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„Core i7 3690 X EE“ im Oiger-Test: Intels neues Flaggschiff stürmt mit bis zu 4,6 GHz vorwärts

Intels neuer Prozessor Core i7 3690 X EE auf einem DX79SI-Bord mit Flüssigkühler. Abb.: hw

Intels neuer Prozessor Core i7 3690 X EE auf einem DX79SI-Bord mit Flüssigkühler. Abb.: hw

Mit seinem Sechskern-Prozessor „Core i7 3690 X EE“ durchbricht Intel die zunächst unbeherrschbar erscheinende Limit von 4 Gigahertz (GHz). Die neue Extremedition aus der „Sandy Bridge“-Reihe wird zwar nominell nur mit 3,3 GHz Takt ausgeliefert, lässt sich aber mit einer eigens dafür eingerichteten BIOS-Funktion auch durch Laien mit zwei Klicks auf 4,6 GHz hochtreiben – im Dauerbetrieb. In diesem Modus schlug sich der Neue im Oiger-Testlabor auch sehr wacker, in einigen Disziplinen sogar grandios.

Der Core i7 3960x EE sitzt auf dem neuen LGA-2011-Sockel. Abb.: Intel

Der Core i7 3960x EE sitzt auf dem neuen LGA-2011-Sockel. Abb.: Intel

Der eine oder andere wird sich an die Zeit erinnern, als sich AMD und Intel noch ein heißes Rennen um immer höhere Taktfrequenzen in Prozessoren lieferten – das dann aber sang- und klanglos erst von AMD und dann von Intel abgesagt wurde. Der Marktführer kündigte 2004 zunächst noch einen 4-Gigahertz-Pentium an, erklärte aber wenig später, die thermischen und elektrischen Probleme bei solch hohen Frequenzen nicht in den Griff zu bekommen, jedenfalls nicht mit handelsüblichen Kühlern und Netzteilen.

Seitdem haben sich die Prozessorhersteller auf mehr Kerne und Architekturverbesserungen verlegt, lediglich Übertaktungs-Fans schoben durch den Einsatz von Helium- und Stickstoff-Kühlern die Taktraten noch etwas hinaus.

Nachbrenner per BIOS-Schalter
Innenansicht: Sechs Kerne teilen sich 15 MB Zwischenspeicher. Abb.: Intel

Innenansicht: Sechs Kerne teilen sich 15 MB Zwischenspeicher. Abb.: Intel

Dass Intel nun in aller Stille die 4-GHz-Grenze doch durchbrochen hat, ist einerseits dem 32-Nanometer-Fertigungsverfahren für die „Sandy Bridges“ (so der Kosename der aktuellen Core i7-Prozessoren) zu verdanken, außerdem einer Flüssig-Prozessorkühlung, die Intel serienmäßig zusammen mit Chip und Bord anbietet. Und die arbeitet so stabil, dass der Chipkonzern der Hauptplatine einen neuen BIOS-Schalter „Performance“ spendiert hat, der es auch Laien ermöglicht, den „Core i7 3690 X Extreme Edition“ deutlich zu übertakten.

Mit manueller Nachjustierung sind so laut Intel bis zu 4,8 GHz möglich, im Oiger-Test haben wir uns auf die serienmäßige 4,6-GHz-Einstellung beschränkt. Und die holt eine deutliches Leistungsplus aus der CPU heraus. Während sich der 3690er (welch sperrige Typenbezeichnung wieder mal!) im Normalmodus mit 3,3 GHz gegenüber unserem Referenzmodell, dem „Core i7 965 EE @ 3,26 GHz“ „Kosename „Bloomfield“ nicht allzu berühmt anstellte und vor allem in synthetischen Tempotests oft nur zwei Drittel der alten Flaggschiff-Geschwindigkeit erreichte, legte er im Performance-Modus deutlich zu – vor allem bei Spielen.

