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IFW-Direktor: Mehr Geld für Unis hilft Wirtschaft mehr als Firmen-Subventionen

Chemielabor an der TU Dresden. Abb.: TUD

Chemielabor an der TU Dresden. Abb.: TUD

Dresden, 29.3.2012: Sachsen sollte seine Universitäten finanziell besser ausstatten, damit diese auf Augenhöhe mit internationalen Forschungseinrichtungen agieren könne. Das fordert Prof. Ludwig Schultz, der Direktor des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung“ (IFW) Dresden und gleichzeitig Professor für Metallphysik an der TU Dresden.

Prof. Ludwig Schultz. Abb.: IFW Dresden

Prof. Ludwig Schultz. Abb.: IFW Dresden

„Die Landesregierung ist sich sehr wohl bewusst, dass Forschung und Entwicklung wichtig sind“, sagte Schultz aus Anlass des 20. Jubiläums der Leibniz-Gemeinschaft, den die sächsischen Institute heute mit einem Festakt feiern. „Aber wenn die hiesige Wirtschaft auch genügend Anstöße von der Wissenschaft bekommen soll, muss da noch mehr geschehen. Denn letztlich ist dieser Weg für den Steuerzahler billiger als direkte Subventionen für die Wirtschaft.“

Sächsische Unis müssen sich besser mit Forscher-Community im Westen vernetzen

Ein grundlegendes Problem der ostdeutschen Wissenschaftslandschaft in der Nachwendezeit sei auch beim Aufbau des IFW, das 1992 aus den Resten des einstigen „Zentralinstituts für Festkörperphysik und Werkstoffe“ (ZFW) der Akademie der Wissenschaften (AdW) der DDR entstand: „Unter den 300 Leuten, die damals vom IFW übernommen wurden, waren kaum Westreise-Kader“, erzählt IFW-Direktor Prof. Ludwig Schultz. „Sprich: Sie hatten zwar Kontakte nach Osteuropa, aber keine Netzwerke in der internationalen Wissenschafts-Community im Westen.“

Erst als sich das mit den Jahren änderte, konnte auch das IFW erfolgreicher agieren, errang sich internationales Renommee – und auch die nötigen Einnahmen, die für moderne Forschungsanlagen nun einmal benötigt werden.

Dass die TU Dresden und andere Unis bis heute Nachholebedarf nicht nur in der finanziellen Ausstattung, sondern auch in der Vernetzung gen Westen haben, sieht Schultz auch als einen wesentlichen Grund, warum die ostdeutschen Universitäten in den vergangenen Bewerbungsrunden des Bundes um Exzellenz-Fördermittel eher schwach abschnitten – in der aktuellen Vergaberunde ist nur noch die TU Dresden als ostdeutsche Uni unter den Finalisten. Denn: Die Bewerbungsunterlagen werden von Forschern aus dem Westen fachlich begutachtet und wenn diese die einreichenden Kollegen nicht kennen, sei dies ein Startnachteil – auch wenn er den Kollegen keineswegs mangelende Objektivität unterstellen wolle, so Schultz. „Aber wenn man jemanden kennt, geht man nun mal an eine eingereichte Zusendung ganz anders ran, so ist das nun mal.“

Uni-Professoren zu Auslands-Semestern drängen

Als sinnvoll bezeichnete Schultz den zum Beispiel von der Leibniz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft praktizierten Usus, führende Wissenschaftler auch als Professoren und Dozenten den Unis vor Ort anzubieten. Gerade in Dresden mit dessen beispielloser Dichte außeruniversitärer Forschungseinrichtungen (unter anderem zwölf Fraunhofer-Institute, fünf Leibniz-Einrichtungen, drei Max-Planck-Institute und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf) profitiere die Uni von den internationalen Netzwerken dieser Forscher mit, ganz abgesehen vom Mehrwert für die Studenten. Allerdings sollten auch die Hochschulen ihre eigenen Professoren noch mehr drängen, zum Beispiel Forschungssemester im englischsprachigen Raum einzulegen, um Kontakte zu knüpfen. Heiko Weckbrodt

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