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VW-Großauftrag verschafft Dresdner Sensorfirma „i2s“ Wachstumssprung

i2s-Elektronikerin Cornelia Lehmann überprüft mit der Mikroskopkamera, ob die 75 Mikrometer dünnen Chip-Kontaktierungen stimmen. Die Bonding-Technologie dafür hat Anlagenbauer Xenon der Halbleiterindustrie entlehnt. Abb.: hw

i2s-Elektronikerin Cornelia Lehmann überprüft mit der Mikroskopkamera, ob die 75 Mikrometer dünnen Chip-Kontaktierungen stimmen. Die Bonding-Technologie dafür hat Anlagenbauer Xenon der Halbleiterindustrie entlehnt. Abb.: hw

Dresden, 1.2.2012. Die Dresdner Sensorfirma „i2s“ hat durch einen Großauftrag der VW-Gruppe einen Sprung geschafft: Seit dem Projektbeginn 2009 konnte das Umsatz seinen Umsatz von 9,5 auf 20 Millionen Euro verdoppeln, für dieses Jahr peilt Geschäftsführer Wolfram Beyer eine weitere Steigerung auf 23 Millionen Euro an. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 70 auf 112 gestiegen, weitere acht neue Jobs sind demnächst geplant.

i2s-Chef Wolfram Beyer

i2s-Chef Wolfram Beyer

„In jedem Audi steckt Sensor von uns“

Möglich machte diesen Schub eine stille Beteiligung des „Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen“ von Freistaat und Sparkassen. „Mit dem Geld haben wir einen neuartigen Drucksensor für Auto-Klimaanlagen entwickelt und eine Fertigungsanlage von Xenon Dresden gekauft“, berichtet Beyer. „Diese Sensoren liefern wir nun an den VW-Konzern, der sie in Audis einbaut. Man kann sagen: In jedem Audi steckt jetzt ein Sensor von uns“, erzählt der i2s-Chef sichtlich stolz.

In diesem Jahr will er weitere zwei Millionen Euro in neue Fertigungsanlagen und Rationalisierungen investieren. Die Auftragslage sei gut, sagt er. „Von einem Abschwung haben wir bisher nichts gespürt.“

„Heuschrecken“ unerwünscht
Wirtschaftsminister Sven Morlok (l.) und Investor Christian Vogel begutachten die Audi-Sensoren. Abb.: hw

Wirtschaftsminister Sven Morlok (l.) und Investor Christian Vogel begutachten die Audi-Sensoren. Abb.: hw

Dass man den „Wachstumsfonds“ ins Boot geholt habe, liege auch in der Historie des Unternehmens begründet, betont Beyer. „Wir wollten keine ,Heuschrecke‘ haben, die uns die Selbstständigkeit nimmt.“

Denn mit Fremdsteuerung haben die Dresdner schlechte Erfahrungen: Nach der Wende als ISS GmbH gegründet, stiegen erst dann die japanische Nagano-Gruppe und später der US-Chipkonzern Texas Instruments (TI) ein. Mitte 2000 kündigte TI jedoch an, das Dresdner Werk zu schließen und die Anlagen nach Malaysia zu verlagern – da hatte die Firma 225 Mitarbeiter.

Um den Untergang abzuwenden, gründeten Beyer und Kollegen 2001 die „i2s“, die sich seitdem im Streubesitz der Mitarbeiter befindet. „Und diese Kontrolle wollen wir nie wieder verlieren“, sagt der Chef kämpferisch.

Elektronikmontage auch in Deutschland machbar – aber nur mit hoher Automatisierung
Xenon hat "i2s" eine hochautomatisierte Montagelinie konstruiert, damit die Dresdner gegen die Fernost-Konkurrenz bestehen können. Abb.: hw

Xenon hat "i2s" eine hochautomatisierte Montagelinie konstruiert, damit die Dresdner gegen die Fernost-Konkurrenz bestehen können. Abb.: hw

Denn die Dresdner wollen beweisen, dass Elektronikmontage auch in Deutschland und nicht nur in Fernost betriebswirtschaftlich machbar und sogar lohnenswert ist. „Das geht natürlich nur mit einem sehr hohen Automatisierungsgrad“, unterstreicht Entwicklungsleiter Andreas Schroth.

An diesem ehrgeizigen Ansatz hängt im Großraum Dresden eine ganze Wertschöpfungskette: Die hochautomatisierte Fertigungsanlage für die Audi-Sensoren, die mit jeweils nur zweiköpfiger Besatzung im Drei-Schicht-Betrieb bis zu 9000 Teile pro Tag produziert, hat sich is2 vom Dresdner Sonderanlagenbauer Xenon konstruieren lassen. Die ASIC-Chips in den Sensoren liefert das ZMDi in Dresden-Klotzsche, die Kunststoffteile die Fahrzeugelektrik Pirna (FEP) und einen Teil der Leiterplatten BUS Elektronik Riesa. „Ein schönes Beispiel, wie unsere regionalen Netzwerke funktionieren“, freute sich prompt Minister Morlok. Heiko Weckbrodt

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