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DVD „Vincent will meer“: Tourette-Geschädigter flieht ans Mittelmeer

Vincent macht sich mit Marie auf zum Meer, über die Alpen. Abb.: Constantin

“Fuck! Fotze!”, ein weiteres kurzes inneres Aufbäumen. Vincent reißt sich die Hand vor dem Mund, ballt sie zur Faust, versucht mit dieser die nächsten Worte in seinen Mund zu ersticken. “Fu….”, entweicht es ihm, dann stürzt er aus der Kirche. Erstaunte, verdutzte Gesichter blicken ihm nach. Es ist ein sonniger Tag, der Tag der Beerdigung seiner Mutter.

Vincent und das Tourette-Syndrom

Vincent leidet unter dem Tourette-Syndrom, einer psychsischen Störung, die sich bei ihm in ungewollten Bewegungen und obszönen Begriffen wiederspiegelt. Auf die Frage, ob er bemerkt, wann der Tick ihn erwischt, antwortet er lapidar: „Es ist wie Schluckauf. Und denn kann man nicht stoppen.“ Seit der zweiten Klasse leidet er unter dieser Krankheit. Jetzt ist er 27 Jahre alt und hat nur noch einen Wunsch, seiner Mutter die letzte Ehre zu erweisen.

Die Story von “Vincent will meer”

Sein Vater, ein Politiker, sieht dies etwas anders. Er steckt Vincent in eine Klinik, damit man dort seine Krankheit heilen kann. Eine Illusion, denn das Tourette-Syndrom ist unheilbar. In der Klinik lernt Vincent Marie kennen. Diese hat auch einen guten Grund für ihren Aufenthalt in der Klinik. Sie leidet unter Magersucht. Seinem Zimmerpartner Alexander geht es nicht besser. Als Zwangsneurotiker versucht er, alles in ordentliche Bahnen zu lenken.

Irgendwann beschließt Marie, aus der Klinik zu verschwinden. Die passenden Autoschlüssel von der Therapeutin Dr. Rose hat sie sich bereits organisiert. Doch sie will nicht alleine fahren und überzeugt Vincent, sie zu begleiten. Da sie nicht weiß, wohin die Reise gehen soll, fragt sie Vincent, der sofort eine Antwort kennt: Ans Meer nach Italien, dort, wo seine Mutter glücklich war, wie ein Foto beweist, das er immer bei sich trägt. Alexander bekommt Wind von der Flucht und versucht die Beiden abzuhalten. Kurzerhand wird er in das gestohlene Auto von Dr. Rose gezerrt und mitgenommen, auf eine Reise über die Alpen in den Süden.

Als Dr. Rose herausfindet, dass ihr Fahrzeug gestohlen wurde, benachrichtigt sie Vincents Vater. Dem passen diese Nachrichten aber gerade gar nicht in seine politische Laufbahn. Kurzerhand entschließt er sich, seinen Sohn zu suchen und zurück zu bringen. Gemeinsam mit der Therapeutin verfolgen sie die drei Ausreißer. Doch diese lassen sich von ihren Verfolgern nicht beieren und setzen ihren Weg ans Meer fort.

Ein Film für einen verregneten Sommerabend

Man hätte mehr erwartet. Doch leider blieb es nur bei einer netten Abendunterhaltung. Dabei hätte das Thema jede Menge Potenzial. Schließlich ist das Tourette-Syndrom für viele eine unbekannte und beängstigende Krankheit. Doch anstatt sich intensiver mit der Krankheit auseinander zu setzen, spielte diese nur eine untergeordnete Rolle. Man könnte die physischen Störungen von Vincent gegen jede erdenklich andere Störung ersetzen, ohne dass die Story von Vincent will meer” darunter leiden würde. Schade , dass es dem Regisseur Ralf Huettner nicht gelang, seine Charaktere in den 96 Minuten besser auszubilden.

Dafür kann sich das Bonusmaterial auf der DVD sehen lassen. Neben geschnitten Szenen und einem „Making Off“ finden sich auf dieser auch acht Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur. Dazu kommt ein vierminütiger Blick hinter die Kulissen und ein begleitender Audiokommentar. Die DVD rundet somit einen Film ab, den man sich an einem verregneten Sommerabend genüsslich reinziehen kann. Mehr sollte man aber nicht erwarten. Ronny Siegel

Originaltitel: „Vincent will meer“
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 96 Minuten
Regie: Ralf Huettner
Darsteller: Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Johannes Allmayer, Heino Ferch, Katharina Müller-Elmau

DVD fünf, Bluray 15 Euro

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