Vor allem bei Spielen sehr schnell
Vor allem bei Spielen ist das neue Flaggschiff sehr schnell. Abb.: hw

Vor allem bei Spielen ist das neue Flaggschiff sehr schnell. Abb.: hw

Beim Spielephysik-Benchmark „Realitymark“ (seinerzeit von Ageia entwickelt, um die Überlegenheit spezielle Physik-Beschleunigerkarten zu beweisen) war er viermal so schnell wie der „Bloomfield“ und immerhin fast doppelt so schnell wie im eigenen Standardmodus. Bei CPU-Benchmark von „Crysis“war er im 4,6-GHz-Modus ebenfalls viermal so schnell wie der „Bloomfield“, kam aber bei den eher auf Anwendungsprogramme geeichten PCMark Vantage und PCMark 7 nicht ganz an das alte Flaggschiff heran.

Hauptplatine „DX79SI“ auch mit USB-3-Ports

Da auf den neuen Sockel „LGA 2011“ angewiesen, kann der 3690er nicht auf alten Platinen eingesteckt werden. Intel bietet für den Übertaktungskönig die „DX79SI“-Hauptplatine an, die auch sonst einige Neuerungen bringt. Die nämlich wird vom „Intel X79“-Chipset gesteuert, unterstützt im Übertaktmodus DDR3-2400-RAM-Module und hat auch vier Buchsen für neuen USB-3.0-Geräte. Außerdem hat sie drei vollwertige PCI-Express-Slots für gekoppelte Grafikkarten und sechs SATA-Buchsen für Festplatten und andere Laufwerke, zwei davon mit bis zu sechs Gigabit je Sekunde Datendurchsatz. Auch in puncto Optik und Komfort macht die Platine mit ihren leuchtenden LEDs und ihren aufgelöteten Schaltern (Einschalten und Reset) was her.

Fazit
Der Flüssigkühler verhindert beim Sandy Bridge auch jenseits der 4 GHz den Hitzetod. Abb.: Intel

Der Flüssigkühler verhindert beim Sandy Bridge auch jenseits der 4 GHz den Hitzetod. Abb.: Intel

Wer richtig viel Leistung braucht – vor allem natürlich Extremspieler – ist mit Intels neuem Flaggschiff gut bedient, sollte aber einen wohlgefüllten Geldbeutel haben: Allein der Prozessor kostet meist zwischen 850 bis 900 Euro, dazu kommen dann noch mal zirka 270 Euro für die neue Hauptplatine und weitere 80 bis 90 Euro für den Flüssig-Prozessorkühler „RTS2011 LC“ – macht zusammen schlappe 1200 Euro oder mehr.

Ausblick: 22-nm-Prozessor „Ivy Bridge“ folgt 2012

Voraussichtlich im ersten Halbjahr 2012 wird Intel mit der Auslieferung seiner nächsten Prozessorgeneration (Codename: „Ivy Bridge“) beginnen, die dann bereits im 22-Nanometer-Verfahren hergestellt wird. Kleinere Strukturen ermöglichen in der Regel höhere Taktraten, in jedem Fall höhere Leistungskraft. Damit wird der Marktführer seinen Vorsprung vor AMD, deren Hauptauftragsfertiger Globalfoundries erst kürzlich die ersten „Bulldozer“ im 32-nm-Prozess ausgeliefert hat, wohl ausbauen.

Laut Gerüchteküche will AMD aber wohl ohnehin aus dem Leistungsrennen mit Intel aussteigen. Anscheinend will sich der ewige Zweite nun stärker auf Billig-Chips für Entwicklungsländer und Stromspar-Prozessoren nach ARM-Vorbild konzentrieren. Bisher ist dieser Kurswechsel in dieser Deutlichkeit zwar nicht offiziell bestätigt, gewisse Äußerungen des neuen AMD-Chefs Rory Read haben dies aber bereits angedeutet (Der Oiger berichtete). Heiko Weckbrodt

 

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