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Dresdner Technikmuseum rückt Sachsens Mikroelektronik in den Fokus

Werner Hartmann weiht 1965 das Mikroelektronik-Institut in Klotzsche ein. Abb.: ZMD

Dresden, 21.12.2011: Die sächsischen Mikroelektronik-Traditionen sollen sich künftig in den „Technischen Sammlungen Dresden“ (TSD) stärker widerspiegeln. Als ersten Schritt dahin plant das Striesener Museum an der Junghansstraße eine Sonderausstellung „50 Jahre Mikroelektronik“. Diese soll Ende Januar 2012 öffnen und die Entwicklung der hiesigen Halbleiterindustrie von 1961 bis heute beleuchten. Anlass ist der 100. Geburtstag des Dresdner Mikroelektronik-Vordenkers Werner Hartmann (geboren 30. Januar 1912 in Berlin, gestorben 8. März 1988 in Dresden).

Der ostdeutsche Megabit-Chip vom ZMD. Abb.: hw

„Die Dresdner Mikroelektronik hat sich an die Spitze Europas vorgearbeitet“, sagte Ausstellungs-Kurator Dr. Ralf Pulla. „Daraus hat sich hier ein Traditionsempfinden entwickelt, das sich auch in unserer Ausstellung niederschlagen soll.“ Er möchte die Exposition in drei Abschnitte teilen: Von den Anfängen in Hartmanns „Arbeitsstelle für Molekularelektronik Dresden“ 1961 bis zu den SED-Mikroelektronikbeschlüssen 1976, danach die Zeit bis 1989/90 und schließlich die Entwicklung nach der Wende. Darin will er zahlreiche Exponate zeigen, darunter den in Dresden entwickelten Megabit-Speicherchip, die vom Hartmann-Team selbstentworfenen Foto-Masken für den Start der Halbleiterproduktion in Klotzsche, den ersten Herzschrittmacher-Schaltkreis der DDR, Taschenrechner, Digitaluhren und andere Konsumgüter, die durch die Mikroelektronik erst möglich wurden. Auch wird eine Reportage aus der Technikpropaganda-Serie „Wettlauf mit der Zeit“ gezeigt, für die ein DDR-Fernsehteam die Dresdner Entwickler des Megabit-Chips ein halbes Jahr lang begleitet hatte.

„Wir wollen aber auch versuchen, diese Technologie sinnlich erfahrbar zu machen“, betonte Pulla. So will er den ersten integrierten Schaltkreis, der 1968 in Dresden entstand, in verschiedenen Auflösungen vergrößern: mit dem klassischen Lichtmikroskop betrachtet bis hin zur Elektronenmikroskop-Aufnahme. „Anders als heutige Bausteine hatte dieser erste Chip aus Dresden nicht 700 Millionen, sondern nur zehn Transistoren“, erklärt der Kurator die Idee dahinter. „Da kann man noch die Schaltungen erkennen und wie die Teile zusammen funktioniert haben.“

Die Schau ist zwar als Sonderausstellung konzipiert, die am 3. Oktober 2012 wieder schließen wird. Wenn sie aber beim Publikum ankommt und auch genug Platz dafür entsteht, will die Museumsleitung in Zukunft dauerhaft an die Dresdner Mikroelektronik-Geschichte erinnern. Heiko Weckbrodt

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