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Leibniz-Institut IFW plant Supraleit-Schwebebahn in Dresden

Die Supratrans-Schwebebahn auf der Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Abb.:evico

Die Supratrans-Schwebebahn auf der Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Abb.:evico

Dresden, 29.3.2012: Das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) will in Dresden eine 600 Meter lange Teststrecke für supraleitende Schwebebahnen bauen. Das kündigte IFW-Direktor Prof. Ludwig Schultz an. Da man aber noch in Verhandlungen über dieses Projekt stehe, wolle er noch keine näheren Details nennen.

Supraleit-Magneten halten Fahrzeug nahezu reibungsfrei in der Schwebe
Prof. Ludwig Schultz. Abb.: IFW Dresden

Prof. Ludwig Schultz. Abb.: IFW Dresden

Dass Supraleit-Bahnen im 1:1-Maßstab funktionieren und auch Menschen befördern können, hat Schultz inzwischen mit einer 80 Meter langen Pilotanlage in Dresden-Niedersedlitz bewiesen. Das Fahrzeug – die „Supertrans II“ – für zwei Passagiere wird von vier Kryostaten mit Supraleitern getragen. Zur Kühlung werden ein halber Liter flüssiger Stickstoff pro Stunde verbraucht. Die Schwebebahn erreicht derzeit eine Maximalgeschwindigkeit von 20 Kilometern je Stunden. Rollwiderstand wie bei klassischen Straßenbahnen gibt es nicht, da die Supraleitmagneten das Verhikel in der Schwebe halt. Einmal angestoßen, kann es ohne weitere Motorkraft lange  Strecken zurücklegen. Im Praxisbetrieb wird es allerdings per Magnetkraft vorwärtsgestoßen. Auch supraleitende Modelleisenbahnen hatte Schultz bereits auf Wissenschafts-Shows vorgeführt.

Keine Energieverluste mehr: Ausgründung „evico“ fertigt die Supraleit-Stromkabel

Supraleit-Technik bedeutet: Die IFW-Bahnen schweben durch die Magnetkraft von tiefgekühlten Spezialkeramiken, die Strom widerstandslos leiten. Diese Technologie hat bereits zu einer Firmenausgründung des IFW geführt: Das Unternehmen „evico“ entwickelt in der sächsischen Landeshauptstadt supraleitende Stromkabel. Sollte sich diese Technik durchsetzen, könnte sie der Öko-Bilanz in den Industrieländern enorme Energieeinsparungen bescheren.

Supraleit-Fahrbahn auf der kleinen Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Die Supratrans II schwebt einige Zentimeter über den Supraleiterbahnen. Abb.: Evico

Supraleit-Fahrbahn auf der kleinen Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Die Supratrans II schwebt einige Zentimeter über den Supraleiterbahnen. Abb.: Evico

Das IFW selbst hat rund 600 feste Mitarbeiter und etwa 100 Gastwissenschaftlern und ist das größte Institut der Leibnizgemeinschaft in Dresden, die heute ihr 20. Gründungsjubiläum in Sachsen mit einem Festakt feiert. Bund und Land sorgen nur für eine Grundfinanzierung, den Rest müssen die Leibniz-Institute durch Forschungsprojekte mit der Industrie oder bei anderen Fördermittelgebern einwerben. Mittlerweile bestreitet das IFW rund elf der 28 Millionen Euro in seinem Jahreshaushalt durch selbst akquirierte Drittmittel – fast doppelt soviel wie noch vor zehn Jahren.

Das IFW hatte in der Vergangenheit unter anderem mit seinen Hightech-Kufen für Rennschlitten und Eisschnellläufer von sich Reden gemacht, diese verhalfen zum Beispiel deutschen Spitzensportlern wie Claudia Pechstein und Jenny Wolf zu Olympia-Erfolgen. Mit den kleinsten Raketen der Welt schafften es die Dresdner Nano-Forscher vor einem Jahr ins Guinness-Buch der Rekorde.

IFW wird für 5,3 Millionen Euro ausgebaut

Diese und weitere Projekte haben inzwischen dazu geführt, dass das IFW „aus allen Nähten platzt“, so Schultz. Daher entsteht an der Nöthnitzer Straße derzeit ein 5,3 Millionen Euro teuerer Anbau mit einem Technikum und 40 weiteren Forscher-Arbeitsplätzen – 2013 soll der Neubau fertig sein. Heiko Weckbrodt

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