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Qimonda-Insolvenzverwalter fordert Milliardenbetrag von Infineon

Abb.: Wikipedia, Qimonda

Neubiberg, 14.2.2012: Qimonda-Insolvenzverwalter Michael Jaffé fordert 1,71 Milliarden Euro von Infineon – plus Zinsen. Einen entsprechenden Zahlungsantrag hat Jaffé beim Landgericht München I im Rahmen des Rechtsstreits um die frühere Qimonda AG eingereicht. Der Chipkonzern Infineon (Neubiberg) hat die Forderungen zurückgewiesen – der Aktienkurs des Halbleiterunternehmens fiel dennoch im elektronischen Handel um über vier Prozent.

Jaffé hatte bereits Ende 2010 Forderungen gegen Infineon geltend gemacht, diese aber damals noch nicht beziffert. Er betrachtet die Ausgliederung der Speicherchip-Sparte „Qimonda“ von Infineon im Jahr 2006 als wirtschaftliche Neugründung, in die die Muttergesellschaft aber nicht genug Kapital (in Form der Sacheinlage „Speichergeschäft“) eingebracht habe. Damit sei Qimonda unterfinanziert gestartet.

2009 war Qimonda unter dem Druck der weltweiten Chipkrise pleite gegangen. Damit verloren weltweit rund 13.500 Mitarbeiter ihre Jobs. Auch das Dresdner Werk mit seinen zuletzt 2764 Mitarbeitern wurde geschlossen.

Infineon – das auch in Dresden weiterhin eigene Chipwerke betreibt – hält allerdings Jaffés Geldwünsche für unbegründet: In Gutachten sei festgestellt worden, „dass der Wert des eingebrachten Speichergeschäfts den Ausgabebetrag der ausgegebenen Aktien um ein Vielfaches überstieg“, erklärte Infineon heute in einer Ad-hoc-Meldung. Man werde sich „gegen die geltend gemachten Ansprüche weiterhin energisch zu Wehr setzen“ und bleibe „hinsichtlich des Ausgangs dieses Rechtsstreits zuversichtlich“.

Wenn sich Jaffé durchsetzen sollte – was eher fraglich ist – würde er mit der Ausgleichszahlung voraussichtlich die noch offenen Forderungen der Qimonda-Gläubiger bedienen. Pragmatisch gesprochen, wäre ein Sieg des Insovenzverwalters eher kontraproduktiv für den Arbeitsmarkt. Denn dies würde Infineon empfindlich schwächen – und allein in Dresden hängen an dem Logikchip-Hersteller über 2000 Jobs direkt und schätzungsweise weitere 3000 bei Zulieferern und Partnern in der Region. Heiko Weckbrodt

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