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Scheibenwelt-Krimi „Snuff“: Wo Mumm ist, ist der Sensenmann nicht weit

Kommandant Mumm rettet diesmal verklavte Kobolde. Abb. (2): Terry Pratchett

Kommandant Mumm rettet diesmal verklavte Kobolde. Abb. (2): Terry Pratchett

Wo ein Polizist ist, da ist das Verbrechen nicht weit. Das bekommt auch Polizeichef Sam Mumm von Ankh-Morpok zu spüren, der im neuen Scheibenwelt-Roman „Snuff“ das erste Mal seit Jahren Urlaub mit Gattin und Sohnemann auf dem Lande macht. Statt sich zu erholen, stolpert der alte Kämpe nach wenigen Tagen über die Überreste eines brutal abgeschlachteten Koboldmädchens, legt sich mit der Land-High-Society an und deckt einen Drogenschmuggel-Ring auf, der sich bis zum Rand der Weltscheibe erstreckt. Der englische Erzfabulierer Terry Pratchett braucht in seinem neuesten Discworld-Krimi zwar etwas Anlauf, um zu alter Form aufzulaufen, punktet in der zweiten Hälfte aber wieder mit bewährten Stadtwache-Qualitäten.

Was „Snuff“ (der Titel spielt auf Tabakschmuggel und Snuff-Movies, also Schlächterfilme, an) anfangs doch etwas zähe macht, ist Pratchetts Versuch, an seinen Figuren ernsthafter als sonst zu arbeiten, vor allem natürlich an Polizeichef Mumm, der es vom Straßenlatscher bis zum Herzog und zum „Terrier“ des Stadttyrannen der schmutzig-garstigen Mega-City Ankh Morpok gebracht hat. Auch bastelt Pratchett ein bisschen viel Gutmenschlichkeit und Toleranzappelle in seinen Roman. Das will eigentlich nicht so recht zum früher zu ruppig-geradlinigen Stadtwache-Kommandanten passen. Zudem beginnt sich Pratchett ein wenig zu wiederholen. Ein wenig scheint dem Briten die Leichtigkeit und ausufernde Phantasie abhanden gekommen zu sein, die frühere Scheibenweltromane bis in ihre Verästelungen hinein so lustig gemacht hatten.

Nach dem ersten, etwas zähen Drittel nimmt der Krimi aber dann doch an Fahrt auf und führt mit den Kobolden (Goblins) in eine bizarre Facette der Scheibenwelt ein – eine Rasse, die sich selbst für Abschaum hält, die eigenen Babys frisst – und vom hochmütigen Geldadel für finstere Geschäfte missbraucht wird. Da stehen dann auch wieder unorthodoxe Fabulierideen neben höchst amüsanten Dialogen, was „Snuff“ doch wieder lesenswert macht. Da kommt wieder der markige Mumm zum Vorschein, der sturer Geradlinigkeit, mit Beil und Brecheisen in den Händen gegen jeden ermittelt, der das Recht bricht – egal ob Lord oder Lausbub. Und da bekommt man gleich wieder Lust auf noch mehr Geschichten mit Kommandant Mumm – wie man hört, plant die BBC ja nun eine Animationsfilmreihe mit neuen Stadtwache-Abenteuern… Heiko Weckbrodt

Erschienen ist das Buch bisher erst in Englisch (die Rezension bezieht sich daher auf die englische Originalausgabe), die deutsche Ausgabe dürfte wohl 2012 folgen.
Terry Pratchett: „Snuff – A Discworld Novel“, Doubleday, 2011, 400 Seiten, 16 Euro (Kindle-Ebook: 13 Euro)