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DVD „The Sound of Noise“: Schweden im Würgegriff musischer Fundamentalisten

Banküberfall der etwas anderen Art: Sanna Sound-Gang macht eine ganze Stadt zum Instrument. Abb. (2): Sunfilm

Banküberfall der etwas anderen Art: Sanna Sound-Gang macht eine ganze Stadt zum Instrument. Abb. (2): Sunfilm

Nein, die schwedische Polizei hat kein Problem mit fanatischen Islamisten. Ihr Problem sind fundamentalistische Musiker, die Banken überfallen, OP-Säle stürmen, Kraftwerke besetzen – nur, um die ganze Stadt als Instrument zu gebrauchen, eine „Symphony for a City“ zu spielen, wobei Hochspannungsleitungen den Streicherpart übernehmen, Bankstempel die Schlagzeuge… Und aufklären soll diesen symphonischen Terror ausgerechnet der musikhassende Inspektor Warnebring, dem seine musischen Eltern auch noch wie zum Hohn den Vornamen Amadeus gegeben hatten. Das Ganze nennt sich „Sound of Noise“ und ist ein Musikkrimi des Schweden Ola Simonsson, der heute auf DVD erschienen ist.

„Hör Dir diese Stadt mit ihrer Scheißmusik an“, schimpft Anstifterin Sanna eingangs. „Zeit, damit Schluss zu machen. Wir werden dieser Stadt ein Konzert geben, das sie nie vergisst.“ Und in gewisser Weise trifft sie sich darin mit ihrem Verfolger Warnebring, dem die Eltern ein Leben lang den kleineren Bruder als Vorbild vorgehalten haben, der so ein toller Dirigent geworden ist. Der omnipräsente Musikbrei aber löst bei Amadeus Warnebring regelrecht physische Schmerzen aus, alles was er will ist: „Ruhe, einfach nur Stille.“

Doch als der Inspektor Sanna und deren Gang aus fanatisierten Schlagzeugern und Live-Komonisten auf die Schliche kommt, ist er fasziniert, erkennt, dass nur diese Anarchisten ihm auf eine bizarre Art und Weise seine ersehnte Ruhe verschaffen können. Und so wird Warnebring selbst zum Großstadtkomponisten…

„Sound of Noise“ basiert auf einem vielgeklickten Youtube-Video, in dem eine Gang eine Wohnung infiltriert, um auf Haushaltgeräten zu musizieren. Dass Simonssons daraus entwickelter Film da und dort bremsende Längen hat, ist wohl auch auf das Bemühen zurück zu führen, eine lustige Idee von zehn auf 100 Minuten zu trimmen. Obwohl das dramaturgisch nicht durchweg trägt, verzeiht man dem Schweden die kleinen Schwächen gern. Denn sein Musikterrorismus ist dennoch ein ideenreicher Spaß.

Fazit:

Obwohl der Film gestrafft wohl gewonnen hätte: Angucken und vor allem Zuhören lohnt sich. In die deutschen Kinos hat er es zwar nicht geschafft, aber einen DVD-Abend ist er wert – als Boni gibt’s das ursprüngliche Youtube-Video und ein paar Extra-Performances. Heiko Weckbrodt

The Sound of Noise“ (Sunfilm), Musik-Krimi, Schweden 2010 (DVD: 2012), R.: Ola Simonsson, 98 min., P 12,
Extras: Soundtrack-CD, Original-Kurzfilme, Making-Of, Wasserkonzert
DVD: 18 Euro

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