfdrohnen führen soll.

Klassische Atomuhren seien zwar an Präzision nicht zu übertreffenn, aber zu groß, um in die meisten Satelliten eingebaut zu werden, heißt es in der DARPA-Mitteilung. Deshalb habe man zusammen mit dem National Institute of Standards and Technology (NIST) vor acht Jahren begonnen, sogenannte „Chip-scale atomic clocks“ (CSAC) zu entwickeln, die etwa 100 Mal kleiner als klassische Atomuhren sind, zehn Mal weniger Energie benötigen und die Größe eines Computerchips haben.

Erste Tests mit Mikrosatelliten an Bord der Raumstation
SPHERE-Mikrosatelliten an Bord der ISS sollen zunächst mit den neuen Atomzeit-Chips Manöver testen. Abb.: NASA

SPHERE-Mikrosatelliten an Bord der ISS sollen zunächst mit den neuen Atomzeit-Chips Manöver testen. Abb.: NASA

Im Oktober 2011 habe „Progress 40“ solche DARPA-CSACs an Bord der ISS gebracht, wo sie nun zunächst an den „Sphere“-Mikrosatelliten (die bereits bei Roboterwettbewerben eingesetzt wurden) innerhalb der Raumstation getestet werden. Im nächsten Schritt sollen sie in die Bordsysteme der ISS integriert werden, damit die Station unabhängiger navigieren kann.

Atomkern wird zum Kreiskompass

Ein weiteres Projekt des DARPA-Programms „Micro-Technology for Positioning, Navigation, and Timing“ (Micro-PNT) sind atomare Kreiselkompasse. „Diese mikro-nuklearen Magnetoresonanz-Gyroskope nutzen den Spin atomarer Partikel in einem Atomkern, um ihre Lage zu bestimmen“, erklärte DARPA-Projektchef Andrei Shkel. Da die Teilchen im Atomkern von äußeren Erschütterungen auf Makroebene nicht gestört werden können, seien solche Nuklear-Kreiselkompasse bereits verfügbaren, Siliziumbasierten Mikrosystemen – wie sie zum Beispiel im iPhone verbaut werden – überlegen.

Die DARPA hofft darauf, Atomzeit-Uhrenchips und Nuklear-Gyroskope für sehr kompakte Navigationssysteme kombinieren zu können, die Soldaten auf dem Schlachtfeld wie auch neue Mikro-Drohnen von der GPS-Satellitenabdeckung im jeweiligen Gebiet unabhängig machen. Heiko Weckbrodt

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