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Elektronikfirma Nanium gründet Niederlassung in Dresden

Nanium ist auf Chipkontaktierung und andere Backened-Technologien spezialisiert. Abb.: Nanium

Nanium ist auf Chipkontaktierung und andere Backened-Technologien spezialisiert. Abb.: Nanium

Dresden/Vila do Conde, 31.1.2012: Die portugiesische Elektronikfirma „Nanium“ hat eine Niederlassung in Dresden gegründet. Es handele sich um den ersten Ableger des auf Chip-Endmontage (sogenanntes „Backend“) spezialisierten Auftragsfertigers außerhalb Portugals, teilte Technologiedirektor Steffen Kröhnert mit. Angesiedelt ist die Dependance im „Airport Center“ am Flughafen.

„Dresden wurde gewählt, da es im Herzen von Silicon Saxony liegt, welches zusammen mit Grenoble in Frankreich die zwei größten Halbleiter Forschungs- und Produktionszentren in Europa repräsentiert“, erläuterte Kröhnert die Standort-Entscheidung. Zudem sei die Stadt ist seit einigen Jahren auch Heimat der Semicon Europa, der führenden Handelsmesse der Europäischen Halbleiterindustrie. Auch seien hier wichtige Nanium-Kunden wie Infineon und Globalfoundries angesiedelt.

Die Niederlassung soll sich um die Betreuung von Nanium-Kunden in Dresden, ganz Deutschland und demnächst noch in Russland kümmern. Er wolle in nächster Zeit ein etwa fünfköpfiges Team aufbauen, dass sich auch um Design- und Entwicklungsprojekte kümmerte, kündigte Kröhnert an.

Nanium Dresden hat sich im Airport-Center angesiedelt. Abb.: Michael Weimar, Flughafen Dresden

Nanium Dresden hat sich im Airport-Center angesiedelt. Abb.: Michael Weimar, Flughafen Dresden

Mit Nanium und Kröhnert kehren im Grunde alte Bekannte an die Elbe zurück: Dahinter steckt die frühere Backend-Fabrik von Qimonda Vila do Conde. Dorthin war Kröhnert im Jahr 2007 von Qimonda Dresden delegiert worden, um dort eine Entwicklungsabteilung aufzubauen.

Ursprünglich wurde diese Chip-Endmontagefabrik 1996 noch von „Siemens Halbleiter“ aufgebaut. Der Standort ging dann zunächst an Infineon und schließlich an Qimonda über.

Nachdem der deutsche Speicherchipkonzern 2009 pleite ging, wurde die – seinerzeit mit öffentlichen Beihilfen etablierte – Fabrik (anders als Qimonda Dresden) durch staatliche Intervention gerettet: Im Februar 2010 entstand aus der Insolvenzmasse von Qimonda Portugal „Nanium“. Seitdem hält die Regierung 17,88 Prozent der Anteile, jeweils 41,06 Prozent entfallen auf die portugiesischen Privatbanken „Banco Espírito Santo“ und „Banco Comercial Português“. Von den einst rund 2000 Mitarbeitern blieben zunächst nur 240 übrig.

Heute beschäftigt das Unternehmen aber wieder über 500 Mitarbeiter. Es verfügt über einen 20.600 Quadratmeter großen Reinraum in Vila do Conde. „Seit der Qimonda-Insolvenz haben wir hier noch mal etwa 36 Millionen Euro in neue Ausrüstungen investiert“, berichtet Köhnert.

In den vergangenen 20 Jahren sei zwar ein Großteil der Backend-Prozesse nach Asien verlagert worden – inzwischen sehe er aber einen gegenläufigen Trend: „Neuere Backend-Prozesse sind sehr komplex geworden, dafür braucht man den innovativen europäischen Ingenieur“, sagt der Nanium-Technologiedirektor. In der Branche spreche man mittlerweile von einem neuen „Midend“ – Fertigungsprozessen also, die sowohl Technologien der Kern-Chipfertigung im Reinstraum („Frondend“) wie auch Kontaktierungstechnologien des Backends nutzen. „Diese Kompetenzen in Europa verfügbar zu haben, wird entscheidend sein, um komplexe Produkte zeitnah und preisgünstig anbieten zu können“, ist Kröhnert überzeugt.

Nanium ist nach eigenen Angaben Europas größter unabhängiger Auftragsfertiger (Foundry) für Chip-Endmontage (für 300-Millimeter-Wafer), unterstützt Kunden aber auch beim Leiterplatten-Design. Hauptkunde ist „Intel Mobile Communications“ (IMC), also die ehemalige Mobilfunksparte der Qimonda-Mutter Infineon. In Dresden gibt es bereits einige Backend-Unternehmen wie zum Beispiel die ehemalige ZMD-Tochter MPD. Heiko Weckbrodt

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